Chet Faker - A love for strangers
BMG / UniversalVÖ: 13.02.2026
Musik als Dienstleistung
Gefühlt war 2014 die Welt noch ein bisschen besser. Klar, die eigene Vergänglichkeit war noch nicht so weit vorangeschritten, dass das Pennen in Zelten nicht sofort zu Rückenschmerzen führte, oder zumindest erst nach drei Tagen, und die Sonne über Ferropolis, sie schien noch tanzend. Oder eben der Mond, denn das Melt!-Festival ging ja durch die Nacht. Der Alltag war ein paar Tage weg und die allgemeine Beschissenheit der Dinge, sie folgte erst noch. In diesem von Leichtigkeit getragenen Sommer hatten einige Acts mit der dazu passenden Musik den Durchbruch. Musik zum Träumen, zum Loslassen, um einfach nur eine gute Zeit zu haben. Einer nannte sich Sohn, ein anderer Chet Faker. Letzterer später dann auch einmal nach seinem bürgerlichen Namen Nick Murphy, dann wieder Chet Faker. In schlechten Zeiten erinnert man sich gern an die besseren, da passt ein neues Werk doch ganz gut, um wenigstens Halt zu finden in dem, was bekannt ist.
"A love for strangers" lautet nun der Titel des Albums, in dem die Hoffnung ruht, wenigstens ein Hauch des Gefühls von Unbeschwertheit zu reproduzieren, wenngleich die Texte von Murphy ja auch immer etwas Melancholisches haben. Den Opener stellt "Over you". Warme Pianoklänge, dann ein einsetzender Beat. Nicht heftig zuckend oder brechend, sondern sanft, weich, für den Vibe. Murphys Stimme, Sommerfeeling. Ein Song mit schönen Melodiebögen, aber leider auch: ohne Griffigkeit, ohne Wiederkennungswert. Die Beats, sie sind das Material für die Untermalung. Man kann es sinnbildlich greifen, wie "Over you" in Kaffeehausketten und Klamottenmärkten läuft. Nicht störend, sondern einfach nur da, wenn Musik laufen soll, die den Hintergrund beschallt, aber den Vordergrund weiterhin ermöglicht.
Nicht schlimm, das geht auf die Commercial-Schiene, also weiter: "1000 ways". Vogelgezwitscher, Klavierintro, ein einsetzender, seichter Beat – Moment einmal?! Tatsächlich, Track Nummer zwei bietet exakt den gleichen Aufbau, das gleiche Tempo, selbst der stimmliche Vortrag ist identisch. Die Lyrics? "1000 ways to get to know you, 1000 ways to fall in love." Der Chris Martin-Vibe ist hier sehr stark. 1000 ways to talk about neuesten Freunde-Gossip beim Milchkaffee. Leicht abgewandelt läuft es weiter in "Far side of the moon" – es besticht dadurch, dass das durch die letzten beiden Songs geschaffene Konzept in etwa 0,8-facher Geschwindigkeit vorgetragen wird. So kommen wir irgendwie nicht weiter, trotz fortschreitender Dauer.
Ein Lebenszeichen! "This time for real" eröffnet mit einem musikalischen Part, der leicht an "No diggity" erinnert, hat durchaus Ohrwurmpotenzial, beziehungsweise regt zumindest dazu an, beim Hören mit den Fingern zu schnippen. Man nimmt, was man kriegen kann, 2026. Als vergleichsweise Lo-Fi-Ballade präsentiert sich "Can you swim?", Solo-Piano plus Gesang ist hier das Rezept. Im Grunde ein Song für drei Minuten, Faker muss jedoch einen Großteil der Vokale besonders langgezogen vernuscheln, und so darf dann der Handyakku bei Live-Darbietungen umso länger romantisch leuchten. Apropos Romantik: Hat jemand ein cheesy Sexifon vermisst? Nein? Egal – Chet Faker liefert. Im weiteren Verlauf bringt Faker einige weitere Variationen von bereits Gehörtem, deren gemeinsamer Nenner der Ansatz ist, die elektronische Dynamik der ersten Songs wegzulassen. Der Weg führt nun vor allem über seine Stimme, und die ist bekanntlich recht fein. "Just my hallelujah" fährt über die Schiene Leonard Cohen/Jeff Buckley, wird aber kein legitimer Nachfolger von deren Allzeitsong.
"A love for strangers" ist vieles gleichzeitig: Schönklang, der nun wirklich nicht wehtut, aber eben auch ärgerlich ist. Die Fähigkeit, die Songs nicht nur in einem nett klingenden Korsett zu bekommen, sondern tatsächlich so etwas wie Emotionen darzustellen, fehlt hier leider. Das, was "Built on glass" mit spielerischer Leichtigkeit gelang, erscheint hier als erzwungenes 9-to-5-Tagewerk. Es ist ein Album, das durchlaufen kann, wenn sich eine Gruppe nicht einig ist, was laufen soll und niemand mit seinem Geschmack andere verschrecken soll oder darf. Was Erinnerungen weckt an das, was war und nicht zum fünfzigsten Male mit "Talk is cheap" unterlegt werden soll. Neue Erinnerungen aber, die wird es nicht geben, so wie es sie wohl auch nicht mehr vom Melt! geben wird, und all dem liegt eine gewisse Traurigkeit zugrunde.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Over you
- This time for real
Tracklist
- Over you
- 1000 ways
- Far side of the moon
- This time for real
- Can you swim?
- Remember me
- Inefficient love
- Angels dolphins 1:11
- The thing about nothing (feat aLex vs. aLex)
- A level of light
- Just my hallelujah
Im Forum kommentieren
Armin
2026-02-14 21:24:59- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
MickHead
2026-02-13 07:55:54
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nVy29g5s5NP8vM4Zx8Z-hFAOm7B4c47bA&si=zHimpSAAorKNYzQU
Rolling Stone 3/5
https://www.rollingstone.de/reviews/chet-faker-a-love-for-strangers/
MickHead
2026-02-12 18:49:47
Soundmag 8/10
https://www.soundmag.de/reviews/chet-faker-a-love-for-strangers/
MickHead
2026-01-22 21:31:57
3. Song nach der Albumankündigung!
"Over You"
https://youtu.be/fMLdbRYIcD4?si=W_YdK1kUlsKV4Hdt
Vorher gab es schon 2 Songs!
"Inefficient Love"
https://youtu.be/49pPZk707EY?si=6wlwbkOrE-8hmYLm
"Far Side Of The Moon"
https://youtu.be/kHtzoA6vvhM?si=qtpvATmjO4ONddS-
Armin
2025-12-05 11:56:38- Newsbeitrag
CHET FAKER mit neuer Single und Video / Album am 13.02.2026
Nachdem Chet Faker zuletzt die Singles "Far Side Of The Moon" und "Inefficient Love" veröffentlichte und mit "This Time For Real" sein neues Album "A Love For Strangers" für den 13. Februar 2026 ankündigte, erscheint heute eine weitere Vorabsingle.
„Can You Swim?“ ist ein zutiefst verletzlicher Einblick in Chet Fakers Sichtweise auf die Liebe, in dem er eine Beziehung anhand des Konzepts der Konfrontation mit Flutwellen und dem Versuch, sich über Wasser zu halten, untersucht. Nick Murphy, der ARIA-preisgekrönte Songwriter, Musiker und Produzent hinter Chet Faker, unterlegt seine klassisch raue Stimme mit einem düsteren Klavierarrangement, während er darum kämpft, ob er in der Liebe untergehen oder schwimmen wird.
Der Track ist ein wunderschön ernsthaftes Nachfolgewerk zu seiner vorherigen Veröffentlichung „This Time for Real“, in der er sich mit dem ausgeglichenen Gewicht der Erwartungen befasste, die mit dem Erfolg als Künstler einhergehen. Murphy offenbart weiterhin neue Schwachstellen von Chet Faker und baut die Welt um „A Love For Strangers“ herum auf, ein Album, in dem Nick Murphy den Kreis schließt und zu dem Gefühl der rastlosen Erkundung zurückkehrt, das ihn ursprünglich dazu gebracht hat, als Chet Faker Musik zu machen.
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Referenzen
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