Markus Nikolaus - The acid kids
Porzellan Bar / Zebralution / Rough TradeVÖ: 20.02.2026
Lucy in the sky fährt Fahrrad
Eine Band, die mit ganz eigenem Stil von 0 auf 100 durchstartet und ein Debütalbum abliefert, das viele sofort ganz tief in ihr Herz schließen und in ihren Jahresendlisten ganz weit vorne platzieren. So eine Band wie Lea Porcelain. So ein Album wie "Hymns to the night". Internationale Aufmerksamkeit, internationaler Plattenvertrag. Doch auch eine Band, deren Mitglieder – also Markus Nikolaus und Julien Bracht – ihre ganz eigenen und möglicherweise nicht immer übereinstimmenden Vorstellungen haben. Zwei starke Köpfe, die mit ihrem Debüt dem Post-Punk-Boom ein Stück voraus sind und zugleich da schon nicht mehr in diese oder irgendeine andere Schublade passen. Die sich viel Zeit für den Nachfolger "Choirs to heaven" lassen und diesem bewusst einen anderen Sound verpassen. Weniger direkt, etwas songorientierter, etwas weniger eckig, immer noch stark. Und dann ...
... war es aus mit Lea Porcelain, obwohl schon Songs für Album Nummer drei geschrieben waren. Doch die künstlerischen Visionen von Nikolaus und Bracht waren an dieser Stelle wohl nicht mehr vereinbar. Also erscheint "The acid kids" nun nach langem Anlauf als Soloalbum von Markus Nikolaus. Die Songs entstanden im heimischen Berliner Funkhaus sowie in Los Angeles und Rio de Janeiro zwischen 2020 und 2023, im Jahr 2024 war die Platte im Grunde fertig, aber die internationalen Partner, insbesondere im United Kingdom, mussten noch alles sortiert bekommen. Und warum es keine Lea-Porcelain-Platte geworden ist, lässt sich am Sound durchaus erkennen, denn die Unterschiede sind doch recht deutlich.
Das klingt hier im ersten Moment alles noch weiter draußen, noch psychedelischer, noch mehr verräuchert. Über fast 70 Minuten und 17 Tracks erstrecken, verbreiten, zerfasern diese "acid kids". Ein Künstler, der konsequent seine Idee durchzieht. Das Ergebnis erfordert Geduld und den Willen, sich damit zu beschäftigen. Bei zu oberflächlichem Genuss schlurft Nikolaus' markantes Genuschel (nein, das ist kein Oxymoron) und wabert die eigenwillige Songmischung sonst vielleicht zu schnell am Ohr vorbei, denn direkt Eingängiges ist jenseits der fluffigen Single "Bicycle days" und dem wunderschönen, zwischen Stones und Radiohead schwebenden "Never let you go" nicht auf Anhieb zu finden. Bitte drauf einlassen, just "Enjoy the pain", die natürlich gar keine solche ist.
Und nach und nach haken sich die Stücke fest. Wie "Invisible" mit seinem subtilen Groove, das mit Breton an eine andere viel zu kurzlebige Band denken lässt. Lässige Soundgewitter wie "Don't fear the fear". Die rhythmusgetriebenen "Piece of you" und "Sinner", in denen Pnksand als zusätzliche Stimme den Gesang ergänzt. Manche Stücke wie "All in your head" oder das wuchtig-wütende "Rich" lassen die Psychedelik mit mehr Druck von der Leine, während Nikolaus an anderer Stelle seine geliebte Ukulele zückt und bei akustischen Stücken wie "Gave it all" oder "Pure tears" ganz minimalistisch überzeugt. Vielleicht ist das alles ein bisschen zu wirr (wie diese Rezension), bestimmt eine Spur zu lang (dito), aber so what? Was habt ihr denn sonst Besseres zu tun?
Highlights & Tracklist
Highlights
- Bicycle day
- Piece of you
- Rich
- Never let you go
Tracklist
- Bukowski
- Bicycle day
- Invisible
- #6
- All in your head
- Piece of you
- Sinner
- Hold me close
- The other
- Rich
- Gave it all
- No more highs
- Don't fear the fear
- Never let you go
- Enjoy the pain
- Pure tears
- You're the only way
Im Forum kommentieren
Nummer Neun
2026-02-08 10:32:48
Ah interessant - hatte mich tatsächlich erst vor ein paar Wochen gefragt, was eigentlich aus Lea Porcelain geworden ist.
Armin
2026-02-07 20:41:31- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Spotify
Threads im Forum
- Markus Nikolaus - The acid kids (2 Beiträge / Letzter am 08.02.2026 - 10:32 Uhr)
