Blackwater Holylight - Not here not gone

Suicide Squeeze / Cargo
VÖ: 30.01.2026
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Ein helleres Dunkel

Auf ihrem dritten Studioalbum "Silence/Motion" hatten sich die Musikerinnen von Blackwater Holylight Thou-Sänger Bryan Funck ins Studio geholt, der mit seiner diabolischen Klangakrobatik noch etwas mehr Düsternis in die ohnehin schon zuweilen beklemmende Dunkelheit des Ganzen mitbrachte. Nach den ebenfalls überdurchschnittlichen Vorgängern "Blackwater Holylight" und "Veils of winter" markierte das Drittwerk den bisherigen Höhepunkt des Schaffens. Mal betörend, mal beängstigend, oft auch einfach wunderschön: Irgendwo zwischen diesen Polen bewegt sich das musikalische Koordinatensystem der Band, die einen genresprengenden Ansatz wählt. Goth, Metal, Psychedelic und noch die eine oder andere Schublade mehr dürfen geöffnet werden, wenn Blackwater Holylight eingeordnet werden sollen. Immer war da aber auch ein wenig Licht, das sich auftat, und auf "Not here not gone" scheint das sogar noch ein bisschen heller.

Keine Sorge: Damit ist nicht der Wechsel ins Unbeschwerte, gar Belanglose gemeint. Blackwater Holylight sind im Kern noch immer das, was sie immer waren: musikalische Grenzgängerinnen. Faszinierend ist dabei die Entwicklung, die seit den Anfangstagen vollzogen wurde und wird. Und davon zeugt auch "Not here not gone". Durch die vier ersten Songs folgen wir allen bewährten Markenzeichen der Künstlerinnen, die mal mit tonnenschweren Gitarrenwänden alles um sich herum niederdrücken, mal mit klug eingespielten Synthesizer-Elementen von Sarah McKenna auftrumpfen und gelegentlich ein Doublebass-Gewitter durch das Drumkit jagen, das von Eliese Dorsay vortrefflich bedient wird. Der schon früher schwerelose Gesang von Sunny Faris rückt noch etwas mehr in den Vordergrund und ist entscheidendes Element für die vermehrte Öffnung hin zu lichten Momenten. In ganz besonderem Maße gelingt das in der ersten Hälfte im Auftaktsong "How will you feel" oder im vorab veröffentlichten "Heavy, why?", das absolut zu Recht erhebliche Neugier auf das große Ganze wecken konnte.

Einen Ortswechsel haben die Musikerinnen nach der Veröffentlichung ihres vorherigen Albums vollzogen, kehrten Oregon den Rücken und zogen in Richtung Los Angeles. Aufgenommen wurden die zehn frischen Kompositionen schließlich in der Nähe von El Paso, als Produzent war Sonny DiPerri, der zuvor unter anderem mit DIIV oder Emma Ruth Rundle zusammengearbeitet hat, beteiligt. Das Einschlagen neuer Pfade und die bereitwillige Öffnung für neue Einflüsse sind auch in der zweiten Hälfte zu spüren, wenn große Momente wie im feinen "Void to be" ebenso uneingeschränkt überzeugen können wie das abschließende "Poppyfields", das einerseits für eine vortreffliche Abrundung sorgt, andererseits aber auch unmittelbar den Gedanken darauf richtet, wie sich diese gleichermaßen wandel- wie unverwechselbare Formation in Zukunft wohl entwickeln wird. Stillstand ist in diesem Universum offenkundig nicht vorgesehen.

Es gibt im einmal mehr souverän vorgetragenen Klangkosmos nur zwei Momente, die bei den ersten Durchläufen für ein kurzes Stutzen sorgen. Da ist einerseits das auf einem Beat von TV On The Radios Dave Sitek basierende instrumentale Zwischenspiel "Giraffe", andererseits das Stück "Mourning after", das zunächst eine Spur zu behäbig daherkommt. Aber je häufiger man das komplette Meisterwerk genießt, desto mehr fügen sich dann auch diese nur scheinbaren Stolpersteine in den breitflächigen Soundteppich ein. Blackwater Holylight bleiben verlässliche Lieferanten einer feinen Mischung aus sogartiger Schwermut und vermehrt eingestreuten Lichtblicken. Die künstlerische Isolation in der Einöde von Texas ist ihnen dabei offenkundig sehr gut bekommen. In der Wüste brennt noch Licht.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • How will you feel
  • Heavy, why?
  • Void to be
  • Poppyfields

Tracklist

  1. How will you feel
  2. Involuntary haze
  3. Bodies
  4. Heavy, why?
  5. Giraffe
  6. Spades
  7. Void to be
  8. Fade
  9. Mourning after
  10. Poppyfields
Gesamtspielzeit: 46:17 min

Im Forum kommentieren

Gomes21

2026-02-07 13:20:24

Platte ist weiterhin Dauerläufer, mir gefällt auch die Produktion richtig gut!

The MACHINA of God

2026-02-07 12:56:49

Oh jetzt dank rym entdeckt. Könnte was für mich sein.

Shoegazeanteil zu hoch, Gesang zu Leise/verwaschen/nicht markant.


Genau das suche ich. :D

VelvetCell

2026-02-03 21:33:26

Ich bin auch ziemlich angefixt. Platte ist bestellt!

Gomes21

2026-02-03 21:01:56

Kommt bei mir richtig gut die Platte, bisheriges Jahreshighlight und zumindest zeitweise Heavy rotation

Klaus

2026-02-03 15:58:14

Eher so 6-7. Persönlich: Shoegazeanteil zu hoch, Gesang zu Leise/verwaschen/nicht markant.

Void to be und Poppyfields sind super.

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