Chat Pile & Hayden Pedigo - In the earth again
Computer Students / IndigoVÖ: 31.10.2025
Noise im Niemandsland
Die falscheste richtige Beschreibung für Chat Pile lautet: Heimatmusiker. Mit Hayden Pedigo treffen sie nun auch noch auf einen Gleichgesinnten: Auch er ist ein ganz spezieller Künstler, dessen Werk von seiner Region beeinflusst wird, genau genommen ist diese sogar dessen zentraler Fokus. Während Chat Pile aus Oklahoma die Welt in einem Inferno untergehen lassen, setzt Pedigo allerdings einen dieser merkwürdigen Hüte auf, nimmt die Gitarre in die Hand und widmet sich mal gezupft, mal die Saiten angeschlagen seiner texanischen Umgebung. Licht und Dunkelheit treffen hier aufeinander und genau das macht dieses Kollaborationsalbum schon auf den ersten Blick so interessant. Kann das denn funktionieren?
Neben dem filmreifen Apokalypse-Sound ihres Werkes scheint der Tag von Chat Pile mehr Stunden zu haben, als der eines normalen Menschen; jedenfalls finden sie neben ihrem Kreativprozess noch massiv Zeit, wahre menschliche Filmlexika zu sein. Sämtliche Konzertberichte drehen sich neben der Qualität der Auftritte auch darum, wie insbesondere Sänger Raygun Busch mit stadtspezifischem, cineastischen Wissen um die jeweiligen Auftrittsorte glänzt. Auf "In the earth again" ist an mehreren Stellen ersichtlich, wie diese Leidenschaft Einzug gehalten hat. Neben dem Cover, garniert mit klassischer Horrorfilm-Maske, ist beispielsweise die erste Auskopplung der Platte, "Radioactive dreams", ein schleppender Track, der auf einen gleichlautenden Film zurückgeht. Schon jene erste Single fasste dieses gemeinsame Werk perfekt zusammen. Es scheppert und schleift – für Chat-Pile-Verhältnisse recht verhalten – dazu bildet das helle Gitarrenspiel Pedigos einen melancholischen Gegenpol.
Wo Chat Pile jeher ihre Wut hinausschreien, bleibt Pedigo üblicherweise still. Sein Werk ist instrumental gehalten, schafft jedoch durch die Art des Spiels sofort stimmige Assoziationen. Jenes karge Ödland lässt sich mit wenigen Akkorden beschreiben und wenn die Natur dann doch mal wallt, dann alles andere als freundlich. So stellt sich auch der Einstieg hier dar. "Outside" basiert auf wenig, das folgende "Demon time" aalt sich auch erstmal in langsamen Tönen, zu einigen Zeilen Buschs. Eingefangen von der Walze "Never say die!", in der Chat Pile ihren typisch dystopischen Sound ausspielen, der sie zu den interessantesten Noise-Bands der letzten Jahre machte.
Dieses Wechselspiel zwischen Wüten und Warten bestimmt "In the earth again", etwa wenn auf "Fission/fusion" und dem apokalyptischen "The matador" dann das feine Gezupfe "I got my own blunt to smoke" folgt. Nicht immer ist es so säuberlich getrennt, wie zu Beginn; die Art und Weise etwa, wie das klare Spiel Pedigos in ein verzerrtes Rauschen bei "Behold a pale horse" fließt, gehört mit zu den Highlights der Platte. Deren Abschluss zeigt Chat Pile, beziehungsweise Raygun Busch, von besonderer Seite, die eben auch nur hier stattfinden kann: Reduziert bis auf das Nötigste in traurigster Natur eines Alt-Country-Songs steht er da, adressiert diesen Song einem verstorbenen Freund.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Never say die!
- Behold a pale horse
- The Matador
Tracklist
- Outside
- Demon time
- Never say die!
- Behold a pale horse
- Magic of the world
- Fission/fusion
- The matador
- I've got my own blunt to smoke
- Radioactive dreams
- Inside
- A tear for Lucas
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Armin
2025-11-13 20:51:09- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
headup
2025-10-31 11:12:13
Jau...habe ich wunderbar ausgedrückt und auch noch gekonnt geschrieben;)))
Klaus
2025-10-31 11:10:07
"eher zum "sich drin zu verlieren"..."
Muss noch suchen, dann kommt die Rezi ;)
headup
2025-10-31 11:09:02
Seh ich ähnlich wie fakeboy.
Schönes Ding, düstere Atmosphäre, ohne richtige Songs oder gar Hits....eher zum "sich drin zu verlieren"...gefällt mir gut.
fakeboy
2025-10-31 09:47:52
A Tear For Lucas ist ein fantastischer letzter Song
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- Chat Pile & Hayden Pedigo - In the earth again (17 Beiträge / Letzter am 13.11.2025 - 20:51 Uhr)
