Pabst - This is normal now

Alcopop! / Ketchup / Edel
VÖ: 28.11.2025
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Hyper hyper!

Mit vierten Alben ist es so eine Sache. Ist noch eine signifikante Weiterentwicklung oder gar Neuerfindung zu erwarten, oder haben Bands und Künstler*innen ihren Signature-Sound inzwischen gefunden und bemühen sich primär um Feinschliff und Perfektion? Pabst mit B aus Berlin mit B haben an dieser Stelle beim britischen Alcopop!-Label angeheuert, was angesichts dessen Roster voller Bubblegum-Krach-Bands absolut Sinn ergibt. Aber auch ihrem Sound wollen sie eine Frischzellenkur verpassen. Und zwar, indem sie sich ausgerechnet auf Hyper-Pop berufen – insbesondere, wie Charli XCX ihn macht. Das für "This is normal now" so angeblich gänzlich neu entstandene Genre nennt das Trio in einem Anflug von unbändiger Kreativität dann auch "Hyper-Rock". Fusion cuisine oder Etikettenschwindel? Die Prüfung läuft.

Im Opener "Limbo no. 5" (leider kein Lou-Bega-Cover) funkt zwar kurz ein Synthie dazwischen, tritt aber eher als Untermalung auf, als dass er den optimistischen Fuzz-Cocktail, für den man Pabst schätzt, grundlegend aufmischen würde. Die Single "I felt all there is to feel" mit Unterstützung der Labelmates DZ Deathrays kommt mit ihrem tanzbaren Beat und Rivers-Cuomo-artigem Refrain tatsächlich erfrischender daher. "Hyper-Rock" bedeutet also vor allem, dass Pabst zwar schon immer unverschämt eingängig waren, es nun aber auch endlich zugeben. Und umarmen: "Big big heart" (mit Snake Eyes) weezert genauso munter drauf los, zieht in Sachen Unterhaltsamkeit allerdings den Kürzeren gegenüber oben erwähnter Erstauskopplung. Das dritte Feature "Twenty three", eine Kollaboration mit der Leipziger Indie-Künstlerin Blush Always, hätte ebenfalls ein wenig spannender geraten können.

Fröhliches Geprügel wie – origineller Joke, Jungs – "Song on the radio" oder der straighte Schweinerock von "Heavy metal junk island", der fast eins zu eins nach wilderen The Subways klingt, brauchen hingegen weder personelle Unterstützung noch stilistische Verrenkungen. Zumindest bis zu dem Part, an dem Pabst Autotune einbauen – wegen Hyper-Pop und so. Auch "Cool car, stupid decisions" zwischen Hives'schem Rock'n'Roll und schließlich doch einer entschleunigten Pop-Bridge oder einwandfreier Alternative-Rock Marke Foo Fighters wie "Orca whale" wissen zu gefallen. Viel Namedropping, na gut. Aber auch ihr schamloses Zitieren macht die Musiker halt so liebenswert: Vor allem "(No) Taking it slow" ist eine völlig offensichtliche, aber auch äußerst charmante Verneigung vor Queens Of The Stone Age.

Kaum zu finden sind psychedelische Elemente, die Hauptstädter gehen ohne Umwege zur Sache. Und lassen gerade dadurch die verspielte Komponente vermissen, die für modernen Pop entscheidend ist. Pabst sind nicht 100 Gecs oder gar Poppy. "This is normal now" ist daher auch weit weg von perfekt – aber "perfect really equals lame", wie die Band in ihrem grundsympathischen Denglisch zwischendurch selbst feststellt. Das entspannte "Happy birthday" (You're not a fighter)" erteilt Vergleichsdenken und der ewigen Competition eine universelle Absage. Wäre es also nötig gewesen, durch aktives Labelling und eine vermeintliche Genre-Neuschöpfung Alleinstellungsmerkmal und Distinktion mit der Brechstange in die Welt zu schreien? Eher nicht. Denn besser als das Gros deutscher Rockbands sind die Berliner doch sowieso meistens. Reicht das als "unique selling point" nicht irgendwo aus?

(Ralf Hoff)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • I felt all there is to feel (feat. DZ Deathrays)
  • (No) Taking it slow
  • Orca whale

Tracklist

  1. Limbo no. 5
  2. Cool car, stupid decisions
  3. I felt all there is to feel (feat. DZ Deathrays)
  4. Song on the radio
  5. Twenty three (feat. Blush Always)
  6. Happy birthday (You're not a fighter)
  7. Heavy metal junk island
  8. Big big heart (feat. Snake Eyes)
  9. (No) Taking it slow
  10. Destroy everything
  11. Orca whale
  12. Prepaid
  13. This is normal now (Outro)
Gesamtspielzeit: 41:43 min

Im Forum kommentieren

Armin

2025-11-30 22:57:47- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Ralph mit F

2025-11-30 19:38:36

Ich vermute einen Zusammenhang:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pabst_Blue_Ribbon

kiste

2025-11-30 17:30:00

Und ich hatte keine Ahnung, dass der so schmissige Rockmusik macht. Spielt der alle Instrumente selbst? Wieso nennt man sich als Band Pabst? Patriarch des Abendlandes, Heiliger Vater, sehr verwirrend.

Jens Böhnemann

2025-11-28 10:35:01

Mit fällt gerade auf, ich weiß nicht wie der aktuelle Pabst heißt.

MickHead

2025-11-28 10:29:53

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kM-AogIEQatY8Gk0TD6qPfqCtxnPiMVKw&si=LSY7no1A219h1jWq

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