AVTT / PTTN - AVTT / PTTN
Ramseur / Ipecac / Thirty TigersVÖ: 14.11.2025
NTR WRT
Mike Patton darf und macht grundsätzlich alles. Wo andere Musiker Scheuklappen tragen, besitzt Patton lediglich eine Warnblinkanlage, die die restlichen Verkehrsteilnehmer in regelmäßigen Abständen über ein neues, unerwartetes Projekt informiert. Dennoch stellt "AVTT / PTTN", das Ergebnis der Kollaboration zwischen Patton und dem Americana-Duo The Avett Brothers vermutlich ein Novum dar: Es ist nämlich vollkommen egal. "Ja, aber...", setzt die Stimme aus dem Off an, um auf die künstlerische und kommerzielle Relevanz der Beteiligten hinzuweisen. Diese mag auf dem Papier existieren, in der Musik schlägt sie sich leider nicht nieder. "AVTT / PTTN" ist ein eigenartig fades, blutleeres Album. Es macht alles ein bisschen, aber nichts richtig. Und immer dann, wenn ein Funken Hoffnung glimmt, wird er von der uninspirierten Produktion in den Staub gestampft.
Acht der neun Songs wurden von den drei Künstlern geschrieben, einzig "The ox driver's song" basiert auf einem Traditional. Dass ausgerechnet dieser Track der mit Abstand interessanteste ist, lässt erahnen, dass die Herren vielleicht Spaß, aber kaum zündende Ideen hatten. Der Großteil des Albums suppt im Niemandsland zwischen Country, Western und Pop herum, ohne je irgendwo anzukommen. Das Absurde dabei ist, dass die Grundzutaten eigentlich stimmen: Die Avett Brothers sind talentierte Instrumentalisten und Songwriter, zudem besitzen sie volltönende, angenehme Stimmen, die wie gemacht für den nächsten Lagerfeuer-Abend sind. Und Pattons Fähigkeiten sind hinreichend bekannt.
Doch gerade der macht auf "AVTT / PTTN" keine gute Figur. Singen kann er natürlich weiterhin wie ein Gott, seine Stimme wirkt in der allumfassenden Harmonie der Arrangements jedoch oft wie ein Fremdkörper. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Opener "Dark night of my soul", ein an sich hübscher Song über das Leben und Leiden des einfachen Mannes. Doch Patton singt, als hätte er einen Germknödel verschluckt, was dem Endprodukt eine ebenso absurde wie deplatzierte Theatralik verleiht. Allgemein ist das Material erstaunlich balladesk, was an sich noch nichts Schlechtes heißen muss. Unerträglich Seifiges wie "Too awesome" oder "To be known" kann man sich aber nur geben, wenn man einen Pickup-Truck als Haustier hat.
Eines der wenigen Highlights ist "Heaven's breath", wobei der Begriff "Highlight" mit Vorsicht zu genießen ist. Der Song ist nur einen Tick weniger lahmarschig als der Rest. Dabei deuten die Herren in "Disappearing" durchaus an, dass sie zu Großem in der Lage wären, wenn sie denn wollten. Aber sie wollen nicht. Stattdessen jauchzt der Käse-Chor, während das Piano mit Bedeutung geschwängert wird. Auch das kurze musikalische Aufflackern in "Eternal love" kann nichts am verheerenden Gesamteindruck ändern. Je länger "AVTT / PTTN" läuft, desto mehr stellt sich die Frage, an wen sich dieses Album eigentlich richtet. Für Patton-Fans ist es zu glatt. Für Avett-Brothers-Liebhaber ist es zu weird. Und für alle anderen? Ist es zu schlecht.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Heaven's breath
- The ox driver's song
Tracklist
- Dark night of my soul
- To be known
- Heaven's breath
- Too awesome
- Disappearing
- Eternal love
- The ox driver's song
- The things I do
- Received
Im Forum kommentieren
fuzzmyass
2025-11-30 12:20:45
Performance bei Fallon letztens:
https://youtu.be/sLho2U5XVuU?si=oWLCzETRWYkPV3pJ
Finde live funktioniert und klingt das gut, ich würde es mir anschauen, wenn sie hier spielen würden
captain kidd
2025-11-30 09:17:02
Bringen wir es auf den Punkt. Die Stimmen harmonieren einfach nicht wirklich. Die Brothers mit ihren klaren Countrystimmen. Und Patton mit seiner ironischen Comedystimme. Ohne ihn wäre das Album deutlich stärker. Leider auch zu selten wirklich gut Songs. I and Love and You bleibt aber ein Meisterwerk von denen.
fuzzmyass
2025-11-29 03:17:59
Sehe/höre ich anders... konventionelle Matschpampe höre ich da überhaupt nicht, für mein Empfinden ist das auch kein Standard, da stecken sehr viele kleine Details auf allen Ebenen... ich kenne jedenfalls nichts vergleichbares
Christopher
2025-11-29 01:14:57
Hm. Also "schräg" finde ich da fast nix, außer vllt. 2 Tracks, die sich ein kleines Stück rauswagen. Der Rest ist doch ziemlich generischer Countrypop, nur dass halt Patton drübersingt und gelegentlich mal irgendwas fiept.
Für mich ist das insgesamt einfach zu generisch. Richtige Matschpampe, die, wenn da nicht Patton singen würde, kein Schwein interessieren würde.
fuzzmyass
2025-11-29 00:59:02
So, nun endlich in aller Ruhe angehört...
Erster Eindruck:
Einen Song finde ich grauenvoll - Too Awesome... absoluter Totalausfall...
Der Rest: sicher kein Meisterwerk und auch sicher kein großes Jahreshighlight, aber IMO doch recht weit entfernt von 4/10 oder den 2-3 anderen miesen Bewertungen... die meisten Songs sind sicher manchmal etwas schräg, aber doch recht solide bis gut, haben eine recht gute Atmosphäre und Produktion, ein Paar wirklich gute Highlights machen auch richtig Spaß - z.B. Dark night of my soul, Heaven's breath, Eternal love und The ox driver's song...
Für mich summa summarum aktuell eine 7/10... mal sehen wie sie sich entwickelt...
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