Dove Ellis - Blizzard
Black ButterVÖ: 05.12.2025
Shut your eyes and see
Vorab: Dem Album unvoreingenommen begegnen zu können, wäre schön gewesen. Dafür war das Rauschen im digitalen Blätterwald allerdings zu laut. Um Dove Ellis' selbstproduziertes Debüt-Album, so raunt man, hätten Major-Labels gebuhlt, aber der aus der irischen Hafenstadt Galway stammende Jungspund hat andere Pläne, und so erschien "Blizzard" am 5. Dezember fast auf den Tag genau 103 Jahre nach der Gründung des Irischen Freistaats bei einem Indie-Label. How telling, oder?
Vielleicht auch nicht. Fakt ist, dass Fakten in Bezug auf Ellis eher spärlich gesät sind, aber – frei nach Tom Liwa – wir haben ja die Musik. Und die weiß vom ersten Augenblick an zu beeindrucken, klingt sie doch so gar nicht wie das Werk eines Frühzwanzigers. Der Singer-Songwriter schreibt Folksongs, die mit Lagerfeuergeschrammel nichts zu tun haben, im geschmackssicheren Band-Gewand außerdem delikat ausstaffiert mit Klavier, Klarinette, Akkordeon, Cello, Bratsche sowie allerlei Klirr- und Raschelzeug. Was die Instrumente anbelangt, passiert da also eine ganze Menge, aber so dezent, dass man schon ganz genau hinhören muss. Zumal einen zunächst Ellis' Kopfstimme in den Bann zieht, die oft fragil klingt, aber auch heulen kann wie eine Banshee. Und die, übrigens, frappierend an den Schotten Marc Pilley (Hobotalk, Arksong) erinnert. Schmachtend, leidend, leiernd, trotzig skandierend, gerne auch in ein und demselben Song, deckt sie eine enorme emotionale Bandbreite ab. Dass der Intellekt dabei nicht auf der Strecke bleibt, dafür sorgen die Texte, die, naja, Raum für Interpretationen lassen: Wortspiele, Bewusstseinsströme, Metaphern, Assoziationen ... ach, der ganze Ulysses eben.
Aus dem Ungefähren schälen sich allerdings auch Slogans heraus, die man nicht mehr vergessen möchte, wie in dem melancholisch-perlenden "Pale song", der folgende Zeilen kredenzt: "So don't reach for the sun / Yeah, you might like getting hot / But you won't like getting spun." Das darauffolgende "Love is" lässt uns im hüftgroovenden Refrain erstaunlich abgehangen wissen, dass Liebe allein unsere Probleme nicht lösen können wird. Und doch unsere letzte Chance ist. Milchbart-Weisheiten, die uns trotzdem alle in der globalen Gegenwart abholen (sollten). Ganz besonders pointiert ist in diesem Zusammenhang aber das larmoyante "Heaven has no wings", das (vielleicht) vom dunklen Schnitter himself handelt und Falken erwähnt. Wer dabei zum Beispiel an US-Außenpolitik denkt, muss nicht völlig bescheuert sein. Wenn das reduzierte "Feathers, cash" mit den Worten "We make steam / Drawing in the shower / Dogs on the glass / A face and an ass" beginnt, nimmt man das dann beinahe schon erleichtert zur Kenntnis.
Dove Ellis' Erstlingswerk ist eine reife Sache. So reif, dass man fast schon eine Verpflichtung fühlt, sich Sorgen um "die jungen Leute" zu machen. Und dennoch: Shut your eyes and see. Die Platte läuft durch und der Serotoninspiegel bleibt stabil. Das sagt was aus, Boomer.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Pale song
- When you tie your hair up
- Heaven has no wings
- Feathers, cash
Tracklist
- Little left hope
- Pale song
- Love is
- When you tie your hair up
- Jaundice
- Heaven has no wings
- It is a blizzard
- Feathers, cash
- To the sandals
- Away you stride
Im Forum kommentieren
dogs on tape
2026-02-09 06:51:15
Jetzt entdeckt. Erstaunlich dass noch nirgend Cameron Winter erwähnt hat als Referenz. Wenn man die Metacritic Noten nimmt hier deutlich unterschätzt ;-)
Der Dockville Termin lässt hoffen, dass noch mehr Termine dazu kommen.
Armin
2026-01-07 18:41:08- Newsbeitrag
Liebe Medienpartner:innen,
der junge, irische Singer-Songwriter Dove Ellis kam Ende letzten Jahres wie aus dem Nichts mit seinem Debüt-Album „Blizzard" um die Ecke geweht und das begeistert jetzt schon mit seinem Indie-Pop nicht nur die Kollegen von Geese, die ihn auch gleich als Support auf ihre US-Tournee mit genommen haben.
Seit dem 05.12. ist „Blizzard“ digital verfügbar und im April folgt auch noch eine Vinyl-Variante des Albums.
Künstler: Dove Ellis
Release: „Blizzard“ (Album)
VÖ: 05.12.25 (dig.)/15.04.26 (phys.)
Label: Black Butter/AMF Records
Fotocredit: Xander Lewis
Hier gibt es den offiziellen Clip zur Single „Pale Song":
Info: Der in Galway geborene und in Manchester lebende Musiker Dove Ellis veröffentlichte am 05. Dezember bei AMF/Black Butter Records sein Debüt-Album „Blizzard“ digital. Eine Vinyl-Version des Albums wird im April folgen. Das Album produzierte Dove Ellis selbst in London und Liverpool. Der Mix stammt von Sophie Ellis und Andrew Sarlo.
Nachdem er erst im vergangenen September seine Debüt-Single „To The Sandals“ veröffentlicht hatte, erschien das Album im Anschluss an seine US-Tournee als Support für Geese und seine ersten Headliner-Konzerte in New York, Los Angeles und London. Ein zweites Headliner-Konzert in London im Dezember war sofort ausverkauft. Schon beim ersten Hören des hypnotischen Albums „Blizzard“ spürt man die frische Begeisterung des jungen Künstlers – ein Album, das Dove laut eigener Aussage „für Freunde“ gemacht hat. Passend zur Albumveröffentlichung gibt es eine intime und minimalistisch gefilmte Session-Aufnahme einiger Songs von „Blizzard“, die im Old Operating Theatre in London entstand.
Der dazugehörige Clip in Kurzfilmlänge findet sich hier:
Live: 14.08.26 Hamburg, MS Dockville
Instagram: https://www.instagram.com/doveellis_/
saihttam
2026-01-04 02:19:04
Bei mir Platz 7!
Platoon
2025-12-31 08:08:20
Wunderschön, speziell To The Sandals. 7/10 hier finde ich sehr underrated, auf Metacritic ist es drittbestes Album des Jahres: https://www.metacritic.com/news/best-music-of-2025
Armin
2025-12-19 21:31:37- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Dove Ellis - Blizzard (15 Beiträge / Letzter am 09.02.2026 - 06:51 Uhr)
