The Morning Stars - A hymn without a sound
Starling DarlingsVÖ: 16.01.2026
Mehr als die Summe der einzelnen Teile
Vor inzwischen gut drei Jahrzehnten formierten sich hierzulande zwei Bands, die mit ihrer mehrheitlich deutschsprachigen Musik für viel Furore in der Nische und zuweilen auch darüber hinaus sorgten: Kante und Sport. Gründungsort war in beiden Fällen Hamburg, und doch widersetzten sie sich allzu großer Nähe zur dortigen, oft und viel zitierten Schule. Während sich Kante nie offiziell aufgelöst haben und bei ihrer Anhängerschaft die fortwährende Sehnsucht nach einer Wiedervereinigung lebendig geblieben ist, war für die rockiger ausgerichteten Herrschaften von Sport 2012 nach vier überzeugenden Studioalben Schluss. Die naheliegende Frage, was die Beteiligten inzwischen eigentlich so treiben, lässt sich für zumindest zwei von ihnen auf erfreuliche Weise beantworten: Sie musizieren. Und wie! Gemeinsam mit Barbara Morgenstern und Alex Paulick haben sich Kante-Schlagzeuger Sebastian Vogel und Felix Müller-Wrobel, der sowohl für Kante als auch Sport im Einsatz war, als The Morning Stars zusammengefunden. Ob ihr Debüt "A hymn without a sound" ein solitäres Unterfangen bleibt oder den Auftakt zu mehr markiert, wird die Zukunft zeigen. Fest steht: Die Summe der einzelnen Teile kann sich hören lassen.
"One of the doors" eröffnet den Reigen der gerade einmal sieben Stücke, die mühelos zwischen Pop, Kraut, Jazz und so einigem mehr wechseln. Es ist gewissermaßen eine fast schüchterne Aufwärmübung für die vier Kreativköpfe, die sich hier versiert durch einen grundsoliden Song spielen, der noch nicht das große Abenteuer sucht. "Can't swim" als erster Höhepunkt ist da schon deutlich verspielter, und es fällt leicht, sich die Band im Zusammenspiel vorzustellen – den Nebenmann oder die Nebenfrau genau beobachtend, punktgenau reagierend auf das, was dort gerade klanglich passiert. Heraus kommt nicht nur zum Auftakt Musik, die zwischendurch immer wieder an die beiden eingangs genannten Formationen erinnert, ebenso an Kreidler oder Coloma, für die Paulick bekannt ist. Absolut stimmig ist auch das gesangliche Miteinander von Müller-Wrobel, Paulick und Morgenstern, die zudem die Tasten bedient. Verblüffend: Dem Gründungsmythos dieses Quartetts zufolge war das alles eher eine buchstäbliche Schnapsidee – ein Bandprojekt als Geburtstagsgeschenk für Sebastian Vogel.
Ein wirklich großer Wurf gelingt The Morning Stars, nachdem sie sich unter anderem beim präzisen "Chainsaw Fiddle" kurz in Richtung Arcade Fire verneigt und im epischen "Trap" Funk und Jazz gewidmet haben, zum Abschluss dieses von der ersten bis zur allerletzten Note stimmigen Gesamtwerks. "The everything" beginnt zurückhaltend, beinahe tastend, steigert zwischendurch das Tempo, findet mehr und mehr sein zugrundeliegendes Motiv und nimmt ganz und gar für sich gefangen. Und schließlich, unter mantraartiger Repetition des Albumtitels "A hymn without a sound", türmen sich die Soundwände auf, legt sich eine Schicht über die andere, verschmilzt alles zu einem furiosen, mitreißenden Strom, der vor allem eines auslöst: den unbedingten Wunsch, dass diese vier Vollprofis ihr großes Können regelmäßig auf die Bühnen bringen und gern in Zukunft erneut den Weg ins Studio finden mögen. Eine Sache wäre da dann aber auch noch: Was machen eigentlich die beiden anderen Herren von Kante? Die Geschichte dieser musikalischen Ausnahmeerscheinung darf noch nicht auserzählt sein.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Can't stand up
- Like this
- The everything
Tracklist
- One of the doors
- Can't stand up
- Like this
- Scars
- Chainsaw fiddle
- Trap
- The everything
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Vive
2026-02-09 20:09:14
die instrumentals finde ich wahnsinnig spannend, die lassen sich so richtig schön zeit und es klingt auch alles so toll. mit dem gesang müsste ich erst warm werden
Armin
2026-02-07 20:41:21- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- The Morning Stars - A hymn without a sound (2 Beiträge / Letzter am 09.02.2026 - 20:09 Uhr)
