Sierra Veins - In the name of blood
No Shark / Al!veVÖ: 07.11.2025
Bass für das Blut
Zu den Begrifflichkeiten, die uns 2025 brachte, gehört "glow up". An oder aus sich selbst etwas machen, den Look verändern, dies und das. Vielleicht stammt es auch schon aus 2024 oder davor, so ganz klappt das ab einem bestimmten Alter nicht mehr mit dem Hinterhersein. Maximal hilft noch, wenn die Tagesschau in Form von Susanne Daubner davon irgendetwas einspricht – und dann ist es meist schon zu spät, weil neuer Trend. Was bei Thomas Müller nun also der Vollbart ist, sind bei Sierra die Veins, um die Annelise Morel den Namen ihres Projekts erweitert hat. Viel geändert hat sich allerdings nicht. Der eine schießt weiterhin seine Tore, die andere lässt die Bässe ballern. "In the name of blood" ist das zweite Album der französischen Elektronikerin, dem nun alleinig der Fokus gewidmet sein soll – statt der zweiten Karriere eines Fußballers, der eh schon genug Fans hat.
Giftgrün auf tiefschwarz – eine Kombination, die schon Type O Negative zum Trademark erhoben und die nun die synästhetische Entsprechung als "Glow in the dark" zu den neun neuen Songs sein soll. Ziel der Übung: Genau die richtigen Knöpfe drücken – den Moment triggern, der die Menschen sich bewegen lässt, und genau das gelingt Sierra Veins hier ab den ersten pochenden Beats problemlos. Der erste Bassdrop wird lange angekündigt, überrascht dann ob seiner Konsequenz dann doch und liegt bei locker 0,7 auf der Nine-Inch-Nails-eigenen "Reptile"-Skala. Nicht die einzige Ähnlichkeit zu den großen Helden des Industrial, bespielt die Französin doch clever die Schnittstelle aus EBM, Industrial und Synthwave. Auch klar ist: So richtig wirken kann das nur in Lautstärken, die normalerweise nicht von Nachbarn goutiert werden.
Etwas Unterstützung von Genregrößen erhielt Morel schon auf "A story of anger", hier ist es nun Frédéric Garcia alias Ghost Dance, der bei "Memory cells" seine Finger im Spiel habt, und die Tanzflächen abseits der Liveshows von Sierra Veins, auf denen das läuft, können und sollten nur voll sein. Auch wenn man dort jeweils in heller Kleidung eher auffällt - für Sie getestet. Die Live-Präsentation führt übrigens das Album-Artwork fort: Die neuen Stücke wabern in etwas eigener, grünlicher Nebellage vor sich hin, während sie in das restliche Œuvre eingewebt werden.
In der Kürze der Dauer ist "In the name of blood" ziemlich auf den Punkt , lediglich "Who I used to be" gerät ob eines Rave-artigen Anteils doch arg stumpf und passt auch nicht so recht zum angenehmen Tempo der restlichen Tracks und schon gar nicht zum folgenden. "The one" ist so etwas wie der pulsierende Ruhepol, die (erste) Ballade des Albums. Im Gegensatz zu "Ain't no woman", das tatsächlich einen Grundbeat schafft, der auch im Hip-Hop hart reingehen würde. Ein ähnliches Wechselspiel findet sich noch einmal am Ende zum feingliedrigen "The end of time", das hier tatsächlich etwas heller in die Nacht hineinscheint. Giftgrün, versteht sich.
Highlights & Tracklist
Highlights
- In the name of blood
- Memory cells (feat. Ghost Dance)
- The end of time
Tracklist
- In the name of blood
- Memory cells (feat. Ghost Dance)
- Who I used to be
- The one
- Ain't no woman
- My poison
- Desire
- It was written
- The end of time
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Armin
2025-12-19 21:32:21- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Sierra Veins - In the name of blood (1 Beiträge / Letzter am 19.12.2025 - 21:32 Uhr)
