Brutus - Live in Brussels

Hassle / Cargo
VÖ: 28.11.2025
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Trommelwirbel

Man kann ja von Lars Ulrich und insbesondere seinen Künsten als Schlagzeuger von Metallica halten, was man will, seine Szenekenntnisse hat der Mann über die Jahrzehnte ganz offensichtlich nicht eingebüßt. Denn 2017 präsentierte der offensichtlich immer noch überaus passionierte Sammler in seiner Radio-Show eine junge Band aus Belgien, die nach seiner Meinung einmal ganz groß werden sollte. Und nach nur drei Alben galten Brutus plötzlich als der heißeste Scheiß, als Band, die mit ihrer Mischung aus Post-Rock, Post-Hardcore, Metal und Pop völlig unterschiedliche Fanszenen vereinen kann, die auf so unterschiedlichen Festivals wie dem Wave-Gotik-Treffen, dem Wacken Open Air oder dem Hurricane gleichermaßen begeistern kann – und der sogar das Kunststück gelingt, in die überaus überschaubare stilistische Schnittmenge des Autors dieser Zeilen und dem Plattentests.de-Chef vorzudringen. Sachen gibt's, die gibt's gar nicht.

Einig sind sich jedoch alle darüber, dass das letzte Studioalbum "Unison life" 2022 für den endgültigen Durchbruch sorgte. Entsprechend gefüllt war der Terminkalender auf der folgenden Tour, der in den Jahren 2023 und 2024 ganze 165 Auftritte aufweisen konnte – die letzten in der drei Mal ausverkauften, ziemlich renommierten Halle "Ancienne Belgique" in Brüssel. Nach diesem intensiven Programm sollte es somit niemanden mehr wundern, dass sich das Trio auf "Live in Brussels" derart eingespielt zeigt, dass Begriffe wie "Maschine" schon fast untertrieben wirken. Ebenso wenig sollte überraschen, dass die Songs von "Unison life" den Löwenanteil der Setlist stellen, einzig das seinerzeit völlig zu Recht von Kollege Tyczkowski als Highlight gelobte "Dreamlife" fand keine Berücksichtigung.

Dennoch ist "Live in Brussels" dankenswerterweise viel mehr als "Brutus plays 'Unison life' in its entirety". Denn die sechs Songs von den ersten beiden Alben betten sich wunderbar in den Fluss der Show ein und zeigen alleine dadurch die Entwicklung der Band – festzumachen immer wieder an Stefanie Mannaerts, die mittlerweile vor Selbstvertrauen und Energie dermaßen sprüht, dass sie eben nicht mehr wie ganz zu Anfang eine singende Schlagzeugerin ist, sondern vielmehr eine Schlagzeug spielende Sängerin. Keine Ahnung, wie sie es schafft, das ruppige "All along" vom Debütalbum fast am Ende der Show noch so tight herunterzubolzen und dabei noch dermaßen großartig zu singen, aber genau diese Hingabe dürfte es sein, mit der man dann am Ende auch ein kerniges Metal-Publikum begeistern kann.

Hochglanz ist demzufolge nicht die Sache des belgischen Trios. Da wird dann eben nicht jeder winzige Spielfehler in der Post-Production ausgebügelt, da ist nun mal ein kleines bisschen zu viel Echo im Gesang. Eben so, wie es sich nun einmal anhören und anfühlen sollte. Für das visuelle Erlebnis hingegen dürfte für die meisten Käufer die Devise "Pech gehabt" gelten – tatsächlich erscheint "Live in Brussels" nicht etwa auf Blu-Ray mit Fantastillionen Kanälen im Dolby-Atmos-Erlebnis, sondern allen Ernstes auf VHS. Wenn Vinyl das Medium für Besserverdienende ist und Tapes auch schon wieder an jeder Ecke zu finden sind, dann muss sich der wahre Nerd eine andere Spielwiese suchen und ist vermutlich schon auf dem Weg zum nächsten Flohmarkt. Das Medium mag vielleicht retro sein, doch "Live in Brussels" ist ein großartiger Abschluss des bis dato erfolgreichsten Kapitels der Belgier. Die Erwartungen an das nächste Album dürften nicht nur bei Lars Ulrich überaus hoch sein.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Victoria
  • War
  • Chainlife
  • All along

Tracklist

  • CD 1
    1. Miles away
    2. Brave
    3. Liar
    4. Justice de Julia II
    5. Storm
    6. War
    7. Victoria
    8. What have we done
  • CD 2
    1. Chainlife
    2. Space
    3. Fire
    4. Dust
    5. Paradise
    6. Desert rain
    7. All along
    8. Sugar dragon
Gesamtspielzeit: 92:16 min

Im Forum kommentieren

Klaus

2025-12-10 22:46:42

Es sind sehr passende, lokale Referenzen.

Ochsensemmel

2025-12-10 22:31:22

Wiegedood, Amenra und Oathbreaker in den Referenzen... Hä? Nichts hiervon klingt danach.

Armin

2025-12-10 21:09:55- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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