Ina Müller - 6.0
SonyVÖ: 14.11.2025
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Ina Müller mag man ja eigentlich. Vielleicht sogar sehr. Wie herrlich unverkrampft und ungekünstelt sie da seit fast 20 Jahren und inzwischen über 200 Folgen in ihrer Show "Inas Nacht" mit Prominenten klönt, schwadroniert und nicht zuletzt säuft, was in seiner Leichtigkeit in der deutschen TV-Landschaft quasi einzigartig ist. Auch das Engagement als Fördererin der plattdeutschen Sprache und Kultur ist aller Ehren wert. Ihre Studioalben jedoch sind oftmals leider sowohl musikalisch als auch vor allem textlich trotz Verwendung der hochdeutschen Sprache fast ebenso platt, wie Müllers norddeutsche Heimat. Mit "6.0" thematisiert die Köhlenerin nach "Weiblich. Ledig. 40", "48" und "55" bereits zum vierten Mal ihr Lebensalter in einem Albumtitel und zieht zumindest diesbezüglich mit Adele gleich.
Auch musikalisch geht die Tendenz zur Konstanz. Müller serviert, wie gehabt, risikoaversen Pop-Chanson, der hin und wieder auch in Richtung Schlager schielt, freilich ohne in die Niederungen des Kirmes-Beats abzurutschen. Textlich steht die Liebe in ihren verschiedensten Ausprägungen im Zentrum der Songs. Letztlich tut sie dies ja aber ohnehin meistens, denn dass Liebe alles ist, wussten auch schon Rosenstolz. Der spiegelglatte Opener "High" ist ein Sommersong fürs Formatradio, an den die Erinnerung ebenso schnell verfliegt, wie beim darin verklärten Roadtrip "die Angst auf der A2". Der Österreicher Marque hatte Anfang des Jahrtausends einen kleinen Hit mit dem Polyamorie-Ohrwurm "One to make her happy" über die Unmöglichkeit, alle Bedürfnisse mit nur einem Partner abdecken zu können. Bei Müller werden mit etwas Holzhammer-Humor gar "13 Männer" daraus, darunter unter anderem "fünf zum Feiern" und "einer mit Eiern". Nun ja.
Die Lyrics des Albums entstanden laut eines Interviews gemeinsam mit Stamm-Texter Frank Ramond bei rotweinseligen, feucht-fröhlichen Sessions auf Mallorca. Prost Mahlzeit, so wird manches klar. Der womöglich wirklich frech gemeinte, verdruckste Pennälerhumor, wenn sich "Mein neuer Freund" mit Versen wie "Es brummt bei ihm" als Sex-Toy entpuppt, würde auch dem Shanty-Chor vor dem Schellfischposten bei "Inas Nacht" den bewährten "Witzig, witzig, heute haben wir viel gelacht"-Jingle in den goldenen Kehlen stecken bleiben lassen. Aber halt, es gibt tatsächlich auch eine Handvoll richtig guter Songs auf "6.0".
Das nostalgieselige "Mixkassettentage" beschwört die Magie der ersten großen Liebe und der frühen popkulturellen Prägung und wartet sogar mit einem Gitarrensolo auf. Die beiden Streicherballaden "Gerade so, dass es reicht" und "Die Zeit" zeigen Müller von einer verletzlichen Seite jenseits der Kodderschnauze, bei der auch ihre immer leicht rauchige Stimme besonders glänzt. Ein Hauch von James Bond-Soundtrack kommt bei den John-Barry-Bläsern des tollen Eifersuchtssongs "Was willst Du von ihm" auf, während der bittersüße, akustische Closer "Dass es gut war" durch die Reduktion gewinnt. Um es mit einer Annäherung an den Müllerschen Humor zu formulieren: Mit der "6.0" fängt es an der einen oder anderen Stelle empfindlich an zu ziepen. Höhepunkte gibt es zwar noch, aber eben nicht mehr so oft. Buhaha.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Gerade so, dass es reicht
- Mixkassettentage
- Was willst du von ihm
Tracklist
- High
- 13 Männer
- Mit der stimmt doch was nicht
- Gerade so, dass es reicht
- Gestrandet
- Mein neuer Freund
- Mixkassettentage
- Robbi Müller
- Weiber-WG
- Die Zeit
- Was willst Du von ihm
- Alte Kerle
- Dass es gut war
Im Forum kommentieren
Muss man wissen
2025-11-14 11:03:13
Redet doch mal über die Musik auf dem Album
Wir warten alle darauf, dass du vorlegst.
MickHead
2025-11-14 10:00:56
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_l-dEm5Si8y6-yeY_EV2_R-YML3ZE-w9X0&si=onmXbg2n6ir-xAad
nörtz
2025-11-14 07:01:35
Redet doch mal über die Musik auf dem Album.
Muss man wissen
2025-11-14 00:21:17
Noch cleverer wäre der Versuch mit einer "6.1" gewesen, das wäre schließlich aufgerundet eine 7.
octoberswimmer
2025-11-14 00:09:15
Sehr gut, Huhnmeister! Der Rezensent hatte tatsächlich angedacht, eine Albernheit dieser Art als Aufhänger für den Text zu verwenden.
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