Moon Mother - Meadowlands
Moon MotherVÖ: 06.02.2026
Gehört, betört
Es gibt Alben, bei denen man schon nach einer Minute spürt, dass sie etwas Besonderes sind. "Meadowlands", das zweite Werk des Duos Moon Mother, ist so eines. Wenn sich "High houses" zum ersten Mal zum Refrain aufschwingt, stellen sich die Nackenhaare hoch und bleiben in aufrechter Position, bis der Song verklingt. Danach bleibt kurz Zeit zum Innehalten und Nachdenken: Was ist hier gerade passiert? Und warum kennt kein Mensch diese Band? Vielleicht liegt es an der Herkunft, vielleicht auch daran, dass die Musik klingt, als entstamme sie einer Parallelwelt. Kämen Moon Mother aus den USA, würde man ihr Schaffen wahrscheinlich unter "Southern Gothic" einordnen. Aber Sara Mehner und Patriec Ahlström sind Schweden. Ein bärtiger Mann der Marke Waldschrat und eine verwittert dreinblickende Blondine mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet.
Die Musik Moon Mothers kennzeichnet zuallererst eine gewisse Schwere. Das Tempo ist niedrig, jeder Akkord gleicht einem langem Atemzug. Im Hintergrund streichelt jemand eine Akustikgitarre, während weiter vorne die E-Gitarre und Mehners verletzliche Stimme um die Vorherrschaft ringen. Alles fließt, viele Songs nehmen sehr lange Anlauf, bis sie zu sich selbst finden. Ein gewisses Maß an Geduld ist also nötig, um sich hier zurechtzufinden. Doch wer sich auf die Musik einlässt, wird reich belohnt. Zudem gehören überraschende Wendungen zum Programm, sowohl dynamisch als auch melodisch. Paradebeispiel hierfür ist "It comes with shadows", welches nach anfänglicher Zurückhaltung zu einer veritablen Hymne mutiert. Freilich wird diese nie bei Siegerehrungen erklingen, aber für den nächsten Hexensabbat ist sie ganz hervorragend geeignet.
Der Star der Show ist ohne jeden Zweifel Sara Mehner. Mit dunklem Timbre schwebt ihre Stimme über den Songs, besonders die Harmoniegesänge sind absolut herausragend. Darüber hinaus beherrscht die Vokalistin das Spiel mit den Erwartungen: Sie deutet Melodien an, entwickelt sie, um sich dann wiederholt in himmlische Höhen zu erheben. Besonders eindrücklich gerät diesbezüglich der Closer "Windhover", eine Meditation über die Flüchtigkeit schöner Momente. Wenn Mehner am Ende urplötzlich jault, als sei sie der Lykanthropie anheimgefallen, bleibt kein Auge trocken. Die Intensität des Dargebotenen erinnert frappierend an das leider fast vergessene Kollaborationsalbum von Beth Gibbons und Paul Webb. Ähnlich wie ihre britischen Kollegen verstehen Moon Mother genau, welchen Ballast es abzuwerfen gilt, um die maximale Wirkung zu erzielen.
Insofern ist der Minimalismus, der Kompositionen wie "Wilderness" oder "Meadowlands" auszeichnet, nur folgerichtig. Wenn es sein muss, fährt das Duo jedoch auch mal die ganz schweren Geschütze auf: "World in a glass jar" steigert sich fast unmerklich, aus einem unscheinbaren Säuseln wird ein tosender Sturm, der die Welt in wohlverdiente Schwärze hüllt. Noch besser ist allerdings "Be a forest, child!". "We gotta aim higher", lautet die Zielvorgabe. Und so erklimmt Mehner ein weiteres Mal den Gipfel, während Ahlströms E-Gitarre vom Ende aller Dinge kündet. Wobei der Abstieg fast noch schöner gerät: Die letzten Minuten des Songs klingen wie eine Mischung aus Western-Soundtrack und Totenbeschwörer-Ritual. Ach, über Musik zu schreiben, ist ein Elend. Man will das Unmögliche in Worte fassen und scheitert. Musik muss gehört werden.
Highlights & Tracklist
Highlights
- High houses
- It comes with shadows
- Be a forest, child!
- Windhover
Tracklist
- High houses
- It comes with shadows
- World in a glass jar
- Be a forest, child!
- Wilderness
- Root window
- Meadowlands
- Windhover
Im Forum kommentieren
Christopher
2026-02-27 15:21:24
Bzgl. "World in a glass jar": Das fiel mir auch auf, ich bin mir ziemlich sicher, dass das einfach daran liegt, dass sie Schwedin ist. Schweden haben oft Probleme mit dem stimmhaften "dsch".
Wwwam
2026-02-27 13:19:19
Ich liebe dieses Album jetzt schon sehr. Unendlich schön, so klar und dunkel und trotzdem warm und schon nach ein paar Tönen tun sich Welten auf. Die Klangfarben und die Stimmung erinnern mich an die alten Sachen von Crippled Black Phoenix. Und Nina Nastasia fehlt mir auch bei den Referenzen.
Irritation habe ich nur jedes Mal bei "World in a Glass Jar". Das heißt doch "Dschar", oder, und sie singt es immer mit J?
Und leider kam es ein bisschen spät bzw. früh im Jahr und will jetzt zum aktuellen Wetter nicht mehr recht passen, aber es hat auf jeden Fall jetzt schon einen Stammplatz in meinem Musikherz und wird daher beim nächsten Frühlingssturm und dann spätestens im Herbst wieder öfter laufen.
Ich würde auch sehr gerne und sofort zum Konzert und hoffe auf eine Tour auch bei uns? Mal sehen.
oldschool
2026-02-10 18:03:52
"Auf rym läuft die Band unter "Occult Rock". :D "
Na bei denen ist wahrscheinlich Auch Nick Cave och Gothic
pounzer
2026-02-09 23:21:30
Mal die ersten paar Songs angehört. Erinnert mich an frühe A.A. Williams.
The MACHINA of God
2026-02-08 16:33:01
Auf rym läuft die Band unter "Occult Rock". :D
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