Twenty One Pilots - Breach
Fueled By Ramen / WarnerVÖ: 12.09.2025
Und jährlich grüßt die Dystopie
Und noch 'ne Runde! Spielt denselben Song noch mal! Oder in Britneys Worten: Gimme, gimme more! Twenty One Pilots haben weiterhin nicht vor, ihr "Clancy"-Franchise zu Grabe zu tragen und endlich in Frieden ruhen zu lassen. Dabei wurde bereits das letztjährige Album zuerst als Schwanengesang angekündigt und trug daher sogar den Namen der Hauptfigur ihrer mittlerweile fünf Alben umspannenden (Meta-)Narrative aus der Stadt Dema. Mit "Breach", dem diesmal wirklich allerletzten Kapitel, haben Tyler Joseph und Josh Dun inzwischen gefühlt mehr Lore angehäuft als alle 1160 "One piece"-Kapitel, Tolkiens gesammelte Mittelerde-Zyklen und Billy Corgans letzte zwölf angebrochene The-Smashing-Pumpkins-Arcs zusammen. Musikalisch betrachtet machen die Scorpions des Stadion-Pop auf Album Nummer acht währenddessen nichts groß anders – wenn man davon absieht, dass diesmal wieder ein bisschen mehr in Richtung von bouncendem, aber gleichzeitig atmosphärischem Hip-Hop gearbeitet wird. Die richtig guten Songs fehlen in diesem Abschnitt leider. Bei dem Mega-Output auch irgendwie kein Wunder.
Zwischen Autotune und allerlei Elektro-Spielereien ist die Single "The contract" zunächst gewöhnungsbedürftig, dann jedoch schält sich die im Vergleich zu vielen anderen Songs äußerst eingängige Melodie deutlich heraus. Dagegen ist die Pop-Punk-Hook von "City walls" zwar nicht unbedingt öde, aber relativ generisch, ebenso wie die versiert vorgetragenen Rap-Verse – auch wenn die Band sich um ein episches Finale bemüht. Am Ideenreichtum mangelt es den US-Amerikanern nach wie vor nicht. Aber ob es die überdrehten Shouts im zunächst melancholischen The-Streets-Imitat "Rawfear" tatsächlich gebraucht hätte? Die verschiedenen Parts von "Robot voices", die sich fröhlich um den netten Refrain versammeln, aber nie ein rundes Ganzes ergeben? Oder die funky Prince-Anwandlungen in "One way"? "Drum show" packt sogar eine kinderfreundliche E-Gitarre aus und klingt wie eine Linkin-Park-B-Seite – mit Joseph als Mike Shinoda und Chester Bennington in Personalunion. Get your screaming pants on! Mit "Tally" überführen Twenty One Pilots denselben Ansatz später in Richtung "Burn it down"-Großraumdisko. Ein stringenteres Songwriting könnte helfen, das Chaos zu ordnen.
Denn sein Sammelsurium an Ideen bricht "Breach" schlussendlich ein wenig das Genick. "Center mass" sitzt solange fest im Hip-Hop-Sattel, bis sein Rock-Abgang den Song zu Boden wirft. Eine schläfrige Ballade wie "Cottonwood" geht in Ordnung, ist aber eben nicht allzu aufregend – genauso wie "Days lie dormant" mit funkelndem Pop-Rock und kleinen New-Wave-Anwandlungen. Einzig "Downstairs" überzeugt noch mal so richtig – hier dreht vor allem Joseph am Gesang auf, der Song pendelt dabei zwischen Ballade und High-Energy-Rock. Nichts an "Breach" ist wirklich misslungen, es passiert unglaublich viel, das Album lässt zudem vermehrt Rückgriffe auf die ganz alten LPs des Duos zu. Auch Josephs Vocals und insbesondere Duns sehr lebendiges Drumming, das immer wieder zum elektronisch unterstützten Breakbeat mutiert, sind weiterhin astrein. Gerade mit den größten Pop-Momenten von "Clancy" wie etwa "Paladin strait" kann "Breach" aber nicht mithalten. Es scheint durchaus langsam an der Zeit, den Abenteuern von Clancy endgültig Lebewohl zu sagen. Wobei damit nicht ausgeschlossen ist, dass in zwei Jahren dann das Legacy-Sequel, ein kompletter Reboot oder die Serien-Adaption auf HBO kommen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- The contract
- Downstairs
Tracklist
- City walls
- Rawfear
- Drum show
- Garbage
- The contract
- Downstairs
- Robot voices
- Center mass
- Cottonwood
- One way
- Days lie dormant
- Tally
- Intentions
Im Forum kommentieren
michael_s
2025-09-26 06:28:59
Oh eine Rezension, oh schlecht, ach Ralf Hoff... ja gut...
Ich weiß auf jeden Fall, dass ich Rezensionen von Ralf Hoff was Alternative Rock betrifft kritisch hinterfragen muss.
https://www.albumoftheyear.org/album/1325268-twenty-one-pilots-breach.php
Armin
2025-09-24 21:06:51- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
MickHead
2025-08-18 21:28:05
2. Song "Drum Show"
https://youtu.be/5dA094oAy-g?si=L8edIcgUyoKfGu0l
Ralph mit F
2025-07-17 12:54:23
"The contract" hat eine nette Hook. Gibt mir in dieser gewollten Artsyness auch gewisse "A thousand suns"-Vibes.
MickHead
2025-07-17 11:53:49
Mein Ding ist es nicht!
Release am 12.09.
Tracklist:
1. City Walls
2. RAWFEAR
3. Drum Show
4. Garbage
5. The Contract
6. Downstairs
7. Robot Voices
8. Center Mass
9. Cottonwood
10. One Way
11. Days Lie Dormant
12. Tally
13. Intentions
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