Zach Bryan - With heaven on top

Belting Bronco / Warner
VÖ: 09.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Middle of the road

Zach Bryan möchte nicht irgendetwas für Dich sein. Man glaubte ohnehin schon, ihn nach Springsteen-Feature und allgemein sympathisch-menschlichem Verhalten – was nicht selbstverständlich im Country-Business ist – in der liberalen Ecke zu wähnen, als er mit dem Live-Debüt seines Songs "Bad news" um die Ecke kam: "I heard the cops came / Cocky motherfuckers, ain't they? / And ICE is gonna come bust down your door / Try to build a house no one builds no more." Aber halt, halt, halt. Das "fading of the red, white and blue" treffe ja beide Seiten, links und rechts und Bryan sehe sich auf keiner "radikalen" Position, so sein zurückruderndes Statement nach dem ersten bisschen Backlash von republikanischer Seite. Mit Duett-Partner John Moreland gab es so viel Ärger, dass Bryan kurzerhand dessen Feature auf "The great American bar scene" ersetzte und mit seiner Ex-Partnerin Brianna LaPaglia machte er per Instagram-Post Schluss, bevor die ihn beschuldigte, sie emotional misshandelt zu haben und ihr einen NDA nach der Trennung unter die Nase gehalten zu haben. Doch nicht der Vorzeige-Posterboy, kein Interesse daran offenbar. Wie sich der Trubel auf sein sechstes Album "With heaven on top" auswirkt? Erwartbar herzlich wenig.

Natürlich reflektieren Bryans Texte wie so oft die aktuelle Situation. "I'm taking a blade to my old tattoo / I'm draining the blood between me and you / I'm taking a blade to my own skin / And I ain't never touching yours again", giftet er zu sanftem Strumming in "Skin" gegen die Verflossene. Er gräbt in "DeAnn's denim" in der Familienkiste, fährt gleich zwei Mal auf dem Album nach Kalifornien, "where the heartless are", bewegt sich ohnehin viel auf einsamen Straßen an Tankstellen und Diners am Wegrand vorbei und hadert mehrfach mit dem "blood money", das ihm seine gut besuchten Touren immer wieder einbringen. "Why am I in Northwest Arkansas / Playing shows to those who don't care at all? / With my money bloody and my belt so tight / I work myself up an appetite", singt er im fidelen "Appetite" und man fragt sich, was da in bei diesen Konzerten wohl vorgefallen sein mag und wäre als Besucher wohl angepisst. Aber man weiß ja nun, dass Bryan gelegentliches Anecken ziemlich egal ist. Und für jede dezent gemeine Zeile gibt es Herzenssachen wie die schöne Poesie im titelgebenden Closer: "You won't find no answers safe at home / You can't learn heartbreak from a poem / And every hard time, song rhyme, friend you've got / You'll have, with heaven on top."

Ganze 25 Stücke umfasst "With heaven on top" und darunter sind die Handvoll Singles, die im Vorjahr veröffentlicht wurden, nicht mal enthalten. Kein energisches "This world's a giant", kein "Madeline", das schöne Duett mit Gabriella Rose, das Kings-Of-Leon-Feature "Bowery" glänzt ebenfalls mit Abwesenheit. Überhaupt ist die Starpower von "Zach Bryan" und "The great American bar scene" komplett zurückgefahren, dafür hat Bryan nun eine umfangreiche, feste Band im Studio versammelt. Klavier, Streicher, Bläser – alles zwar schon dagewesen auf den bisherigen Platten, aber selten so prominent und intensiv eingesetzt wie hier. Im sehr hübschen "South and Pine" sorgt eine grelle Trompete für die Klimax, "If they come lookin'" nimmt die selten gehörte elektrische Gitarre als Fundament. "With heaven on top" pendelt zwischen energiegeladenen Bangern und reduzierten, meist akustisch gehaltenen Schleichern, wie immer in perfekter Balance und häufig mit Melodien ausgestattet, die klingen, als hätte man sie schon immer gekannt. Wären auch 15 statt 25 Songs genug gewesen? Sicher, gerade weil sich nicht nur musikalische Motive ähneln, sondern auch lyrische Themen wiederholen. Aber jemanden, der innerhalb von rund sieben Jahren über 150 Stücke raushaut, interessiert das herzlich wenig. Ausfälle sucht man außerdem vergebens. Auch das bleibt gleich.

Wie also lässt sich überhaupt eine Evolution feststellen? "With heaven on top" ist bei genauerer Betrachtung abgeklärter, professioneller: Rauschige Akustiknummern wie "All good things past", in denen das Aufnahmerauschen zu hören ist und die Bläser nur dumpf im Hintergrund auszumachen sind, bleiben die Ausnahme. Bryan veröffentlichte trotzdem in Erwartung von Anbiederungsvorwürfen drei Tage später eine komplett akustische Version des Albums. Als ob man hier von Bombast sprechen müsste. Dass Bryans Musik deutlich weniger Lo-Fi und üppiger instrumentiert als sonst ausgefallen ist, täuscht vielmehr nicht darüber hinweg, dass er im Prinzip seit "Elisabeth" immer das gleiche Album macht. Man fragt sich, wann man dem unverkennbaren Stil überdrüssig wird. Und die Antwort lautet: nicht dieses Mal.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Appetite
  • Bad news
  • South and Pine
  • Cannonball
  • Rivers and creeks

Tracklist

  1. Down, down, stream
  2. Runny eggs
  3. Appetite
  4. DeAnn's denim
  5. Say why
  6. Drowning
  7. Santa Fe
  8. Skin
  9. Dry deserts
  10. Bad news
  11. South and Pine
  12. Cannonball
  13. Slicked back
  14. Anyways
  15. If they come lookin'
  16. Rivers and creeks
  17. Plastic cigarette
  18. You can still come home
  19. Aeroplane
  20. Always willin'
  21. Miles
  22. All good things past
  23. Camper
  24. Sundown girls
  25. With heaven on top
Gesamtspielzeit: 78:19 min

Im Forum kommentieren

Enrico Palazzo

2026-01-19 13:35:01

Schöne Platte - vor allem jetzt, wo Ryan Adams nicht mehr abliefert.

MickHead

2026-01-16 19:01:39

Top aktuell:

UK Albums Chart # 3
Irish Albums Chart #1

Armin

2026-01-15 21:05:45- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?


Carl Sandburg

2026-01-12 14:40:49

Heut nochmal eine Akustikversion des Albums dazu?

Enrico Palazzo

2026-01-12 10:50:18

Wie steht der gute Mann denn so politisch?

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