Mika - Hyperlove

Republic / Universal
VÖ: 23.01.2026
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Blass statt bonbonbunt

Ab wann ist Pop zu wild oder zu viel? Bei Mika stellt sich diese Frage für gewöhnlich nicht. Seine Songs leben von bonbonbunten Sounds, die über die Stränge schlagen: Melodische Wechsel, mehrere Tonlagen kurz vor der Perfektion, Piano neben Beats und musikgewordene Zuckerwatte prägen seine Musik. "Hyperlove" will an diese Stilmittel anknüpfen und klingt dabei paradoxerweise glatter als nötig. Nach "Que ta tête fleurisse toujours" ist es Mikas erstes englischsprachiges Album seit dem introspektiven, retrofizierten "My name is Michael Holbrook". Am künstlerischen Anspruch hat sich wenig geändert, am Sound umso mehr. "Hyperlove" ist deutlich elektronischer und konsequenter produziert als frühere Alben – leider führt genau das zu einem Klangbild, das austauschbar und weniger knallbunt wirkt. Statt dem Songwriting Raum zu geben, schieben sich Beats in den Vordergrund, die David Guetta so schon seit 2020 nicht mehr nutzt. Mika klingt angepasster denn je und verfehlt den tatsächlichen Zeitgeist gewaltig.

"Modern times" ist ein gutes Beispiel dafür: Der Song baut auf einem prägnanten Beat auf, das Arrangement wirkt vertraut bis abgenutzt, der Gesang schwebt eher funktional über allem. Wo Mikas Refrains früher absichtlich aus dem Takt fielen oder überzeichnet waren, ordnen sie sich hier dem Rhythmus unter. Noch deutlicher wird das bei "Spinning out": Der Track hüpft auf seiner Beatwelle voran und verliert dabei sein Zentrum, die Melodie tritt in den Hintergrund und verschwindet beinahe und der Song scheint selbst nicht zu wissen, wohin er eigentlich will. Mika entwickelt seinen Stil auf "Hyperlove" zwar weiter, aber in eine Richtung, die sich bei dem sonst fantasievollen Musiker wie ein Rückschritt anfühlt. Nur wenige Stellen von "Hyperlove" erinnern daran, was den Songwriter eigentlich auszeichnet. "Excuses for love" greift vertraute Elemente aus Mikas früheren Werken auf: Die Melodie darf sich entfalten, die Stimme wechselt mühelos zwischen hoch und tief, ohne dass alles von der Produktion eingefangen wird. Kurz ist die bemühte Angepasstheit der anderen Songs vergessen.

Aber diese Momente sind selten: Stattdessen versucht das Album fast schon krampfhaft, über seine Struktur einen roten Faden aufrechtzuerhalten. Drei Interludes gliedern die Tracklist, bremsen das Tempo, markieren Übergänge und sollen allem einen erzählerischen, filmischen Rahmen geben. Aber sie bleiben erstaunlich wirkungslos, verbinden wenig, vertiefen das Ganze kaum und verstärken vor allem den Eindruck eines Albums, das seine Ideen eher erklärt als ausspielt. Die Ambition ist da, die elektronische Ausrichtung eindeutig und die Produktion so sauber, dass man sie fast mit Handschuhen anfassen möchte. "Hyperlove" will modern sein, klingt aber selten wirklich lebendig. Und Pop, dem der Spaß abhandenkommt, bleibt am Ende seltsam blass.

(Lena Zschirpe)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Excuses for love

Tracklist

  1. Hyperlove
  2. Modern times
  3. Spinning out
  4. Excuses for love
  5. Everything's beautiful interlude
  6. All the same
  7. Dreams
  8. Science fiction lover
  9. Take your problems with you
  10. Please take your problems interlude
  11. Nicotine
  12. Eleven
  13. Bells
  14. Immortal dream interlude
  15. Immortal love
Gesamtspielzeit: 43:39 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-01-23 09:47:50

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nl3Be2Q_sNVC5bj7wcZ4msZaePQnC4W7U&si=DBWVA8DTM-MLiHHT

Armin

2026-01-22 20:29:24- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

2025-12-05 15:41:15

Tracklist:

1. Hyperlove
2. Modern Times
3. Spinning Out
4. Excuses For Love
5. Interlude Everything’s Beautiful
6. All The Same
7. Dreams
8. Science Fiction Lover
9. Take Your Problems With You
10 Interlude Please Take Your Problems With You
11 Nicotine
12 Eleven
13 Bells
14 Interlude Immortal Dream
15 Immortal Love

Kiezgrün

2025-12-05 13:32:36

Strange, den Durchbruch bei „Relax, take it easy!“ anzusetzen. Ich würde da immer „Grace Kelly“ sehen, einer der besten Popsongs aller Zeiten.

Armin

2025-12-05 12:15:08- Newsbeitrag

Ein erstes Highlight für 2026 steht bereits fest, denn der libanesisch-britische Popsänger, Songwriter und Entertainer Mika hat sein neues Album angekündigt! "Hyperlove" heißt das neue Album, das am 23. Januar 2026 veröffentlicht und von Mika als "Beginn seiner neuen Ära" beschrieben wird. Pünktlich um Mitternacht erscheint der Song "Immortal Love" und läutet das nächste Kapitel des beliebten Multitalents ein... Mika hatte seinen internationalen Durchbruch mit dem Pop-Klassiker "Relax, Take It Easy" gefeiert und seitdem immer wieder mit großen Pop-Momenten begeistert, wie u.a. seine Moderation des Eurovision Song Contests 2022. Jetzt gehört ihm die große Bühne wieder ganz allein! Welcome back, Mika! "Hyperlove" kann ab sofort vorbestellt werden...


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