Romano - Körper

Nonstop Pop
VÖ: 20.02.2026
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

An den Händen beiden ließ er sich nicht schneiden

27 Minuten und 18 Sekunden. Und dann Album dazu sagen. Frech. Das gibt mindestens Beschwerden von Brust, Bauch, Knie und Vagina, die sich nicht berücksichtigt fühlen. Aber wenn die wüssten, was der Rest vom "Körper" hier so treibt, wären sie vielleicht schnell wieder ruhig.

Die "Zunge" wackelt nicht nur, nein zu feisten Beats leckt sie an allem, was ihr vor den feuchten Lappen kommt. Instrumente, Fahrradsättel, ganze Autos und natürlich andere Körperteile. Nicht viel appetitlicher treibt es die "Nase", sie schnüffelt auch – ihr ahnt es – überall herum. Die "Finger" reduzieren sich nach alter Agatha-Christie-Manier so lange, bis da keiner mehr ist. Der Fuß gehört hingegen zu einem (Schein-)Heiligen, der mit geschickten Worten für eine Persiflage auf alberne Götzenanbetung genutzt wird. Etwas, das in den "Ohren" herangewachsen ist, entwickelt ein eigenes Bewusstsein und will gleich seine eigene Religion gründen, politischer Anführer werden oder sich klonen. Die "Augen" wiederum, "sie gucken und starren dich an", egal, ob Du mit Deinem Schiff auf dem Nil havarierst, als Scharfschütze gerade den Präsidenten verfehlt hast oder als Hofnarr die Frau des Fürsten geschwängert hast, schon wieder.

Ganz übel sind die "Beine" dran. Sie müssen marschieren, marschieren, durch den Krieg, notfalls ersetzt durch Roboterextremitäten, nachdem die Originale auf eine Mine getreten sind. Auch die "Zöpfe" erleben militärische und blutige Auseinandersetzungen, fallen aber sonst völlig aus dem Rahmen. Wie sollte es anders sein, sind sie doch das optische Markenzeichen ihres Schöpfers. Mit denen er schon geboren wurde, wie ein irres Mini-Hörspiel in der Mitte der Platte berichtet. Der "Arsch" nimmt es hingegen locker und lässt sämtliche Popoklischees über sich ergehen, ohne die prallen Backen hängen zu lassen. Währenddessen hat der "Penis" ganz andere Sorgen. Erst war er schlaff, doch nun ist da dieser mysteriöse Pianist im Dachgeschoss eingezogen, auf den er plötzlich so seltsam reagiert. Vielleicht doch lieber ein entspanntes "Polyesterherz", das für eingängigen Elektro-Pop schlägt? Nur der "Geist" ahnt ganz am Ende, dass da vielleicht grundsätzlich etwas faul ist.

Während Romano zuletzt auf "Vulkano Romano" größtenteils überzeugend einen Abstecher ins Schlagergenre gemacht hat, ist er auf "Körper" wieder ganz bei sich, also in mehrerlei Hinsicht. Sein Buddy Siriusmo liefert die trockenen Beats, und der Köpenicker rappt dazu über knackige Tracks konsequent rund um das vorgegebene Konzept des Körpers. Und zu jenem liefert er – trotz der kritikwürdigen Kürze, Punktabzug hierfür – ein Feuerwerk an Textideen ab, das die Ohren schlackern lässt, nur gelegentlich die Augen zum Rollen bringt, ansonsten aber vor allem in seinen dunkleren Momenten das Hirn anregt. Daumen hoch.

(Thomas Bästlein)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Zunge
  • Augen
  • Polyesterherz

Tracklist

  1. Zunge
  2. Finger
  3. Fuß des Tabanaka
  4. Ohren
  5. Nase
  6. Zöpfe
  7. Augen
  8. Beine
  9. Arsch
  10. Penis
  11. Polyesterherz
  12. Geist
Gesamtspielzeit: 27:18 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-02-20 10:43:15

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_l9wI2_tOPPkjsImwXOkmTqjJFCKeKQFt8&si=lisxqynZFVV5WNDh

Musikexpress 4.5/6

https://www.musikexpress.de/reviews/romano-koerper/

Rolling Stone 3.5/5

https://www.rollingstone.de/reviews/romano-koerper/

Vive

2026-02-19 09:00:22

Sein Buddy Siriusmo liefert die trockenen Beats

dann muss ich schon mal reinhören

Armin

2026-02-14 21:27:52- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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