Tessa Rose Jackson - The lighthouse

Tiny Tiger
VÖ: 23.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Der sichere Weg nach Hause

Unscheinbar sein, einfach nur ein jemand: Für die britisch-niederländische Sängerin Tessa Rose Jackson eine Zeit lang Realität. Als Someone veröffentlichte sie eine Weile Musik, nachdem sie 2013 mit ihrem ersten Album in den Niederlanden Erfolg hatte, aber mit erst 19 Jahren nicht so recht damit umzugehen wusste. Die Konsequenz hieß Verweigerung, zumindest einem möglichen Pop-Image gegenüber, mit dem sie sich nicht wohl fühlte. Wobei die unter Someone veröffentlichte Musik keineswegs besonders kantig daherkommt, eher an den Dream- und Indie-Pop von Acts wie Feist oder Poliça erinnert.

Das in den ersten Tagen des Jahres 2026 erscheinende "The lighthouse" ist nun das Resultat einer Selbstfindung – und einer musikalisch schweren Geburt. Zunächst einmal hat es nicht so gefunkt: Nach Amsterdam gezogen, um Inspiration zu finden, gingen zunächst Anfang 2024 so einige Tage ins Land, ehe Jackson plötzlich ein Licht aufging und sie die vorherigen Pläne über Bord warf. Ausgestattet mit einer Stimme für ASMR-Audios ist "The lighthouse" eines dieser Werke, die im Grunde recht unscheinbar sind, sich aber im Laufe mehrmaligen Hörens dank des überragenden Hangs zum Schönklang hinterrücks in die Gehörgänge schleichen. Es ist eines dieser Alben für die dunkle Zeit des Jahres, in welcher der Eskapismus größtenteils zurückgefahren wird und die Menschen sich klassischerweise am Lagerfeuer erwärmen – und wenn es nur ein mehrstündiges knisterndes Video ist.

Die genannte Initialzündung stellt auch direkt den Opener: Das Titelstück bringt Jacksons sanfte, weiche Stimme in Stellung, ein reduziertes Gitarrenspiel begleitet diese galant, der einzige Ausflug ist eine weitere Melodie, die auch Madrugada entlehnt sein könnte. Etwas breiter fährt "The man who wasn't there" auf, samt Streichern und Backing–Vocals. Jacksons Stimme lullt ein, die reduzierte Begleitung tut ihr Übriges: Manche der Songs - insbesondere auf der ersten Hälfte - laufen gemütlich durch, bis zum Hallo–wach–Moment vergehen einige der 52 Minuten. Jener heißt "When your time comes" und zeigt, wie viel Pop-Appeal tatsächlich in Jacksons Songwriting stecken kann. Eine von Handclaps getragene Melodieführung bekommt im Refrain eine feine, tiefere stimmliche Note, ab der Hälfte leistet sie sich sogar so etwas wie einen theatralischen Aufbau hin zu einem akustischen Höhepunkt.

So wohlig alles Vorherige war, so wünscht man sich doch mehr davon. Zunächst hält "Fear bangs the drum" auch die Spannung, bedingt durch einen recht unerwarteten Bläsereinsatz. In der Folge jedoch reduziert sich Jackson wieder selbst und führt das Publikum mit der Kombination aus Stimme und akustischer Gitarre wieder zur Ruhe. "The lighthouse" blendet nicht, es schimmert, scheint verhalten, leitet aber jederzeit ungefährdet durch die Nacht – und das, obwohl dieses Album ursprünglich als genau das Gegenteil geplant war: als Konzeptwerk über einen Seemann, der sich ins Reich der Toten verirrt. So aber bleibt nur ein kurzer Nebel und schlussendlich der sichere Hafen. Es muss ja nicht immer der Untergang sein.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Bricks that make the building
  • When your time comes
  • Fear bangs the drum

Tracklist

  1. The lighthouse
  2. The man who wasn't there
  3. Bricks that make the building
  4. Dawn
  5. Built to collide
  6. Gently now
  7. When your time comes
  8. Fear that bangs the drum
  9. By morning
  10. Grace notes
  11. Wild geese
  12. Prize fighter
Gesamtspielzeit: 52:43 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-01-23 10:05:59

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://tessarosejackson.bandcamp.com/album/the-lighthouse

Musikexpress 4.5/6

https://www.musikexpress.de/reviews/tessa-rose-jackson-the-lighthouse/

Rolling Stone 3.5/5

https://www.rollingstone.de/reviews/tessa-rose-jackson-the-lighthouse/

Armin

2026-01-22 20:28:26- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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