Kraftklub - Sterben in Karl-Marx-Stadt
Eklat / UniversalVÖ: 28.11.2025
Scheissindiedisko
Machen wir uns nichts vor: Egal, was die Kritiker zu bemängeln haben, auch Album Nummer fünf der Karl-Marx..., nee, Kemni..., nee, Chemnitzer wird wie sämtliche Vorgänger auf Platz 1 der deutschen Albumcharts landen. Und das sei ihnen gegönnt, denn Kraftklub haben vor allem eines: eine große und treue Fanbase, erarbeitet durch unermüdliches Touren und eine fantastische Livepräsenz. Kraftklub-Konzerte sind amtliche Abrisse, und Haltung sowie das Herz auf dem richtigen Fleck haben Felix, Karl, Till, Steffen und Max sowieso. Alles gut.
Trotzdem haben die miesen Typen von Plattentests.de wie fast immer etwas auszusetzen und vielleicht ist die eine oder andere Bewertung auch zu niedrig ausgefallen. Aber wo reiht sich "Sterben in Karl-Marx-Stadt" denn nun innerhalb des Kraftklub-Kosmos ein, der ja längst ein ganz eigener ist? Die Frische von "Mit K" mit seinen schroffen Hits ist kaum reproduzierbar, klar. Die ab "In Schwarz" immer wieder aufscheinenden politischen Inhalte bleiben ebenfalls erhalten, richtig so. Fehltritte wie auf "Keine Nacht für Niemand" gibt es nicht wieder, fein. Die Tendenz zum Feature wie auf "Kargo" hält an, okay. Und nun Hände in die Luft und... moment, nicht gleich losfeiern, wir wollten doch erst mal nur wissen, ob irgendjemand auf der neuen Platte Veränderungen am Sound erwartet hätte. Oder zumindest, dass etwas frischer Wind – wie auf dem Kummer-Soloausflug durch den Indie-Rock-Sprechgesang weht. Zack, alle Hände unten. Dachten wir uns.
Also Innovation, Experimente, neue musikalische Ideen: All das bitte anderswo suchen. Ist halt so, im falschen Moment können diese permanent unter Zappeldruck stehenden Kaum-Dreiminüter schon mal nerven, besonders so stumpfe Indie-Ballermann-Nummern wie "Kippenautomat". Auch "Halt's Maul und spiel" retten die ironische Ebene und das Ärzte-Zitat nicht wirklich. Doch genug gemosert, in der richtigen Laune kann diese gute halbe Stunde für jede Menge positive Energie sorgen. Bei den demnächst wieder prallvollen Konzerten werden sämtliche Songs hier sowieso bestens funktionieren und alle gemeinsam "Schief in jedem Chor" singen.
Die Features sind ebenso ein Plus. "Unsterblich sein" mit Domiziana eröffnet das Album und schließt es wieder ab – schade, dass es vom introspektiveren Stil der zweiten Version nicht mehr gibt. Auch die allgegenwärtige Nina Chuba passt zu den Stimmen der Kummer-Brüder. Dass Kraftklub und Deichkind k(l)icken, logo, "Zeit aus dem Fenster" ist hedonistisch, lustig und nachdenklich zugleich. Letzteres trifft auf die meisten der sehr guten Texte zu, die sich häufiger als zuvor mit dem Ende beschäftigen, ob es nun das ganze Dasein, eine Beziehung oder nur einen Lebensabschnitt betrifft. Der Moment sollte genossen und gewürdigt werden, man weiß nie, wann das Schicksal zuschlägt. Perfekt umgesetzt bei "All die schönen Worte", wo der von Faber gesungene Refrain einen Höhepunkt der Platte liefert. Und zwischendurch hält das clevere "So rechts" dem ganzen Land einen braunfleckigen Spiegel vor. Niemals vergessen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- All die schönen Worte (feat. Faber)
- So rechts
- Zeit aus dem Fenster (feat. Deichkind)
Tracklist
- Unsterblich sein (*) (feat. Domiziana)
- Marlboro Mann
- All die schönen Worte (feat. Faber)
- Wenn ich tot bin, fang ich wieder an
- Fallen in Liebe (feat. Nina Chuba)
- Schief in jedem Chor
- So rechts
- Halt's Maul und spiel
- Zeit aus dem Fenster (feat. Deichkind)
- Kippenautomat
- Ein letztes Mal
- Unsterblich sein (†) (feat. Domiziana)
Im Forum kommentieren
Jens Böhnemann
2025-12-04 17:33:27
Musst es ja net fressen
Ochsensemmel
2025-12-04 17:22:48
Deinen TikTok Müll kannste selber glotzen
Jens Böhnemann
2025-12-04 09:27:32
https://vm.tiktok.com/ZNRRnLqc6/
Mehr cringe wirds heute nicht.
lars.fm
2025-12-03 12:13:34
Die Gefahr ist halt, dass die dadurch irgendwann nerven. Zumindest rege ich mich immer auf, da es in Sachen Festivals ja fast schwerer ist Kraftklub nicht zu sehen als umgekehrt. Ich hätte gern nen interessanteren Headliner aber dann kommt halt Kraftklub, die auch sonst eh an jeder Milchkanne spielen. Naja.
Francois
2025-12-02 15:10:08
Ja Lars, das hab ich mir bei den letzten Alben auch gedacht :) Aber ein Rezept, welches funktioniert. Wieder ein paar gute Nummern mehr für eine knapp 2 stündige Hitshow jedenfalls.
Album ist durchaus solide, die 6 passt.
Die Features sind eigentlich alle richt gut.
Gefallen tut mir auch "halts mal und spiel"... ich weiß nicht warum, aber es erinnert mich ganz stark an die Ärzte
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