OneRepublic - The collection
Mosley / InterscopeVÖ: 15.08.2025
Songs für die Arena
Best-of-Alben im Streaming-Zeitalter sind wie DVD-Boxen von Serien, die ohnehin online verfügbar sind: schön fürs Regal, aber inhaltlich selten nötig. Das gilt auch für "The collection" – das erste Best-of-Album von OneRepublic. Die Band ist lange genug dabei, um sich so eine Nostalgieschleife leisten zu können. Seitdem "Apologize" 2007 einmal quer durch alle Ländercharts geflogen ist, haben OneRepublic sich vom MySpace-Phänomen zum zuverlässigen Hook-Lieferanten hochgearbeitet. Darauf folgten "Counting stars", "Feel again", "Stop and stare" und weitere Songs, die die meisten beim Lesen dieser Songtitel wohl direkt im Ohr haben dürften. Frontmann Ryan Tedder erledigt eingängige Pop-Hymnen so routiniert wie andere ihren Wocheneinkauf. "The collection" will die musikalische Bandgeschichte je nach Version in knapp 53 oder 88 Minuten erzählen – angefangen bei "I ain't worried" aus dem "Top gun: Maverick"-Soundtrack bis hin zu "Good life", "Secrets", "Love runs out", "Rescue me" oder "Wherever I go". Wer die Band bisher vor allem als Geräuschkulisse in Geschäften wahrgenommen hat, bekommt hier einen Crashkurs.
Interessant aber ist weniger, was drauf ist, als wie das Album sortiert ist: Jede Ära bekommt ein, zwei Songs. Der Rest der jeweiligen Alben fällt großzügig unter den Tisch oder in die digitale Bonuszone. Während die Streaming-Version noch mit zusätzlichen Stücken wie "Nobody", "West coast", "Kids" oder "Let's hurt tonight" auf 26 Tracks auffüllt, bleibt die physische Edition bei 16 Nummern. Welch Ironie. Man kann dieser Auswahl von OneRepublic viel vorwerfen, aber nicht, dass sie schlecht gemacht wäre. "Counting stars" bleibt trotz Dauerbeschallung schlicht ein sehr gut gebauter Popsong, "Apologize" hat seine Herzschmerz-DNA nicht verloren, "I ain't worried" dreht das Ganze dann in die komplett sorglose, pfeifende Surfbrett-Richtung.
Das Problem: In dieser Dichte fällt umso stärker auf, wie austauschbar vieles drum herum geraten ist. Gerade die Blöcke aus den Alben "Human" und "Artificial paradise" klingen, als hätte jemand die frühen Hits noch einmal durch einen 2020er-Filter gejagt: Drop hier, "Oooh"-Chor da, kurz bedeutungsschwanger abdriften. Die Band hat sich in den letzten Jahren elektronisch erweitert, bleibt im Kern aber im generischen Radioklang stecken. Ryan Tedders Songwriting ist eben auf Effizient getrimmt: packende Refrains, Sound, der nach Arena schreit, und Texte, die so universell sind, dass sich niemand ausgeschlossen fühlen muss. Doch wenn man nur die Über-Hits von OneRepublic stehen lässt, bleibt fast ausschließlich die Oberfläche. Unaufgeräumtere Albumtracks hätten die Chance gehabt, eine differenziertere Bandgeschichte widerzuspiegeln und tatsächlich Eindrücke einer musikalischen Entwicklung zu geben: vom R'n'B-gefärbten Pop des Debüts über den immer größer werdenden Stadionanspruch der frühen 2010er bis zu den heutigen, EDM-nahen Produktionen. Es stellt sich die Frage, für wen das Best-of überhaupt eine Bereicherung sein soll. Wer OneRepublic ohnehin schon rauf und runter streamt, kann das auch ohne "The collection" tun. Wer sich ein umfassendes Bild von der Band machen will, bekommt höchstens einen eindimensionalen Einblick. Das kann Ryan Tedder eigentlich besser.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Counting stars
- Apologize (feat. Timbaland)
- Feel again – with heartbeats
Tracklist
- I ain't worried
- Counting stars
- I lived
- Secrets
- Run
- Apologize (feat. Timbaland)
- Sunshine
- Love runs out
- Wherever I go
- Rescue me
- Runaway
- If I lose myself (Alesso vs OneRepublic)
- Good life
- Stop and stare
- All the right moves
- I don't wanna wait
- Nobody
- West coast
- Can't stop
- Come home
- Feel again – with heartbeats
- Kids
- Something I need
- Say (All I need)
- Let's hurt tonight
- Distance
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Armin
2025-11-30 22:55:17- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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