Mobb Deep - Infinite

HClass / Infamous / Mass Appeal
VÖ: 10.10.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

'Cause ain't no such things as halfway crooks

Bis heute gibt es kaum eine New Yorker Rap-Crew, die den Untergrund und Gangsta-Rap allgemein so prägte wie Mobb Deep. Selbst wer mit dem Namen nichts verbindet, dürfte irgendwann schon mal zumindest Ausschnitte von "Shook ones, part II" aus dem Jahr 1995 gehört haben. Seit diesem Song sind Jahrzehnte vergangen, das Duo produzierte weiterhin Alben oder steuerte ikonische Gastbeiträge für beispielsweise Bounty Killer oder 50 Cent bei und gehörte sogar ein paar Jahre zu dessen G-Unit. Den einen großen oder nennenswerten kommerziellen Durchbruch gab es aber nie, auch nicht, als sich Kejuan "Havoc" Muchita und Albert "Prodigy" Johnson jeweils irgendwann als Solo-Artists ausprobierten. Nach einer Haftstrafe für Prodigy, öffentlichem Beef zwischen den Kindheitsfreunden inklusive Trennungsgerüchten sowie einem mäßigen Comeback mit dem "The infamous Mobb Deep"-Doppelalbum von 2014 endete die gemeinsame Zeit nur drei Jahre später tragisch: Wegen einer Sichelzellenanämie wurde Prodigy im Krankenhaus behandelt und erlitt dort nach einem Erstickungsunfall beim Essen den Tod. Nun gibt es mit "Infinite" recht überraschend ein neuntes Album, angekündigt von The Alchemist, veröffentlicht über Nas' Label Mass Appeal und mit bisher unveröffentlichtem Material, das angenehm clean klingt.

Als erste posthume Veröffentlichung von Mobb Deep ist "Infinite" naturgemäß ein heikles Unterfangen, und doch ein überraschend gelungenes Projekt. Mag es auch pathetisch klingen, aber allein ein wahrscheinlich letztes Mal Prodigy und Havoc Seite an Seite hören zu dürfen, verleiht dieser Platte etwas Erhabenes. Es ist ein Gefühl von Vertrautheit, das sich vor allem in den ruhigeren Momenten breitmacht – wenn die alten Mechanismen wieder ineinandergreifen, ohne sich aufzudrängen. "Easy bruh" kommt so schön staubtrocken, minimalistisch, fast schon asketisch, und trotzdem so präzise gebaut, dass er nach 20 Sekunden genau da ist, wo ein Mobb-Deep-Song sein muss. Havocs Stimme kratzt in den richtigen Momenten, die Drums sind abgemischt, das ist einfach mehr als Nostalgie, das ist Handwerk. Dann "Down for you" mit Nas und Jorja Smith, sie schwebt mit dieser fast zu schönen Hook über den Beat, während man Nas und Havoc die Erinnerungen anhören kann. Die wunderbare Produktion von The Alchemist schiebt diese Bässe so weich nach vorn, dass man vergisst, wie traurig das alles eigentlich ist. "See you on the other side", heißt es im Ende des Intros mit Echo, diese Zeile bleibt im Verlauf der Platte am stärksten hängen.

Heißt aber nicht, dass hier Trauerstimmung herrscht. "Infinite" klingt mal hart, mal smooth und gelegentlich sogar heiter. So wie "Clear black nights", in dem mit Raekwon und Ghostface Killah die East-Coast-Reunion perfekt und aus irgendeinem Grund ein Schmunzler für die deutschen Fans eingebaut ist: "That's how we livin', like I'm fresh from a thousand nights / In that prison box, hot pot, five minute rice / And I'm Germany, baitin', baitin', tossin' the dice" – das "baitin', baitin'" dabei ausgesprochen wie Baden-Baden. Wie Prodigy wohl darauf gekommen ist? Weil es nach Wellness-Stadt klingt und so schön flüssig ins Reimschema passt? Von den Solo-Tracks überzeugt zudem "Discontinued" als einer der roheren Momente, der an die stärksten Zeiten erinnert. Braucht kaum Melodie, die Produktion hält sich dezent, die Wucht kommt von Stimmen und Flows.

Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass das hier kein kompaktes, knackiges Werk sein kann – sondern eher eine Kollaboration zwischen Havoc und The Alchemist, bei der viel richtig gemacht wurde und die Nostalgie das Herz der Fans erwärmt. Den Nachlass von bedeutenden Rappern würdevoll zu verwalten ist eine Kunst, an der verblüffend viele scheitern, das ist hier zum Glück nicht passiert. An manchen Stellen merkt man, dass dieser Spirit nicht vollständig rekonstruierbar ist und selbst wenn, bereits vor Prodigys Tod Risse vorhanden waren. Mobb Deep jedoch waren und sind nicht weniger als Legenden des Gangsta-Raps, deren musikalische Legacy hier erstmals eine Art versöhnliches Ende findet.

(Maximilian Baran)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Easy bruh
  • Down for you (feat. Nas & Jorja Smith)
  • Clear black nights (feat. Raekwon & Ghostface Killah)
  • Discontinued

Tracklist

  1. Against the world
  2. Gunfire
  3. Easy bruh
  4. Look at me (feat. Clipse)
  5. The M. the O. the B. the B. (feat. Big Noyd)
  6. Down for you (feat. Nas & Jorja Smith)
  7. Taj Mahal
  8. Mr Magik
  9. Score points
  10. My era
  11. Pour the Henny (feat. Nas)
  12. Clear black nights (feat. Raekwon & Ghostface Killah)
  13. Discontinued
  14. Love the way (down for you pt2) (feat. Nas & H.E.R.)
  15. We the real thing
Gesamtspielzeit: 51:46 min

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Armin

2025-11-05 21:00:24- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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