Parcels - Loved

Parcels / Because / Universal
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Nolovethistime

Gewohnt hashtagkompatibel präsentieren Parcels ihre zwölf neuen Songs: Leerzeichen werden zwischen die einzelnen Worte der Titel weiterhin nicht gesetzt. So steht etwa kein "Summer in love" auf dem dritten Album der australischen Wahl-Berliner bevor, sondern ein "Summerinlove". Dass die eigenwillige Schreibweise mit dem Hintergedanken an Verwertbarkeit in den sozialen Medien zusammenhängt, verwies Patrick Hetherington jedoch schon vor Jahren ins Reich der Fabeln. Eine defekte Leertaste sei die Ursache für die Namensgebungen gewesen. Ein glücklicher Zufall, wie Hetherington heute betont: "Actually it feels cool smashing words together to create new ones." Dass gleich in drei neuen Songtiteln ebenso wie im Albumtitel das Wörtchen "Love" steckt, ist indes kein Zufall. Auf dem Vorgänger fühlte sich das Quintett gemäß einem damaligen Songtitel noch "Neverloved". Nun steht nach Auftritten in Glastonbury und dem Coachella Valley eine Arena-Tour an. "Loved" sind Parcels nun. Und schwärmen bereits im Opener davon, wie gut sich das anfühlt.

Ihre Oden ans Lieben und Geliebtwerden schmettern Parcels diesmal fast gänzlich auf dem Dancefloor. Die Ecken und Kanten ihres schmissigen Debüts "Parcels" schleifen sie ab, an der Opulenz des bemerkenswert atmosphärischen Zweitlings "Day/Night" tänzeln sie vorbei, ohne einen Blick zurück zu werfen. Nahezu alles, was den Vorgänger so spannend machte – die Interludes, die Jazz-Anklänge, die ELO-artigen Streicher –, ist verschwunden, nur das angenehm organische Disco-Grundgerüst geblieben. "Tobeloved" gibt den (Vierviertel-)Takt vor, ein Keyboard-Akkord trifft auf im Chorus gekonnt geträllerte Gesangsharmonien, die mehr denn je an die frühen Beach Boys erinnern. E-Gitarre und Bass orientieren sich hingegen überdeutlich am Groove von Disco-Heroen der Achtziger.

Dem Mainstream vergangener Jahrzehnte kann heute, neu verpackt, ohne Weiteres ein "Indie"-Label aufgedruckt werden. Was ausdrücklich kein Werturteil sein soll. Nur: Angesichts kreuzbraver, allzu repetitiver Tracks wie "Leaveyourlove" und "Thinkaboutit" schlafen einem die Füße ein, die sich doch eigentlich pausenlos bewegen sollten. Lyrisch bleibt es unprätentiös: Zeilen wie "I never wanna leave you, love" wiederholt der Chorus im Call-and-Response-Stil und zieht die Vokale lang. Wenn das Soul ist, dann eine sehr bleiche Version. Die Band selbst aber scheint begeistert, was zahlreiche "Oh"s und "Yeah"s bezeugen. Immer wieder werden Fieldrecordings aus den Aufnahmesessions eingebunden, die den Spaß der Globetrotter in den fünf Studios in Berlin, Byron Bay, Sydney, Oaxaca und Mexico City verdeutlichen sollen.

Bemerkenswerterweise fühlen sich die 45 Minuten von "Loved" länger an als die 83 des vorangegangenen Doppelalbums. Das resultiert einerseits aus der Gleichförmigkeit des Soundgewands, andererseits aus dem zumeist unterdurchschnittlichen Songwriting. Nur in wenigen Tracks schöpft die Band ihr Potenzial aus: Das kontemplative "Safeandsound" überzeugt mit einem schönen Synthie-Intro, das funkige "Leaves" mit gefälligen Gesangsharmonien und – anders als so mancher vorangegangene Song – authentisch wirkender guter Laune. Einen groben Fehler begeht das Quintett jedoch am Ende von "Leaves", indem es einmal mehr Einblick in die Entstehungszeit der LP gewährt und Madness' "Our house" anstimmt. Einen Klassiker also, der mit seiner Catchiness und süffigen Instrumentierung allen Songs auf "Loved" haushoch überlegen ist. Man ertappt sich dabei, "Our house" mitzuträllern, ehe mit "Thinkaboutit" die nächste Belanglosigkeit folgt. Parcels schielen angesichts der so gut wie ausgestorbenen Indie-Discos nicht mehr auf die Bühnen der Festivals, sie blicken ungeniert auf sie. Was nicht das Hauptproblem ist. Dieses ist vielmehr, dass "Loved" zwar zu einem Tanz vor der Main Stage einladen will, dabei aber mehr nach Tänzchen im Fahrstuhl klingt. Umimjargonzubleiben: Nolovethistime!

(Dennis Rieger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Safeandsound
  • Leaves

Tracklist

  1. Tobeloved
  2. Ifyoucall
  3. Safeandsound
  4. Sorry
  5. Yougotmefeeling
  6. Leaves
  7. Everybodyelse
  8. Summerinlove
  9. Leaveyourlove
  10. Thinkaboutit
  11. Finallyover
  12. Iwanttobeyourlightagain
Gesamtspielzeit: 45:38 min

Im Forum kommentieren

rheiton

2025-09-12 14:47:58

4/10 hier lol

MickHead

2025-09-12 12:01:02

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://parcelsmusic.bandcamp.com/album/loved-1

Rolling Stone 3/5

https://www.rollingstone.de/reviews/parcels-loved/

MusikBlog

https://www.musikblog.de/2025/09/parcels-loved/

qwertz

2025-09-12 11:25:44

Harte Wertung für so sonnig-verträumtes Easy Listening. Mit Album zwei konnte ich nicht so viel anfangen, hiermit womöglich doch wieder mehr. Das Debüt ist jetzt schon ein moderner Klassiker.

Armin

2025-09-08 21:15:54- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

2025-08-01 19:13:13

2. Song "Summerinlove"

https://youtu.be/kn1zGtaJPGM?si=HIgXEqm7PoZEr3lr

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