Glenn Hughes - Chosen

Frontiers / Soulfood
VÖ: 05.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Im Reinen

Deep Purple. The Dead Daisies. Black Country Communion. Gary Moore. Tony Iommi. Die Liste der Bands und Musiker, mit denen Glenn Hughes im Laufe seiner Karriere zusammengearbeitet hat, liest sich wie ein Who's Who des Hardrock. Und wenn dem mittlerweile 74 Jahre alten Sänger und Bassisten einmal der Sinn nach etwas komplett anderem steht, dann darf es auch einmal eine Kollaboration mit Robbie Williams sein, so geschehen mit der unlängst veröffentlichten Single "Rockets". Nur solo hat sich der Brite in letzter Zeit rar gemacht, sein letztes Album "Resonate" erschien bereits 2016. Ein Zeichen des Ruhestands ist das allerdings noch lange nicht – zwar hat Hughes in einem Interview verkündet, das neue Album "Chosen" könne seine letzte Rock-Platte als Solokünstler sein, doch der Blick auf die Reiseroute der aktuellen Tour weist entspannte 36 Stationen binnen drei Monaten in Europa und Südamerika auf. Was man im Rentenalter nun mal so macht ...

Ganz und gar nicht im Rentenalter angekommen ist allerdings sein wichtigstes Markenzeichen – seine Stimme. Wenn man "The voice of rock" genannt wird, muss dieses Asset gehegt und gepflegt werden. Und das hat Glenn Hughes ganz offensichtlich sehr nachhaltig getan, denn von Alterserscheinungen ist auf "Chosen" keine Spur zu hören. Der Opener "Voice in my head" besticht zunächst durch feinen Bass-Groove, bis Hughes das erste Mal so richtig auf Touren kommt. Und was beim Opener schon gut klappt, funktioniert beim folgenden "My alibi" gleich noch viel besser. Denn Gitarrist Søren Andersen hat offensichtlich in der letzten Zeit sehr gut bei Audioslave und insbesondere Tom Morello zugehört, nimmt dessen Groove kongenial auf und lässt lediglich die Sperenzien mit den elektronischen Effekten beiseite.

Der Titelsong greift dann ganz tief in die Erinnerungskiste. Hughes wirft auf diesem Album eher dosiert mit Erinnerungen an die Zeit bei Deep Purple um sich, doch hier klingt es stellenweise, als würde er sich wieder die Bälle mit David Coverdale zuspielen, mit dem er in der Mark-III-Phase an Alben wie "Burn" beteiligt war. Doch ein begeisternder Refrain hebt den Song zurück in die Neuzeit, und wenn man denn schon beim Mitsingen ist, ergeben selbst die Ohoho-Strophen bei "Heal" einen Sinn. "In the golden" beginnt hingegen balladesk, rastet zum Schluss allerdings komplett aus und bildet mit "The lost parade" ein Doppel an der Grenze zum Alternative Rock, lässt vielleicht gar ein kleines bisschen Alice In Chains vermuten – wer sagt denn, dass man im Alter nicht mehr experimentierfreudig sein darf?

Insofern ist es völlig okay, wenn gegen Ende nicht jede Idee ein ähnlicher Volltreffer wie die Anfangsphase wird. "Hot damn thing" grüßt zu Beginn ein wenig in Richtung AC/DC, bleibt dann aber "nur" solide, und bei "Black cat moan" muss man zwar nicht gequält aufstöhnen, darf jedoch angesichts der sonstigen Klasse des Albums ein bisschen mehr erwarten als ein paar kleine Funk-Einsprengsel. "Chosen" ist zwar keine Sammlung von Hits, will es auch überhaupt nicht sein, sondern zeigt einen mehr als nur in Würde gealterten Künstler, der mit sich komplett im Reinen ist. Der aber sowohl wie bei "Come and go" breit grinsend die Beatles zitieren als auch in seligen Deep-Purple-Grooves schwelgen kann. Wenn diese Platte tatsächlich wie eingangs erwähnt die letzte Solo-Rock-Platte von Glenn Hughes ist, dann geht der Brite mit einem mächtigen Ausrufezeichen in Altersteilzeit.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • My alibi
  • Heal
  • In the golden

Tracklist

  1. Voice in my head
  2. My alibi
  3. Chosen
  4. Heal
  5. In the golden
  6. The lost parade
  7. Hot damn thing
  8. Black cat moan
  9. Come and go
  10. Into the fade
Gesamtspielzeit: 50:49 min

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Armin

2025-10-01 20:39:58- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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