Pavement - Heckler's choice
Matador / Beggars / IndigoVÖ: 14.11.2025
Gehweg, der nicht weg geht
Slacker-Image hin oder her: Faul ist er nicht, der Stephen Malkmus. Wenn man mal alle Formationen zusammennimmt, in denen er bisher unterwegs war, gehen auf sein Konto roundabout 20 vollwertige Alben, von allerhand Seitenprojekten und Kurzkollaborationen mal ganz abgesehen. Auch die Liste der Musiker, die mit Malkmus bisher zusammengearbeitet haben, liest sich als beeindruckendes Who-is-who der Indie-Szene. Initialzündung für diese anhaltende Produktivität dürfte nichtsdestotrotz seine Frühphase mit Pavement gewesen sein, um die es hier und heute gehen soll. Auch bei Pavement wurde regelmäßig abgeliefert: In den zehn Jahren von der Gründung bis zur offiziellen Auflösung hat die Band fünf Alben rausgehauen, die Fans wie andere Musiker nachhaltig begeisterten: So zählen unter anderem Nada Surf, Blur, Destroyer und Wet Leg zu den Bands, die Pavement als elementaren Einfluss nennen.
Und tatsächlich ist dieser ganz besondere Pavement-Sound bis heute oft kopiert, aber nicht erreicht. Das liegt wohl zuerst an Malkmus' Stimme, die permanent zwischen quengeliger Larmoyanz und echtem Engagement oszilliert – als Vergleich fällt einem hier eigentlich nur J Mascis von Dinosaur Jr. ein. Und dann sind da diese Gitarren: Malkmus und Scott Kannberg ergänzen sich kongenial und verweben perlende Clean-Sounds mit bratzig-verzerrtem Refrain-Geschrubbe, auch changiert das Spiel permanent zwischen schlampig-schluffig und präzise. Zu guter Letzt gibt es noch ein unauffälliges Laid-Back-Schlagzeug, dessen Stoizismus und zuweilen leicht eierndes Timing mit ziemlicher Sicherheit von Charlie Watts inspiriert wurden.
Schön, dass man das alles jetzt nochmal kompakt, gebündelt und sehr sauber kuratiert erleben kann. "Heckler's choice" versammelt, geschmackssicher ausgewählt, alle wichtigen Perlen der Band; von "Harness your hopes" über "Cut your hair" mit seinem bekloppten "Hoo hoo hoo"-Gegröhle und "Gold soundz" bis hin zu dem Superhit "Range life", dessen Refrain sich schon beim ersten Hören jedem sofort und für immer ins Hirn fräst. Und dass Malkmus und die Seinen nicht einfach nur dem Slackertum nachhängen, hört man exemplarisch in "Spit on a stranger", in dem man perfektes Songwriting bewundern darf.
Ja, es bleibt ganz offensichtlich was hängen, und das auch ziemlich dauerhaft, wenn man Pavement hört. Viele Songs der Band haben so starke Widerhaken und rocken so geradeaus los, dass man sie immer wieder gern zur Hand nimmt. Die Stärke der Tracks, die hier über einen Zeitraum von zehn Jahren gemeinsam als Band erschaffen wurden, scheint geradezu friedensstiftend und machte gleich zwei Reunion-Tours (2010 und 2022-2024) möglich. Und inspirierte zuletzt auch den Filmemacher Alex Ross Perry zu seiner Mockumentary "Pavements". Ach ja: Zu jenem Film haben Pavement zeitgleich mit "Heckler's Choice" auch noch den Soundtrack veröffentlicht. Der allerdings ist mit seinen 41 reichlich fragmentarischen Tracks nur für absolut beinharte Fans zu ertragen. Da sollte man vielleicht lieber gleich den ganzen Film sehen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Harness your hopes
- Shady lane
- Unfair
- Range life
- Spit on a stranger
Tracklist
- Stereo
- Harness your hopes
- Cut your hair
- Shady lane
- Unfair
- Major leagues
- Summer babe - winter version
- Gold soundz
- Range life
- Spit on a stranger
- Date w/ IKEA
- Here
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The MACHINA of God
2025-12-02 11:21:28
(spätestens nach Wowee Zowee hat die Band ja stark abgebaut)
Ähm nein. :D
ZoranTosic
2025-12-02 08:29:32
Einziger Kritikpunkt kann nur die Länge sein. Trotz der relativ geringen Albenanzahl kann man ein Pavement Best-Off nicht in 39 Minuten pressen. Vom Material her geht normalerweise nur die Höchstwertung.
killeroehi
2025-12-02 08:19:57
@Jochen Reinecke: Dann sollte "man" das vielleicht auch in der Rezension als Begründung für die Benotung angeben. Die Rezension liest sich ja, berechtigterweise, als einzige Lobeshymne (desegen ja auch meine Verwunderung über die Note). Und ich weiß nicht, ob neue Songs eine Bereicherung gewesen wäre, was hätten irgendwelche mediokren Tracks von heute (spätestens nach Wowee Zowee hat die Band ja stark abgebaut) auf einem Best of verloren, das, Zitat, "geschmackssicher ausgewählt, alle wichtigen Perlen der Band versammelt"? Dann hätte man ja eventuell zwei dieser Superhits rausschmeißen müssen, um Platz für Durchschnittsware zu schaffen.
The MACHINA of God
2025-12-01 19:53:25
Ich mag die Rezi, aber die Begründung ist wirklich etwas komisch. Was ich eher schwach finde: die Länge.
Herder
2025-12-01 18:43:04
Das ist in meinen Augen aber keine besonders nachvollziehbare Begründung für die Zurückhaltung bei der Punktvergabe. "Man" sollte doch bewerten, was an Songs vorliegt und nicht, was "man" sich gewünscht hätte. Und wer ist hier überhaupt "man"?
Aber nun ja, Pavement sind für mich über alle Zweifel erhaben, tolle, sympathische Band.
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