Of Monsters And Men - All is love and pain in the mouse parade

Skarkali / Virgin
VÖ: 17.10.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Hab Dich wieder!

Und wie sie Verstecken spielten! Nach ihrem aufsehenerregenden, weltweit die Charts und Radiostationen stürmenden Debüt "My head is an animal" mit einer selten erlebten Dichte an Lieblingsliedern haben sich Of Monsters And Men bei ihrem Zweitwerk "Beneath the skin" in stilistisch tiefere Gefilde zurückgezogen, um mehr zu sein, als eine Everybody's-Darling-Band. Bei Fans und Kritik wurde das durchaus honoriert, aber nicht unbedingt bejubelt. Das 2019 veröffentlichte "Fever dream" war dann der Versuch, die eigene Komfortzone zu verlassen und dabei die ein Stück weit verloren gegangene Gewogenheit der Masse zurückzuerlangen. Der Erfolg war vergleichsweise überschaubar, nicht zuletzt, weil der Band ein Verlust an Identität attestiert wurde. Es stellen sich also folgende Fragen: Sind Of Monsters And Men überhaupt noch dazu in der Lage, jemals wieder die berauschenden Höhen ihres Debüts zu erreichen? Oder sind sie zu einem dem langsamen Vergessen anheimfallenden Dasein im mittelprächtigen Pop-Einerlei verdammt? Bis auf Weiteres beantwortet Album Nummer vier die letzte Frage mit einem klaren "Nein". Und die erste mit einem entschiedenen "Nicht ganz".

Schon der assoziationsfreudige Titel weist darauf hin, dass wiedergefunden wurde, was zwischenzeitlich verloren ging: Charakter, Ursprünglichkeit und Spieltrieb. Und große, hymnenhafte Melodien. Die, ohne dabei in Verdacht zu geraten, unbedingt den nächsten Megahit erschaffen zu wollen, in einige neue Lieblingslieder gegossen wurden. Wie bereits der Opener und erste Single "Television love" eines ist, wenn nach verhaltenem Beginn der wundervolle Refrain in der zweiten Hälfte weltumarmend auf einer breiten Klangfläche verhallt, die man nicht mehr verlassen möchte. Oder die zweite Single "Ordinary creature", die auf diesem Album nicht zum einzigen Mal die Vibes von Arcade Fires "The suburbs" atmet. Auch Songs wie "Dream team", "The actor" und besonders "Kamikaze" sind ungeachtet ihrer relativ vorhersehbaren Melodieführung sehr sympathische Titel, verblassen allerdings vor dem frühen Höhepunkt, den die Platte schon mit "Tuna in a can" erreicht. Ein großartiges Stück, dem eigentlich beste Chancen eingeräumt werden müssten, "Little talks" in Sachen Airplay zu beerben.

Allerdings: Trotz tierischer Metaphorik und geglückter Rückbesinnung auf die Anfänge fehlt dem Album weitgehend die zuweilen kindlich wirkende Unbeschwertheit der ersten Tage. Das Baumhaus ist gewissermaßen verwittert. Kein Wunder, schließlich waren Nanna Hilmarsdóttir & Co. gerade mal Anfang 20, als sie die Welt eroberten. Vierzehn Jahre später haben auch sie mitunter schwer am Erwachsenwerden zu tragen, sehen die Zukunft immer kleiner und die Vergangenheit immer größer werden. Umso wichtiger wird die tröstende Realitätsflucht ins Vertraute – in die Mitte liebgewonnener Weggefährten, in die Grenzen heimischer Orte. Die Tonalität wirkt oft entsprechend gesetzt, was manchen Songs vordergründige Qualitäten nimmt, aber nachhaltige Wirkung hinzufügt. "The towering skyscraper at the end of the road" und "Styrofoam cathedral" etwa schleichen sich zunächst eher unbemerkt ins Gehör, setzen sich dort aber umso hartnäckiger fest. Und auf keinen Moment in "Fruit bat" möchte trotz seiner für Bandverhältnisse rekordverdächtig langen Spieldauer verzichtet werden.

Länge ist bei "All is love and pain in the mouse parade" aber dennoch ein Problem. Denn obwohl sie sich diesmal nicht nur vier, sondern ganze sechs Jahre Zeit für ein neues Album ließen, wünscht man sich, die Isländer hätten den Mut zu Kürzungen gehabt. Der erkennbare Wille, an "My head is an animal" anzuknüpfen, bezog sich offenbar auch auf die Gesamtspielzeit (die um genau zehn Sekunden abweicht), hätte sich in diesem Punkt aber besser ein Beispiel am nur 40-minütigen "Fever dream" genommen. Neben der manierlichen Fingerübung "Barefoot in snow" häufen sich nämlich vor allem gegen Ende Nummern, die auch nach noch so vielen Durchläufen nicht so recht in die Gänge kommen. So fehlt es einem "The block" trotz zunächst ansprechenden Pianogeplänkels eindeutig an Pep. Und auch der Quasi-Titeltrack "Mouse parade" wird in erster Linie Leute ansprechen, die es mögen, wenn in Liedern nicht viel passiert. Dagegen wirkt das abschließende "The end" mit seiner wohligen Akustikgitarre und scheu vorgetragenem Gesang zwar geradezu mitreißend, kann aber nicht mehr verhindern, dass der Gesamteindruck leidet. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau, denn das vierte Album landet trotzdem auf dem zweiten Platz der Diskographie hinter dem hier mit 9/10 bewerteten Debüt. Es ist für Of Monsters And Men somit zwar eine erfreuliche Rückkehr zu alter Form und gerade für Fans der ersten Stunde ein buchstäblich (wieder-)gefundenes Fressen, aber ein nennenswerter Teil ihres Potenzials hält sich weiterhin gut versteckt.

(André Schuder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Television love
  • Tuna in a can
  • Kamikaze
  • Ordinary creature

Tracklist

  1. Television love
  2. Dream team
  3. The actor
  4. Tuna in a can
  5. Barefoot in snow
  6. Fruit bat
  7. Kamikaze
  8. The towering skyscraper at the end of the road
  9. Ordinary creature
  10. Styrofoam cathedral
  11. The block
  12. Mouse parade
  13. The end
Gesamtspielzeit: 53:37 min

Im Forum kommentieren

Nummer Neun

2025-11-12 21:43:32

Je häufiger ich das Album höre, um so mehr ärgere ich mich, dass ich mich nicht rechzeitig um ein Konzertticket für München gekümmert habe. Und jetzt ist die Sause ausverkauft.

Hierkannmanparken

2025-10-27 19:24:15

Television Love ist der schönste National-Song, der nicht von The National ist, seit The Iron Lung Quintet - All the While.

bender

2025-10-26 15:08:36

Fruit Bat ist tatsächlich grossartig!

keenan

2025-10-24 13:54:26

für mich platte des jahres.

auch wenn ich wie in der rezi die letzten 3 tracks als schwächer sehe und die platte perfekt mit Styrofoam cathedral geendet hätte.

wie man "fruit bat", einen der songs des jahres! aber nur in einem satz bzgl. der laufzeit erwähnen kann, lässt sich wohl nur so erklären, dass dieser gar nicht gehört wurde. denn diesen nicht als highlight zu nennen, ist schon eine frechheit ;-)

hier mal die liveversionen, wer hier nicht emotional umgehauen wird, der ist wohl innerlich tot :-D

https://www.youtube.com/watch?v=rXC6x7A2gXw

MickHead

2025-10-17 09:55:06

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_m9X5VQQr0UMwog6Fa0IqpjsAfBxLFseZI&si=d1K4HgXp1pQapzTp

Rolling Stone 3.5/5

https://www.rollingstone.de/reviews/of-monsters-and-men-all-is-love-and-pain-in-the-mouse-parade/

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