Men Without Hats - On the moon

Shocore / MWH
VÖ: 14.11.2025
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Over my dad bod

Gelegentlich verliert man sich im Zwischenmenschlichen aus den Augen, obwohl man es gar nicht böse meint. Man teilt einfach gewisse Hobbys und Ansichten irgendwann nicht mehr, und dann geht man eben so seiner Wege. Sollte man sich dann einige Zeit später wieder über den Weg laufen, dann ist das zumeist ein sehr schönes Gefühl, weil logischerweise die alten gemeinsamen Erinnerungen zurückkehren und eben nicht der Weg der Entfremdung. Letzteres wird einem dann erst wieder bewusst, wenn man versucht, genauso ins Gespräch zu kommen wie früher. Und bei der Musik gibt es da durchaus Ähnlichkeiten. Mit "Again (Part 2)" haben Men Without Hats bereits 2022 ein Album veröffentlicht, in guter Tradition mit einem Jahrzehnt Pause nach dem vorherigen. Und obwohl ihr wohl bekanntestes Album "Rhythm of youth" großen Einfluss auf die Vorliebe für Synth-Pop des Rezensenten genommen hat, lief es spurlos vorbei. Es handelt sich also streng genommen gar nicht wirklich um ein Comeback.

Inhaltlich sollte man dies allerdings vermuten, da von den Herren und Damen rund um Frontmann Ivan Doroschuk wirklich viel Nostalgie bei den Hörenden abgerufen werden soll. Einer Hommage an die eigenen goldenen Zeiten haftet ja gerne mal etwas hilflos Beschämendes an. Man muss schon mit einem klaren Bekenntnis zur eigenen "Ausderzeitgefallenheit" aufwarten. Und phasenweise gelingt das auch sehr unterhaltsam. Simple Textzeilen wie "I remember so much fun / Back in 1981 / Ain't no place I'd rather be / Except for 1983" sind insbesondere mit dem Zusatzwissen, dass mit "The safety dance" der große internationale Hit der Band eben 1982 herauskam, schön subtil geraten. Überhaupt ist das hier zitierte "I love the 80s" ziemlich offensichtlich der Grund, weshalb sich Doroschuk nochmal für einen längeren Release ins Studio setzen wollte. Diese Single überflügelt alle anderen Titel dieses Kurzalbums in Stil und Komposition um Längen, und lediglich der Titel "If you try", bei dem auch Doroschuks Tochter Sahara Sloan in den Hintergrund-Vocals mitwirkt, hat mit den fast schon inflationär genutzten Arpeggios eine vergleichbare klangliche Tiefe.

Im Gegensatz zu diesen Positivbeispielen wagt sich Doroschuk mit "À cause de toi" der Abwechslung halber einmal an ein paar nicht-englische Lyrics, was aber leider annähernd so flach endet wie der schlimme alte Herrenwitz "Französisch kann ich gut, aber mit der Sprache hapert es." Es muss ja wirklich nicht jedes Mal ein C1-Level-Text sein, aber wenn ein seit fast zwanzig Jahren eingestaubtes Schulfranzösisch problemlos reicht, um jede Zeile beim ersten Hören nachzuvollziehen, dann muss hier eine Art Ballermann-Äquivalent vorliegen. Und auch die zuvor angeschnittenen Produktionsdetails fallen bei dieser Nummer aus, was dann den repräsentativen Gesamteindruck des Songs für das restliche Album wahrlich nicht verbessert. Alles in allem: Dass dieses Album erschienen ist, ist rundum nett. Es gibt dem Fundus der Band keine nennenswerte weitere Tiefe, hat aber auch nach so langer Abstinenz nicht den Fehler begangen, mehr sein zu wollen als ein kurzes Lebenszeichen. Außer den beiden Anspieltipps gibt es allerdings nicht viel zu verpassen und die durch diese Limitierung gewonnene Zeit lässt sich prima in die frühen Werke der Band, eben beispielsweise "Rhythm of youth", investieren.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • I love the 80s
  • If you try

Tracklist

  1. I love the 80s
  2. In glorious days
  3. If you try
  4. Run away
  5. Love me tomorrow
  6. À cause de toi
  7. Jealous guy
Gesamtspielzeit: 28:29 min

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Armin

2025-11-20 21:38:08- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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