Shame - Cutthroat

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 05.09.2025
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Mehr Moment

Wer einmal auf einem Shame-Konzert war, weiß davon zu berichten. Was bei den Post-Punks aus dem Londoner Süden auf Platte hin und wieder etwas drüber oder auch mal weniger zugänglich wirkt, atmet in der Hitze des Konzertsaals nur noch positive Energie. Und dazu einen gewissen Hit- und Popappeal. Rampensau Charlie Steen und seine Akrobatik an Mikrofon, zuweilen gern auch auf den vereinten Händen des Publikums, tun ihr Übriges.

"Cutthroat", das vierte Album der Briten, markiert nun nicht direkt eine Neujustierung des Sounds. Windschiefe Harmonien, teils progressive Strukturen und den ein oder anderen Noise-Punch inmitten Shames ureigener Interpretation des Genres gibt es noch immer. Das stoische, lärmende "Cowards around" setzt gleich mal ein Zeichen, sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Um Feigheit und Doppelmoral geht es. Auch in "Nothing better" poltert das Schlagzeug unermüdlich zu zackigem Riff, der Song reckt Zeigefinger und Zeigefingernachbarfinger im Refrain.

Ein wenig wie die irischen Kollegen Fontaines D.C. mit ihrem Erfolgsalbum "Romance" bewegt sich der Fünfer jedoch ein Stück weit weg vom erwachsenen Raureif-Beschlag des Zweitwerks "Drunk tank pink" und den deformativ angehauchten kleinen Brocken, die "Food for worms" mitbrachte. "Cutthroat", abseits des martialischen Titels, nimmt die Hörer*innen bewusst mit zu mehr Luftigkeit, mehr Melodie, mehr Moment. Wenngleich der Titelsong, eines der interessantesten Stücke der Platte, zunächst auch Verwirrung stiftet, da irgendwie wuchtig und luftig zugleich. Angetrieben von einem unbarmherzigen Riff jault zunächst eine Gitarre, bis sich unter Blur-esker Refrain-Coolness ein Knäuel voller selbstbewusster Schlitzohrigkeit herausperlt.

"Spartak" ist dann so ein fluffiger, leichter Post-Punker, Shame kritisieren hier Cliquen- und Gruppenmentalität sowie Mobbing und nehmen sich jene toxischen Alphamännlein zur Brust, die ständig versuchen, sich zu profilieren. Das feine "Quiet life", Single und eines der ersten Stücke im Schreibprozess zur Platte, kommt dann auf einem knurrenden Rockabilly-Riff daher, umgarnt von einem markanten Refrain. Der Song beschreibt das Feststecken in unglücklichen Beziehungen, obgleich man genau weiß, dass man raus muss. Menschsein im Bilde des Paradoxons. "Cutthroat" und die klare Haltung sind auch das Werk von Produzent und Grammy-Gewinner John Congleton, der stets eine "No bullshit"-Haltung seitens der Band einforderte. Wie ein guter Coach eben. So darf sich dann auch niemand wundern, wenn Shame im gewagten "Axis of evil" dann sogar einen auf Depeche Mode machen. Von dieser Truppe und ihrer Zukunft ist am Ende nur eines zu erwarten: irgendwie alles.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Cutthroat
  • Quiet life
  • Spartak
  • Axis of evil

Tracklist

  1. Cutthroat
  2. Cowards around
  3. Quiet life
  4. Nothing better
  5. Plaster
  6. Spartak
  7. To and fro
  8. Lampião
  9. After party
  10. Screwdriver
  11. Packshot
  12. Axis of evil
Gesamtspielzeit: 38:19 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-08-28 17:14:16

https://www.thelineofbestfit.com/news/shame-announce-they-are-taking-a-little-break

The MACHINA of God

2025-12-26 17:46:34

Jahresendbetrachtung

Das Album ist in der richtigen Stimmung ein richtig schmissiges Album. Sowas wie der Opener oder “Screwdriver” machen echt Spaß. Und auch danach und dazwischen ist das alles sehr unterhaltsam… und trotzdem ist dieses Album etwas eine Enttäuschung für mich, weil irgendwas fehlt. Die ersten drei Alben waren in ihren Ansätzen sehr verschieden, aber jedes auf seine Art recht einzigartig und jedes klar Shame. Aber bei “Cutthroat” denke ich oft an andere Bands, speziell die Viagra Boys, und ich bin auch nie überwältigt wie bei so mancher Gitarrenwand auf dem Debut, dem grandiosen Prog-Irrsinn von “Drunk tank pink” oder den psychedelischen Abfahrten von “Food for worms”. Von daher: ein guter Snack für zwischen durch, aber ab Album 5 bitte wieder einzigartig. 6,8/10

Highlights: Cutthroat, Screwdriver, Axis of evil

fuzzmyass

2025-10-08 23:29:46

Ist definitiv ihr schwächstes Album, aber bei den bisherigen Meisterwerken nicht so schlimm.... finde Cutthroat dennoch recht solide und höre es auch gerne

Kojiro

2025-10-08 19:48:35

Bin leider auch nicht mehr so richtig warm mit der neuen Scheibe geworden.

The MACHINA of God

2025-10-08 17:54:54

Auch wenn es bei mir andere Highlights sind und ich das Album zumindest bei einer 7/10 sehe, stimme ich maxlivno zu. Die Eigenstädnigkeit (die interessanterweise auf den ersten drei Alben sehr unterschiedlich war) fehlt hier irgendwie.

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