Hot Chip - Joy in repetition
DominoVÖ: 05.09.2025
You might take this dance
Seit Osgood Perkins' Comedy-Horror "The monkey" löst der Anblick von Spielzeugaffen ein gewisses Unbehagen aus. Der Kollege auf dem Cover von Hot Chips erster Best-of-Compilation scheint ein weniger blutrünstiger Zeitgenosse zu sein, beschwört allerdings auch Geister der Vergangenheit: "Over and over and over and over and over / Like a monkey with a miniature cymbal / The joy of repetition really is in you", hieß es ja in einem der größten Hits der Band. Damit haben wir auch den Ursprung des Titels von "Joy in repetition" fixiert, wobei sich Hot Chip selbst natürlich nie signifikant wiederholt haben. Mit enzyklopädischen Rückgriffen auf die Geschichte der Dance-Musik und Schraubenlockerungen an allen Ecken der Indie-Disco hat der Fünfer immer wieder seine Parameter verschoben und sich als wichtigste Gallionsfigur für musiknerdgerechtes Abhotten der letzten 25 Jahre etabliert. "Joy in repetition" trägt trotz mancher kapitalen Auslassung dieser Entwicklung Rechnung und präsentiert sich als unterhaltsame wie liebevoll kompilierte Werkschau.
Was in dieser Hinsicht besonders auffällt, ist das Sequencing. Hot Chip pappen die Songs nicht einfach chronologisch aneinander, sondern schaffen eine Dramaturgie, die auf dem Papier nicht immer sinnvoll erscheint, aber beim Hören voll aufgeht. Das zitierte "Over and over" frisst sich wie eine verzerrte Termitenkolonie durch das Zentrum des Albums, kontrastreich umrahmt von den ätherischen House-Ausflügen "Hungry child" und "Positive". Den Auftakt übernimmt "Ready for the floor", das sämtliche Trademarks der Band auf den Punkt bringt: vielschichtige Synth-Arrangements, ein sofort in den Körper schießender Groove und Alexis Taylors zärtliche Vocals. Es ist, skandalöserweise, der einzige Track von "Made in the dark" – eine Hot-Chip-Best-of ohne "Hold on" zu veröffentlichen, ist schlimmer als alles, was den Opfern des eingangs erwähnten Affen passiert. Hot Chip haben allerdings generell nicht viel für ihre Frühphase übrig, berücksichtigen ihr Debüt "Coming on strong" überhaupt nicht und "The warning" neben "Over and over" nur mit dem obligatorischen "Boy from school", das vor allem durch seinen Breakdown mit Glocken und Harfenklängen überzeugt.
Solche Details sind ein wesentlicher Grund dafür, warum die Briten den allermeisten ihrer stilistischen Kolleg*innen schon immer einen Schritt voraus waren. Man höre nur, wie Joe Goddards "Keep on feeling"-Sample als körperloses Gegengenwicht zum schweren Synth-Bass durch "One life stand" gespenstert. Das grandiose "Thieves in the night" vom selben Album fehlt leider, stattdessen gibt es noch "I feel better", das mit seinem chromfarbenen Streicher- und Autotune-Drama einen wunderbaren eigentlichen Abschluss bildet – "eigentlich", weil danach noch "Devotion" als einziger neuer Song folgt: eine schöne Synthpop-Nummer, die das hohe Niveau problemlos hält. Hot Chips unterm Strich beste Platte "In our heads" bekommt standesgemäß drei Repräsentanten, wobei die Sieben-Minuten-Ekstase von "Flutes" natürlich immer eine sichere Bank ist. Warum es statt anderer Highlights wie "Motion sickness", "Ends of the earth" oder "Let me be him" aber ausgerechnet die latent nervige Electroclash-Groteske "Night and day" auf die Best-of geschafft hat, sollte man gnädigerweise als sympathische Verschrobenheit verbuchen.
Davon abgesehen sind Taylor und Co. aber durchweg stilsicher unterwegs und beweisen auf "Joy in repetition" ihre unheimliche Konsistenz über Jahrzehnte und Tempi hinweg. Bekanntlich schalten Hot Chip gerne in den Balladen-Modus – alles andere wäre bei dieser Stimme auch eine Schande – und mit "Look at where we are" gibt es hier eines der schönsten Exemplare dieser Gattung: "Remember where we started out / Never gonna be without each other's love again." Auch das atmosphärische "Need you now" und der sich beständig hochschraubende Gospel-Pop von "Melody of love" – ja, "A bath full of ecstasy" hat drei Songs bekommen – gehen emotional tief. Dazwischen macht der "Freakout/Release"-Kandidat "Eleanor" als käsiger Ibiza-Funk einfach nur Laune. In "Huarache lights", einem weiteren späten Karrierehighlight von "Why make sense?", schlingen sich Vocal-Effekte und Gitarren-Feedback um den hypnotischen Beat, während Taylor seinen Ängsten Luft verschafft: "Replace us with the things / That do the job better." Zweifelhaft, dass jemand oder etwas Hot Chips Job je besser als sie selbst machen könnte.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Ready for the floor
- Flutes
- Over and over
- Look at where we are
- Huarache lights
Tracklist
- Ready for the floor
- Boy from school
- One life stand
- Night and day
- Flutes
- Hungry child
- Over and over
- Positive
- Look at where we are
- Need you now
- Eleanor
- Huarache lights
- Melody of love
- I feel better
- Devotion
Im Forum kommentieren
Armin
2025-11-30 22:54:11- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
rheiton
2025-09-05 11:46:44
JUNGE
MickHead
2025-09-05 11:36:12
Komplette Playlist bei YouTube:
https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nb3mvf65zwZ5X-lYCI7LB2hkRqiOeeoEo
ichreitepferd
2025-07-08 19:44:03
Hoffe das Ding kommt auf Vinyl. Perfekte Tracklist finde ich.
AliBlaBla
2025-07-08 13:43:41
Tracklist stabil, hätte mir persönlich mehr ältere und älteste gewünscht, aber geht voll okey.
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