J.B.O. - Haus of the rising fun
Reigning Phoenix / WarnerVÖ: 09.01.2026
Licht nustig
"Aber was die Jugend sich heute so antut / Das ist doch keine Musik mehr", behaupten J.B.O. in "Ma ma ma metal", dem Opener ihres neuen Albums "Haus of the rising fun" und geben damit die Marschrichtung vor. Traurige alte Recken machen schaurige Musik für das nächste Grillfest im Erlanger Umland. Das Kitzmann fließt in Strömen, während das billige Gammelfleisch sich der Krebserregung entgegenbrutzelt. Wird man ja wohl noch fressen dürfen. Früher war nämlich alles anders, sogar der Bauch passte noch aufs Bild. Aber wir leben bekanntlich nicht in der Vergangenheit, sondern unweigerlich dem Tod entgegen, weshalb sich mit fortschreitendem Alter die Frage stellt, warum es J.B.O. überhaupt noch gibt. Ein Blick auf die Verkaufszahlen liefert zumindest eine finanziell nachvollziehbare Antwort. Die fränkische Band hat eine stabile Fanbase, die wahrscheinlich auch dann den Geldbeutel zücken würde, wenn sich auf den Alben ausschließlich Pupsgeräusche befänden.
Fairerweise muss man sagen, dass wir davon gar nicht so weit entfernt sind. "Haus of the rising fun" ist ein Offenbarungseid, ein Unding von einem Album. Es vereint alles, was schlecht ist, in sich. Das Problem dabei ist nicht, dass die Musik Schrott ist, sondern dass die Urheber wissen, dass sie Schrott produzieren, was jegliches Aufkommen von Charme im Keim erstickt. Um dies nachvollziehen zu können, genügt die Auseinandersetzung mit "Woke on the smater", dessen Gag darin besteht, dass total witzige Buchstabendreher vorgenommen werden. Zum Bleistift: Miron Aiden, Bustin Jieber, Sailor Twift. Die Musik folgt der Idee, indem "Smoke on the water" mit der Oberseite nach unten interpretiert wird. Zumindest dürfte niemand dieses Kapitalverbrechen jemals in einem Gitarrenshop anstimmen, was die gebeutelten Ohren einer ganzen Berufsgruppe entlastet. Am Ende denken J.B.O. eben auch an ihre Mitmenschen, so wie Fische.
Was die Herren allerdings geritten hat, eine Coverversion von Katy Perrys "I kissed a girl" einzuspielen, bleibt ihr Geheimnis. Wahrscheinlich fanden sie es witzig, dass ein Mann den Text vorträgt. Ja, auf dem Niveau bewegen wir uns hier. Wobei "Niveau" wieder so ein großes Wort ist, das so etwas wie Mindestqualität impliziert. Doch J.B.O. kennen keine Standards, für sie ist – ey, ihr Fotzen! – Limbo eine Lebenseinstellung. Scheiße. Folgerichtig befindet sich mit "Mein Arsch" dann auch ein Lied über das menschliche Gesäß und dessen Fähigkeiten zur Stuhlproduktion auf der Platte. Und weil sich "Arsch" nach dem achten Bier auf "Voyage" reimt, dürfen sich Desireless über Tantiemen freuen. Wieder ein Akt der Menschlichkeit.
Der musikalisch interessanteste Track ist sicherlich "Stinkefinger", hier wechseln sich zu Beginn durchaus gefällig melodische mit härteren Parts ab. Doch dann beginnt man, auf den Text zu achten und fasst sich an die Schläfen. Denn während die einen "uuuuh" sagen, sagen die anderen "ooooh" und J.B.O. sagen "aaaah". Eine wenig subtile Aufzählung bekannter Bands (Frei.Wild, Onkelz, Hosen, Knorkator – in dieser Reihenfolge) legt nahe, dass es irgendwie um Politik geht. Vielleicht geht es aber auch um nichts. Positiv anzumerken ist, dass das Lied endet. Völlig unverständlich gerät hingegen "Bussi", das gleichzeitig Rammstein-Persiflage und Wiesn-Hit sein will. Das Ergebnis klingt logischerweise nach Kotzhügel.
Ja, das alles ist, um eine andere Band aus dem Süden zu zitieren, merkwürdig unangenehm. Die konzeptionelle Stagnation, die Zelebrierung der eigenen Rückwärtsgewandtheit, die völlige Abwesenheit von Subtilität, all diese Faktoren führen dazu, dass "Haus of the rising fun" nicht einfach nur anstrengend, sondern durchgehend unerträglich ist. Niemand leugnet, dass J.B.O. handwerklich solide Musiker sind, aber wenn jemand seine Fähigkeiten dazu nutzt, ausschließlich pinkfarbene Dixi-Klos zu bauen, dann stinkt es eben zum Himmel. Und die Jugend? Die begeht intellektuellen Seppuku via Brainrot und ist damit immer noch subversiver als es J.B.O. jemals sein können. Vielleicht ist das auch die eigentliche Tragik, von der die Existenz dieser Band zeugt: Wer sich in der eigenen Minderwertigkeit suhlt, delegiert sein Leben an die Ausreden. Ein Schelm, wer Deutsches dabei denkt.
Highlights & Tracklist
Highlights
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Tracklist
- Ma ma ma metal
- Haus of the rising fun
- Vito, wir machen Krach
- I kissed a girl
- Stinkefinger
- Ka-fump!
- Power sucht Wolf
- Nur für Euch
- Weißt schon was ich meine
- Bussi
- Ein sehr gutes Lied
- Woke on the smater
- Mein Arsch
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Huhn vom Hof
2026-02-02 19:51:04
@Telecaster
Hehe, wird gemacht wenn ich mit Bowie durch bin ;)
Telecaster
2026-02-02 18:55:50
Zur Strafe einmal die Swans-Discographie durchhören.
Huhn vom Hof
2026-02-02 16:20:23
Ich muss eine Sünde beichten: 2015 war ich auf einem J.B.O.-Konzert in meiner Heimatstadt. Ich bin nur deshalb hingegangen weil sie das komplette Album "Explizite Lyrik" gespielt haben. War tatsächlich ganz gut.
Sneedlewoods
2026-02-02 14:05:55
Den Bembers(Ruhe in Frieden) nehme ich mal aus.
Ansonsten stimme ich dem vorherigen Post gerne zu.
Telecaster
2026-01-31 15:53:36
Verstehe ich ja irgendwo auch, dass das zur Vielfalt beiträgt, wenn ab und an ein Album verrissen wird, und das dann das Ganze hier etwas auflockert.
Tatsächlich scheint das hier auch die erste JBO-Kritik zu sein.
Wenn ich halt nachschau, komme ich über die Suchfunktion auf 14 (!) Albumkritiken zu Witt, allesamt völlig vernichtend, 4 x Pur (wer hört das denn bitte?), 5 x Helene Fischer, 8 x Unheilig usw.
Dem könnte ich eine lange Liste von interessanten Bands gegenüberstellen, die hier regelmäßig überhört werden. Auf Helene Fischer, Unheilig, Robbie Williams und Konsorten kommt man ja auch so, wenn es einen interessiert (trifft auf die meisten Leser*innen hier nicht zu, oder täusche ich mich da?).
Hm, ja, was den Humor von JBO betrifft, ich habe wohl einen anderen Sinn für Humor, dass ich das in den 90ern schon sch***e fand. Fränkischer Humor allgemein - Kellerkommando, Bembers, Zwangsversteigerte Doppelhaushälften... not my thing.
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