Bask - The turning
Season Of Mist / CargoVÖ: 22.08.2025
Fast wie von selbst
Schnellebigkeit ist ein schönes Wort. Es suggeriert, dass Leben in unterschiedlichen Geschwindigkeiten stattfinden kann. Wie man dieses Tempo messen kann, steht zur Diskussion. Ist es die Menge an Ereignissen in einer definierten Zeitspanne? Oder ist es die Zeit, die zwischen als relevant empfundenen Wahrnehmungen vergeht? Fragen, die sich in einer Rezension nicht beantworten lassen. Doch es gibt einen Grund, weshalb sie hier gestellt werden: Musik kann gleichzeitig einen Moment einfangen und zeitlos sein. Sie überdauert den Augenblick, in dem sie gehört wird. Als Erinnerung an ein Gefühl, als Partikel im Geflecht der Persönlichkeit. In der Auseinandersetzung mit dem Ästhetischen liegt immer auch das Ringen mit der Vergänglichkeit. Obwohl wir es geschafft haben, Musik in einer unveränderlichen Form zu konservieren, ist sie letzten Endes eine Kunstform des Augenblicks. Wobei das Auge hier eigentlich überhaupt keine Rolle spielt, aber Sprache unterliegt da wahrscheinlich biologischen Sachzwängen. All diese Gedanken stehen hier, weil Bask "The turning" aufgenommen haben. Ein Album, das sich gekonnt der Schubladenbehandlung entzieht. Ein Album, das nachdenklich stimmt, weil es wirkt, als hätte es schon immer existiert. Als hätte es schon immer existieren müssen.
Und so schließt sich der Kreis: Bask machen Musik, die vielleicht an andere Bands erinnert, aber in Songwriting, Produktion und Gestus von einer betörend klaren Vision geprägt ist. Die Künstler aus North Carolina verbinden Elemente aus Post- und Stoner-Rock mit Elementen aus der Americana-Tradition, wobei sie keine Angst vor komplexen Songstrukturen haben. Hierbei sind es vor allem die umwerfenden Melodien, die sich schon beim ersten Hören festbeißen. Hauptverantwortlich dafür ist Sänger Zeb Camp, dessen klare Stimme perfekt zur psychedelischen Begleitung passt. Bask haben keine Angst vor Dur-Akkorden, weshalb vor allem die Refrains wiederholt an das Schaffen von Steven Wilson erinnern, der bekanntlich auch ein Fan der weltumarmenden Melodie ist. Gleichzeitig stehen Bask mit beiden Beinen in der Tradition des Prog-Rock der 70er, sodass sich auch zahlreiche Tempowechsel und Gitarrensoli auf dem Album tummeln.
Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, sollte sich zuallererst "In the heat of the dying sun" zu Gemüte führen. In knapp fünf Minuten vereint die Band hier all ihre Stärken: Schwebende Harmonien, mächtige Riffs, famoser Gesang. Unter der Oberfläche lugen an Country und Western erinnernde Sprengsel hervor, sie werden jedoch ganz bewusst unter meterdicken Schichten aus Krach begraben. In diesem Kontrast liegt auch der große Reiz der Musik von Bask: Was anfangs fast ein bisschen generisch wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als wahnsinnig ausgefuchst. Die Band braucht wenig Anlauf, um in den Bann zu ziehen. Zudem besitzt das Album einen präzise definierten Spannungsbogen, der glücklicherweise nie überspannt wird. Stattdessen gönnen sich Bask genau zu den richtigen Zeitpunkten kleine Pausen, die in der Regel mit wunderschönen Ambient-Sounds gefüllt werden.
Das Kerngeschäft bleibt aber der Rock'n'Roll. Und aus diesem Grund sind Songs wie "The traveler" und "Long lost light" auch so gut. Es ist schlicht schön, dass es noch Bands gibt, die wissen, wie man einen Rocksong schreibt. Sogar einen kleinen Hit haben Bask parat: "Dig my heels" besitzt einen äußerst eingängigen Chorus, der anfangs deplatziert wirkt, aber im Zusammenhang mit der ausufernden, melancholischen Coda absolut Sinn ergibt. Genau in solchen ruhigeren Momenten zeigt die Band auch, welch fantastisches Gespür sie für Texturen besitzt. Irgendwo im Hintergrund mäandert eine Pedal-Steel-Guitar vor sich hin, während weiter vorne ein Klavier traurige Akkorde anstimmen darf. Und irgendwo dazwischen, vor den Lautsprechern, sitzt der Mensch und lächelt sanft vor sich hin. Wenn dann plötzlich die Band wieder einsetzt, wird aus dem Lächeln ein Grinsen. Ja, so kann man Musik aushalten. Alles andere ergibt sich dann von selbst.
Highlights & Tracklist
Highlights
- In the heat of the dying sun
- The traveler
- Dig my heels
Tracklist
- Chasm
- In the heat of the dying sun
- The traveler
- The cloth
- Dig my heels
- Unwound
- Long lost light
- The turning
Im Forum kommentieren
Armin
2025-09-24 21:03:01- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
diggo
2025-08-25 10:32:33
Fast 6 Jahre nach dem famosen "III" veröffentlichen BASK aus North Carolina ihr viertes Album "The Turning". Stilistisch ist die Platte schwierig einzuordnen. Ein wilder Mix aus Stoner, Psychedelic, Post-Metal und weiterem mit Folk/Americana-Anleihen. Gefällt mir ausserordentlich gut. Eine besondere Note verleihen dem Ganzen der Einsatz von Banjo, Mandoline und Pedal-Steel-Gitarre. Die Platte funktioniert vor allem als Gesamtwerk und am Stück gehört, weshalb es nicht einfach ist, Highlights herauszupicken. Die besten Songs befinden sich meines Erachtens aber am Ende der Platte ("Long Lost Light" / "The Turning"). 8/10.
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