Die Spitz - Something to consume

Third Man / Membran
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Dem Hund geht's gut

In einer selbst vielen Serienlaien bekannten Episode der Simpsons ist ein Tattoo zentrales Element. "Die Bart, die" steht aber nicht etwa für eine böse Verwünschung. Nein, vielmehr sei es bloß die banale deutsche Leseweise des Schriftzugs, welche sich ein gewisser Bob auf die Brust hat verewigen lassen – das behauptet er zumindest, um straffrei davonzukommen. Ähnlich geht nun auch ein Quartett aus Austin zu Werke. Hier geht es nicht etwa einem Hund an den Kragen, sondern der Name Die Spitz stellt angeblich ebenfalls eine etwas wilde, leicht irreführende Referenz an die deutsche Sprache dar. Zunächst auf eine falsche Fährte führt auch der Opener des Debütalbums der vier Frauen. "Pop punk anthem (Sorry for the delay)" hält zwar, was es verspricht, steht aber sinnbildlich gar nicht so sehr für das, was sie seit 2022 fabrizieren.

"Something to consume" beinhaltet elf Tracks, alle brandneu, alle frisch, versprüht Energie aus jeder Pore – und verweist doch auf eine Zeit, die schon vergangen schien: Die 1990er sind wieder da! Die Spitz, beim Erscheinen des Albums Anfang 20, haben sich tief eingearbeitet und ihre Vorbilder studiert: Nirvana, Pixies, Hole, L7, Mudhoney. Grunge. Passend dazu erscheint die Platte beim Retro-Bewahrer Jack White auf dessen Label Third Man Records – noch dazu mit einem fantastischen Artwork. Im Idealfall verschwimmt das, was auf und vor der Bühne passiert, zu einer Masse, alles fließt, bewegt sich ineinander. Schnell ist klar: Diese elf Tracks müssen live überragend sein. Die Gitarrenwände von "Voir dire" zum Beispiel können sich schon hören lassen. Was jedoch mit "Throw yourself to the sword" abgefeuert wird, ist eine ganz eigene Liga. Zu harten Metalriffs werden den Hörer*innen hier Lyrics entgegengespuckt, mit denen die vier Musikerinnen zeigen, dass Grunge die Symbiose aus Punk und Metal ist. Auf dieser Schiene fährt auch "American porn" weiter. Der Song ist dazu noch recht catchy – man erwischt sich dabei, den Refrain irgendwie mitzusingen, obwohl es ob des Titels vielleicht sinnvoll wäre, mal eine Sekunde über die Lyrics nachzudenken.

Vielleicht wäre "Hit an Hit" ein besserer Titel als "Something to consume", denn auch "Sound to no one" ist ein solcher, wenngleich komplett gegensätzlich zu den vorherigen. Krachig zwar, klar, aber auch entrückt balladesk – versteckt hinter einer großen Wand aus Hall. In der Folge nehmen Die Spitz das Tempo erst mal kurz raus. "Go get dressed" verharrt als neblige Flüstergeschichte, ehe "Red40" in zwei Minuten die wohl offensichtlichste Nirvana-Referenz des Quartetts darstellt. "Riding with my girls" bringt den Punk zurück – und den lassen Die Spitz auch bis "Down on it" nicht mehr los. "A strange moon/Selenophilia" schlägt final eine Brücke zu Gitarren-Acts der 2020er-Jahre; dieser Track würde auch Wolf Alice gut zu Gesicht stehen. Aber er beschließt ein sehr spannendes, intensives Newcomer-Album, bei dem gilt: Klappe zu, alle am Leben.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Throw yourself to the sword
  • American porn
  • Sound to no one

Tracklist

  1. Pop punk anthem (Sorry for the delay)
  2. Voir dire
  3. Throw yourself to the sword
  4. American porn
  5. Sound to no one
  6. Go get dressed
  7. Red40
  8. Riding with my girls
  9. Punishers
  10. Down on it
  11. A strange moon/Selenophilia
Gesamtspielzeit: 34:12 min

Im Forum kommentieren

diggo

2025-12-30 21:26:34

leider erst sehr spät entdeckt, hätte es sonst wohl in meine jahrespoll-top5 geschafft. richtiges brett. tolle platte. grossartige songs. hoffe, ich darf die band irgendwann mal live erleben.

Klaus

2025-11-14 22:11:32

Berlin jetzt auch am Start, kleiner Eventimgutschein sei dank für 25 €.

tjsifi

2025-11-03 16:30:18

@fuzzmyass: Danke, sehr geil!

fuzzmyass

2025-10-31 19:50:46

Full KEXP Live Performance:

https://youtu.be/LBuwjdY9GRI?si=9cCqPcspJztc7TsO

fuzzmyass

2025-10-15 11:12:06

*Wohltat

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