Die Regierung - Immer unbekannt
Staatsakt / Bertus / ZebralutionVÖ: 20.02.2026
Vertrauensfragen
Verliebtheit ist für die breite Masse an Leuten die wahrscheinlichste Möglichkeit, einmal so wie in einer Hollywood-Produktion zu empfinden. Das Umfeld zeigt sich fast schon enttäuscht, wenn man nicht völlig vernebelt von seinen amourösen Eskapaden etwaige Dellen in die Straßenlaternen des Arbeitswegs läuft und wahlweise dabei debil kichert. Es ist eben nicht umsonst "das große Gefühl". Und angesichts der Menge an zentralen bis egalen Werken der Kulturgeschichte, die sich damit auseinandersetzen, kann man das keiner Band zum Vorwurf machen, auf diesen himmelhohen Stapel nochmal sein Scherflein beizusteuern. Das tut Die Regierung seit ihrem ersten Reunion-Album in recht regelmäßigen Abständen von etwa zwei Jahren, und hat damit nun auch wieder ein knappes Jahrzehnt, also quasi zwei Legislaturperioden auf Länderebene, damit zugebracht, doch nochmal etwas Neues in dem Dauerbrennerthema Nummer Eins zu Songs zu verarbeiten.
Tilman Rossmy, das durchgängig im Line-Up befindliche Gründungsmitglied des ehemaligen Trios und heutigen Quintetts, findet hierbei als hauptamtlicher Texter der Band tatsächlich eine Reihe interessanter Motive. Zeilen wie "Zu lieben ist wie Atmen / Es erfordert keine Anstrengung / Liebe ist wie Atmen / Du musst es nicht selber tun" sind jetzt für sich alleine genommen gewiss kein Shortlist-Material für den Ingeborg-Bachmann-Preis, beleuchten aber angenehm spielerisch die Facette, dass man sich das mit der Anziehungskraft zueinander vielleicht doch gar nicht mal so eigenmächtig aussucht, wie man sich gerne einredet. Das hat seinen Reiz und verdient seinen Platz, ebenso wie das subtil unsubtile Bonmot "Und jetzt ist da dieser Schmerz / Und er geht nicht mehr weg / Ist dieser Schmerz / Jemand anderes als ich?" aus dem Opener des Albums. Ein schöner produktionstechnischer Kniff ist ebenso mit der Wahl des Aufnahmeorts gelungen. Dafür hat man sich nämlich phasenweise in einen Bunker einquartiert, dessen Wände Rossmys Gesang eine ganz eigene Form von Resonanz zurückwerfen und damit eine Art natürlichen Lo-Fi-Effekt erzeugen. Es passt auch in seiner räumlichen Enge thematisch zu einem Album, welches sich zwar dessen bewusst ist, dass die Suche nach Liebe alternativlos ist, aber deswegen ja nicht gleich hektisch werden braucht.
Was sich erstmal wie ein ungewohnter und damit eben auch kreativer Ansatz zum ewigen Thema Liebe mit eigentlich klarem Leitthema liest, hat aber ironischerweise zu häufig dennoch den Nachteil einer fehlenden Stoßrichtung. Das Empfinden von Gleichförmigkeit und der schulterzuckende Subtext, dass die Dinge eben sind, wie sie sind, lassen einen ein wenig bestellt und nicht abgeholt zurück. Betrachtet man das Album insbesondere im Kontext seiner vier Vorgänger seit 2017, muss man ebenso konstatieren, dass man auf "Immer unbekannt" leider vergleichsweise wenig mutige Entscheidungen getroffen hat. Kleinere Experimente in der Instrumentierung wie beispielsweise auf den Alben "Da" und "Was" fehlen hier weitestgehend, ebenso wie letztendlich die Variation in den Songtexten selbst, die durch ihr durchgehend getragenes Tempo eben auch sehr ähnliche Motive aufgreifen. Im Großen und Ganzen ist "Immer unbekannt" somit zwar weiterhin stilsicher gelungen, aber klanglich ungewohnt erschöpft.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Der Schmerz bin ich
- Nie den Boden berührt
Tracklist
- Der Schmerz bin ich
- Eine Sekunde frei
- Du kannst mir gar nichts geben
- Liebe wie Atmen
- Unbekannt
- Heute ist ein guter Tag
- Wohin ich auch geh bin ich schon da
- Nie den Boden berührt
- Ich kann mein Glück nicht fassen
- Wo fang ich an?
- Ich liebe Niemand
Im Forum kommentieren
MickHead
2026-02-20 10:40:00
Jetzt komplett bei Bandcamp:
https://staatsakt.bandcamp.com/album/immer-unbekannt
Musikexpress 5/6
https://www.musikexpress.de/reviews/die-regierung-iimmer-unbekannt/
Rolling Stone 3/5
https://www.rollingstone.de/reviews/die-regierung-immer-unbekannt/
Gaesteliste.de
https://gaesteliste.de/2026/02/19/review/die-regierung-immer-unbekannt/
Euroboy
2026-02-15 07:24:50
Freut mich das ihr die Platte besprochen habt. Auch schön geschrieben, bin schon gespannt auf die VÖ.
6/10 geht wahrscheinlich auch I.O, für mich als Fanboy kommen wahrscheinlich noch +2 Punkte obendrauf. ;)
Armin
2026-02-14 21:27:38- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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