Jonathan Jeremiah - We come alive

PIAS
VÖ: 07.11.2025
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Soul aus der Prärie

Es gibt sie immer wieder: talentierte Sänger, deren Songs mehrere Anläufe brauchen und am Ende trotzdem einfach nicht genug fesseln. Jonathan Jeremiah gehört dazu. Er klingt, als wäre er schon immer da gewesen. Seine warme Baritonstimme trägt eine Ruhe in sich, die vertraut und tröstlich wirkt. Auf seinem sechsten Album "We come alive" versucht der Londoner, diesen Trost in orchestrale Größe zu transportieren – mit Streichern, Chören und einem Wohlklang, der, wie man es von Jeremiah kennt, diffus an vergangene Jahrzehnte erinnert. Nur haucht er seinen Songs weniger Leben ein, als der Albumtitel verspricht.

Der Opener "Here with me" beginnt mit sanften Streichern und Westerngitarre. "Feeling kind of hazy", singt Jeremiah langgezogen und angenehm, während alles im Hintergrund nach gemütlicher Musik für einen Westernfilm klingt. Der Songwriter transportiert Prärie-Vibes mit ein wenig Soul-Würze. Die Single "Kolkata bear" zieht das Tempo leicht an, bleibt aber bei Streichern hängen. Auch hier liefert Jeremiah Folk-Soul im geschmackvollsten Sinne, allerdings taumelt der Song wegen fehlender Spannungskurve etwas ziellos umher. In "There's no stopping me" wagt Jeremiah den Schritt Richtung 70er-Musical: Der auf dem Album allgegenwärtige Chor sorgt mit charmanten "Uuh"s für einen Hauch "Hair". Inhaltlich bewegt "We come alive" sich durchgehend auf schwerem Terrain: Jeremiah verarbeitet den Tod seines Vaters, sucht nach Identität, Herkunft, Zugehörigkeit.

Musikalisch interessant wird es besonders im Titelsong: "We come alive" startet mit einem ähnlich lässigen Setting wie bei den anderen Stücken und steigert sich in eine orchestral aufgebauschte Inszenierung. Nach vier Minuten setzt Trompeter Till Brönner mit einem "First-take"-Solo ein: Die Töne sind verspielt, fast brüchig und scheinen über die spät einsetzende Vielschichtigkeit des Songs zu schweben. Jeremiah zieht sich derweil zurück, seine Stimme ist nur noch ein fernes Echo. Für einen kurzen Moment sind Sänger und Trompeter gleichberechtigt. Im scheinbar Ungeplanten bricht Jeremiah aus seinem gemütlich eingerichteten Sound aus und hat den Mut, sich treiben zu lassen. So schnell er diese Tür öffnet, schließt er sie aber leider wieder.

Jeremiah bleibt sich auf "We come alive" eben treu – im vorhersehbaren Sinne. Alles klingt elegant, warm, geschmackvoll, aber selten wirklich bewegend. Die Musik stört nicht, sie fließt eher vorbei, ohne Widerstand. Es ist die alte Jeremiah-Leier: makellos gemacht, mit diesem wohligen Gesang, aber emotional erstaunlich ereignislos.

(Lena Zschirpe)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Here with me
  • Kolkata bear
  • There's no stopping me

Tracklist

  1. Here with me
  2. Kolkata bear
  3. Love (r)
  4. The suntrap
  5. Howling
  6. There's no stopping me
  7. We come alive
  8. How can I shake you out of my mind
  9. Counting down the days
  10. Lorraine and the mermaid
  11. Lush
Gesamtspielzeit: 40:03 min

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Armin

2025-11-20 21:37:46- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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