Grateful Cat - Ready to go anywhere
WaterfallVÖ: 17.10.2025
Die Schmunzelkatzen
Katzen, dankbar? Das allein ist ein Paradoxon für alle, die je einen Stubentiger besessen oder sich zumindest Katzen-Content auf Social Media zu Gemüte geführt haben. Doch ebenso wie diese Videoschnipsel oftmals zum Schmunzeln einladen, tut dies nicht nur der Bandname mit der augenzwinkernden Anspielung auf Jerry Garcias psychedelische Hippies von Grateful Dead, sondern auch der gesamte Sound des Berliner Duos. Grateful Cat, das sind Gwendolin Tägert und Frank Memmler alias Franky Fuzz, und die beiden produzieren feinsten Indie-Schrammelpop mit hörbarer Liebe zu 60er-Folk, Twee, Retro-Powerpop und viel mehrstimmigem Gesang. Auf ihrem leichtfüßigen zweiten Album "Ready to go anywhere" werden Gitarren, Bass und Perkussion handwerklich unprätentiös und fast spielerisch eingesetzt; die Musik lebt von den Stimmen, den Harmonien und den kleinen, charmanten Details. Wortwitz und feine Alltagsbeobachtungen tragen die Songs, nicht virtuoses Können – und genau das macht den Reiz aus.
"Hey, food delivery guy" ist ebenso wie der Albumtitel eine Reminiszenz an Bob Dylans "Mr. Tambourine Man", doch anstatt des Wunsches nach einem Lied ist der dem Songtitel folgende Imperativ angesichts der modernen Lieferservicekultur von existenzieller Natur: "Don't run me over / Cause I don't want to die because some lazy guy is hungry." In fast klassischem Merseysound beleuchtet "Another team bride" die Flut von Junggesell(inn)enabschieden in Metropolen wie Liverpool augenzwinkernd, aber niemals zynisch. "Slow moving crowds" ist eine besser gelaunte Surfpop-Variation von Tocotronics Song gewordenem Frustschrei "Gehen die Leute" über den Alltagsärger allzu entspannt bummelnder Passant*innen. Und auch wenn es thematisch herbstlich wird, wie im apokalyptischen Opener "When our world disappears" oder in "Sommer's gone, it's over", mischt sich in den Sound höchstens ein Hauch melancholischer Schwere, wie in die Stimmung an einem sonnig-goldenen Oktobertag.
Zwischendurch überrascht "Don't spread the hate" als schräger Bossa Nova, bei dem Belle & Sebastian auf "Herr Rossi sucht das Glück" trifft. Im Albumkontext fast schon rockend spielt "Full moon day" zwar mit der Werwolf-Thematik, verbleibt dann aber lieber doch im Kuschelmodus: "Please don't bite / when we make out tonight." Trotz aller Charmeoffensive muss konstatiert werden, dass "Ready to go anywhere" die Musikgeschichte freilich nicht umkrempeln wird. Die starke Konzentration auf folkpoppige Gemütlichkeit, fast ohne Ausreißer aus dem warmen, aber abgesteckten Sound, straft den Albumtitel zumindest musikalisch Lügen. Doch irgendwie macht eben die Bodenständigkeit dieser am Kreuzberger Küchentisch aufgenommenen, retroinfizierten Musik auch ihren Reiz aus: Sie wirkt wie ein sanftes Lächeln in hektischen Zeiten, im besten Sinne ehrlich und einfach entwaffnend schmunzelig.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Hey, food delivery guy
- Slow moving crowds
- Full moon baby
Tracklist
- When our world disappears
- Hey, food delivery guy
- Another team bride
- Jesus on her toast
- Summer's gone, it's over
- Don't spread the hate
- Bartender at a comedy club
- Slow moving crowds
- Columbo
- Full moon baby
- I'm not coming in on a Sunday
- Under the cat
Im Forum kommentieren
Telecaster
2025-12-24 09:58:02
Ähnlich gut wie das erste Album. Ursympathische Leute zudem, und eine spaßige Live-Band.
Unangemeldeter
2025-10-30 20:08:04
Öh, was? Ich hab mir die nur wegen des großartigen Bandnamens auf die Zu-hören-Liste gesetzt. (-:
joseon
2025-10-30 18:42:27
File under: Bands, die ihr nur aufgrund des blöden Bandnamens nicht hört
Vive
2025-10-30 17:22:29
gefällt mir gut!
Armin
2025-10-29 21:42:51- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Grateful Cat - Ready to go anywhere (5 Beiträge / Letzter am 24.12.2025 - 09:58 Uhr)
