Kreator - Krushers of the world

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 16.01.2026
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Im Oberrang

Irgendwann tauchte der Begriff "Stadion-Thrash" als Stilbeschreibung für Kreator auf. Ein Begriff, der mit ein bisschen Böswilligkeit durchaus vergiftet sein kann, wird damit doch eine allgemeine Massenkompatibilität assoziiert. "Thrash for the masses" sozusagen? Ein Widerspruch in sich, den aber die üblichen Hater schnell für sich vereinnahmten und daraus eine gewisse Anbiederung interpretierten. Wer sich aber etwas mit Frontmann Mille Petrozza beschäftigt, merkt schnell, dass nichts dem Essener ferner läge. Und mal ehrlich – möchte wirklich ernsthaft jemand, dass nach über 40 Jahren Bandkarriere ein Album aus Geboller wie "Endless pain" besteht? Auch wenn Zeilen wie "Feel the endless pain / Locked in metal chain" auf Konzerten nach wie vor perfekt zum Mitgrölen taugen? Nicht wirklich, oder? Die Wahrheit ist: Petrozza war schon immer bekennender Fan von Bands wie Judas Priest. Und der wichtigste Schritt dorthin, die rohe Energie des Thrash mit der Spielfreude des Heavy Metal zu verbinden, war 2001 der Einstieg des finnischen Gitarristen Sami Yli-Sirniö. Zudem bleibt das Album "Renewal" von 1992 auf Dauer ein mahnendes Beispiel dafür, dass Innovation um der Innovation willen nicht immer der richtige Weg ist.

Genau deshalb ist es alles andere als eine Überraschung, dass "Krushers of the world" die stilistische Richtung der letzten Alben nur marginal modifiziert. Was aber immer wieder vielleicht nicht überrascht, auf jeden Fall aber fasziniert, ist die Tatsache, wie gut, wie mühelos das Quartett agiert. Der Opener "Seven serpents" ist direkt ein hervorragendes Beispiel, beginnt vordergründig als typischer Kreator-Song, streut dann aber gegen Ende pompöse Chöre ein, die nicht etwa aufgesetzt wirken, sondern emotionale Wucht entfalten. Und dass man Hooks auch schreien kann, zeigt das folgende "Satanic anarchy", während der Titeltrack dann doch die These nicht verhindern kann, dass Petrozza beim Songwriting jede Menge gereckte Fäuste vor seinem inneren Auge gehabt haben muss.

Dass die Band eben nicht auf Nummer Sicher geht, zeigt "Tränenpalast", das vom Horrorfilm "Suspiria" des italienischen Kult-Regisseurs Dario Argento inspiriert ist. Wobei – kann man etwas falsch machen, wenn sich Petrozza mit der momentan wohl profiliertesten deutschen Extrem-Metal-Sängerin Britta Görtz ein begeisterndes Duett liefert? Und dass mit "Loyal to the grave" einer der epischsten, melodischsten Songs der Band überhaupt die Platte ausklingen lassen darf, statt irgendwo im Mittelteil versteckt zu werden, zeigt einmal mehr, wie ausgeprägt ihr Selbstbewusstsein in all den Jahren geworden ist. Da den Freunden der groben Kelle zuvor mit "Psychotic imperator" und "Deathscream" tüchtig die Fressen poliert wurden, dürfte aus der Ecke auch kein Protest zu erwarten sein. Zumal "Deathscream" bei aller Brutalität ebenso musikalisches Höchstniveau bietet. Und ja, die rasenden Drums sind tatsächlich von Jürgen "Ventor" Reil so und ohne die Hilfe eines Drumcomputers eingedroschen worden.

"Stadion-Thrash" also. Eine Bezeichnung, mit der die Band und vor allem ihr Frontmann gut leben können, sofern er nicht mit kommerzieller Anbiederung konnotiert wird. Als Mitte der Achtziger der heranwachsende Miland die ersten musikalischen Gehversuche unternahm, war das auf keinen Fall der Antrieb. Doch Petrozza schreibt in seinem Buch "Your heaven, my hell" sehr anschaulich, dass die Musik sein Anker, sein Halt war. Raus aus dem nicht nur latenten Rassismus, den er als Gastarbeiterkind erleben musste, raus aus der Kleinbürgerlichkeit. Diese Geradlinigkeit hat sich der heute 58-Jährige bewahrt, der immer wieder seine Wurzeln betont. Es gibt daher wenige Bands, denen man ihren Erfolg so sehr gönnt wie Kreator. Und "Krushers of the world" reiht sich nahtlos ein in die Linie der großartigen Alben der letzten 15, 20 Jahre.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Seven serpents
  • Tränenpalast (feat. Britta Görtz)
  • Deathscream
  • Loyal to the grave

Tracklist

  1. Seven serpents
  2. Satanic anarchy
  3. Krushers of the world
  4. Tränenpalast (feat. Britta Görtz)
  5. Barbarian
  6. Blood of our blood
  7. Combatants
  8. Psychotic imperator
  9. Deathscream
  10. Loyal to the grave
Gesamtspielzeit: 44:23 min

Im Forum kommentieren

kiste

2026-01-25 18:12:16

Hm… in den letzten 20 Jahren gefiel mir besonders Hordes of Chaos. Danach war ich raus . Höre zwar immer die neuen Platten aber da hält mich nix. Nicht schlimm, gibt ja genug gute Alternativen. Dennoch cool, dass die so dermaßen erfolgreich damit sind. Die Rezension gibt das gut wieder. Der Machine Head Vergleich gefiel mir in den Kommentaren auch gut, da bin ich auch schon lange raus.

Euroboy

2026-01-25 08:27:58

Ich mag den ersten Song "Seven Serpents" aber sonst hört sich die Platte wie schon die letzten beiden wie ein Aufguss der tollen "Phantom Antichrist" Scheibe von 2012 an.

DudellicAh

2026-01-23 19:12:40

Gefällt mir überhaupt nicht. Gleicher Bombast-Metal wie die aktuelle Scheibe von Machine Head. Langweiliges Riffing inklusive "Ohrwurm-Refrain" zum Davonlaufen. Da lobe ich mir die Neue von Megadeth, die Welten besser ist!

Honigmelonenmond

2026-01-21 14:42:33

Auf laut.de gleich bewertet wie das neue Album von DJ Bobo, herrlich ;-)

Thrashit

2026-01-18 19:37:46

mir gefällt diese Rille überhaupt nicht. Platisch produziert, langweiliges und sehr vorhersehbares Songwriting, unspektakuläre Riffs, gute Soli...hat überhaupt nichts mit Thrash Metal zu tun

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