Converge - Love is not enough

Epitaph / Indigo
VÖ: 13.02.2026
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Alles bleibt kaputt

35 Jahre und kein bisschen leise – was als Satz schon fast an das Niveau von Sprüchen auf Junggesellenabschieds-Shirts heranreicht, ist im Falle Converge ein ganz anderer Ballermann. Seit 1990 liefern die US-Amerikaner Meilenstein um Meilenstein, wobei die Phase um "Jane Doe" herum alles überragt. Dieses Album, welches nun schon zweieinhalb Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist nach wie vor musikalisch wie auch textlich ein Referenzwerk der härteren Musik. Schubladenlos. In seinem Sound – wie Converge generell – ohne ernsthafte Nachahmer. Und leider textlich aktueller denn je. "Love is not enough" tritt nun – wie alles, was nachfolgte – in die Fußstapfen dieses Werkes. Die Hindernisse auf der Welt sind nicht weniger geworden, es gibt also genug neues Futter für wüst herausgeschriene Wut und Schwermut.

Converge präsentieren zehn neue Songs, deren Abfolge bemerkenswert ist. Die Band folgt dem Studio-Flow, was im vorliegenden Fall auch mal heißt, dass ein passendes Intro hier "Beyond repair", in der Mitte platziert wird. Laut dem Quartett soll sich "Love is not enough" gegen Ende immer mehr steigern, zumindest vom Tempo her stimmt das jedoch nicht. Wäre aber auch schwierig, denn schon das, was nach 20 Sekunden hier über das Publikum hereinbricht, liegt jenseits mancher Auffassungsgabe. Unter Schlagzeug-Dauerfeuer und zackigen Riffs brüllen Jacob Bannon und Nate Newton hier wie üblich wieder alles zusammen. Gewohnte Converge-Kost: ein bisschen Hardcore, ein bisschen Punk, eine gute Portion Chaos. Letzteres wird in "Bad faith" etwas zurückgefahren, der Song rockt sich sehr zielstrebig durch knapp drei Minuten.

Überhaupt: Laufzeiten. Knapp über 30 Minuten dauert "Love is not enough", wobei sich die Hälfte auf die letzten drei Songs verteilt. Heißt auch: Sie haben es eilig am Anfang. "Distract and divide" stoppt bei 1:30, sagt in dieser Spanne aber auch alles, und das nicht viel längere "To feel something" liefert als netten Soundeffekt ein paar Industrial-artige Hammerschläge mit, die fein das Hirn zermartern. So gesehen passt es dann doch gut, dass als Tempobremse das genannte "Beyond repair" folgt. "Amon amok" zimmert statt Geschwindigkeit einige Post-Metal-Riffs um die Ohren, wirkt teils doomig und erinnert an Cult Of Luna und Konsorten. Wirklich andersartig ist "Gilded cage", das mit cleanem Gesang und fast post-rockigem Unterbau eine ganz eigene Note mitbringt und einen Gegenpol zum meist sehr zielstrebigen Hardcore-Gezocke bildet.

Zum Abschluss heißt es: "We were never the same" – entstanden nach einer Beerdigung und der nicht seltenen Feststellung, dass selbst Menschen aus dem engsten Umfeld doch irgendwie fremd sein können, wenn das eigene Leben im Alltag ein ganz anderes ist. Sicherlich ein Song, in dem man sich selbst leicht wiederfinden kann. Ein Teil des Bekannten- und Verwandtenkreises etwa verbindet mit Schlagwörtern wie "35 Jahre laut" unangenehme Partyexzesse – ein anderer jedoch Bands, die in diesem Zeitraum ein gutes Dutzend Lärm-Meilensteine vollbracht haben, Der neueste eignet sich dank einer guten Portion Zugänglichkeit sehr gut als Einstieg in die Diskografie von Converge.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Bad faith
  • To feel something
  • Amon amok
  • We were never the same

Tracklist

  1. Love is not enough
  2. Bad faith
  3. Distract and divide
  4. To feel something
  5. Beyond repair
  6. Amon amok
  7. Force meets presence
  8. Gilded cage
  9. Make me forget you
  10. We were never the same
Gesamtspielzeit: 31:10 min

Im Forum kommentieren

Oceantoolhead

2026-02-25 18:54:38

Gildes Cage ist bei mir ein Highlight. Alle nachfolgenden Songs auch. Das Interlude ist auch top! Die Platte wird zum Ende hin einfach sogar nochmal besser

Dumbsick

2026-02-25 18:18:06

Gilded cage ist bei mir auch der Schwachpunkt. Richtig gutes Album geworden. Freue mich auf die Tour:)

fakeboy

2026-02-25 14:43:28

Einzig „Gilded Cage“ schwächelt ein wenig. Und das Instrumental „Beyond Repair“ ist auch verzichtbar, stört aber auch nicht weiter.

fakeboy

2026-02-25 14:41:25

Läuft bei mir weiterhin auf Dauerrotation. Die Kompaktheit der Songs ist definitiv ein Pluspunkt.

MickHead

2026-02-18 19:10:44

Louder Than War mit voller Punktzahl 5/5

https://louderthanwar.com/converge-love-is-not-enough-album-review/

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