Agnostic Front - Echoes in eternity

Reigning Phoenix / Warner
VÖ: 07.11.2025
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Nicht kleinzukriegen

Irgendwo im Dortmunder Gerichtsviertel: Ein spärlich beleuchteter Schotterparkplatz, der mehr Schlaglöcher als Schotter zu bieten hatte. Eine benachbarte Tankstelle, bei der beim Spritverkauf die Prozentangabe wichtiger als die Oktanzahl war. Und eben jenes in die Jahre gekommene bunkerartige Gebäude, das trotz des wenig einladenden Äußeren Kultcharakter besaß. Die Rede ist vom Soundgarden, einer Legende unter den Großraumdiskotheken, auch weit über die Grenzen des Ruhrpotts hinaus. Ja, damals verwendete man das Wort Diskothek noch. Wenn dort Ende der 90er die Zeile "From the east coast to the west coast" aus den Boxen dröhnte, machte sich jeder auf drei Minuten Vollkörperkontakt gefasst. Agnostic Fronts "Gotta go" war stets fester Bestandteil des DJ-Sets und brachte Laden und Menschen in Wallung. Anno 2025 wäre "Sunday matinee" rein theoretisch ein würdiger Nachfolger. "Feel the music, we're singing it loud / Feel the music, it's moving the crowd / Feel the music, we circle around / Hear the sounds of the underground!" Da bleibt keine Kehle ruhig und niemand ruhig an der Theke stehen.

Was übrigens für alle neuen Songs der NYHC-Veteranen gilt. Vor über vierzig Jahren wurde Agnostic Front von Vinnie Stigma, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, gegründet. Sänger Roger Miret hat auch nicht mehr allzu lange bis zum Renteneintrittsalter. Mit Ruhestand & Co. haben die beiden Aushängeschilder aber scheinbar wenig am Hut, beackern stattdessen lieber mit ihren Mitstreitern Craig Silverman, Mike Gallo und Danny Lamagna die Bühnen der Welt und schmeißen mit "Echoes in eternity" Album Nummer 13 unter das pogende Volk. Man muss kein Prophet sein, um schon nach dem brachial eröffnenden "Way of war" festzuhalten, dass alles beim Alten geblieben ist und an den klassischen Qualitäten der Band festgehalten wird: Harte Riffs, galoppierende Drums, Tempowechsel und aggressives Shouting verpackt in das bewährte Crossover aus Old-School-Punk, Metal und Hardcore. Bei 15 Songs in unter einer halben Stunde gilt es, keine Zeit zu verlieren und die Arbeiterklassenärmel hochzukrempeln, so man denn überhaupt welche hat.

Miret ist nach wie vor tierisch angefressen, was bei dem weltweiten Geschehen in den letzten Jahren kein Wunder ist. Also raus damit. Während "Way of war" die Gier, falsche Politik und daraus entstehende Kriege mit sinnlosen Opfern anprangert, zeigen Agnostic Front in "Divided" eine klare Kante gegen Faschismus und die voranschreitende Spaltung der Gesellschaft. Widerstand und unbeugsamer Wille zur Gegenwehr sind seit eh und je ein Thema der New Yorker: "Turn up the volume! Let your voice be heard! / Turn up the volume! Let the tides be turned! / Turn up the volume! We'll take back control!" lässt sich mit erhobener Faust mitgrölen, wenn man denn will. Und genau das ist der Punkt: Bei all der aufgestauten Angefressenheit und Vielzahl negativer Themen verliert man irgendwann den Überblick, gegen was man gerade eigentlich noch rebellieren soll. Dann doch direkt aufs Ganze: In "Matter of life & death" fasst Miret im Duett mit Run-DMC-Legende Darryl McDaniels alles gut zusammen. Apropos Legende: Während die NYHC-Heroen in den kommenden Jahren vermutlich weiterhin ihr muskelbepacktes Ding durchziehen, musste der Soundgarden bereits Anfang der 2000er schließen und mittlerweile einem Neubaugebiet weichen, durch dessen Straßen heute nur noch selten und leise Worte wie "United we stand, divided we fall" wehen.

(Jochen Gedwien)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Matter of life & death
  • Tears for everyone
  • Sunday matinee

Tracklist

  1. Way of war
  2. You say
  3. Matter of life & death
  4. Tears for everyone
  5. Divided
  6. Sunday matinee
  7. I can't win
  8. Turn up the volume
  9. Art of silence
  10. Shots fired
  11. Hell to pay
  12. Evolution of madness
  13. Skip the trial
  14. Obey
  15. Eyes open wide
Gesamtspielzeit: 27:29 min

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Armin

2025-11-13 20:49:54- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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