The Beths - Straight line was a lie

Anti / Indigo
VÖ: 29.08.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Kreisförmige Begegnungen

Es soll ja Leute geben, die sich ein Ziel setzen und dann den direkten Weg von Punkt A zu Punkt B finden. Dann gibt es die, die hier und da abbiegen und mit etwas Glück am Ende auch ans Ziel gelangen. Bei manchen dauert es aber auch deutlich länger und jeder Meter ist bitter erkämpft. Soweit zumindest die verbreitete Vorstellung, wie so eine Lebenslinie aussehen kann. Die Neuseeländer*innen von The Beths widersprechen deutlich: "Straight line was a lie"! Laut Sängerin Elizabeth Stokes kommt sie immer wieder am selben Punkt an und dreht sich im Kreis. Doch dabei klingt sie nicht verbittert, sondern findet tröstende Worte, wie sie es mittlerweile schon auf vier Alben geschafft hat.

Direkt im titelgebenden Opener wird die eigene These als grundsolider, aber nicht herausragender Indierock-Song verpackt. Ein unaufgeregter Start in ein Album, das sich partout nicht aufregen will. Dabei wird sogar ein Song darüber, dass man keine Freude empfindet, zu einem schrammeligen, eingängigen Stück. "No joy" begeistert mit seiner hoppelnden Platzierung der Wörter in den Strophen und scheint alles andere als spaßbefreit. Und auch "Metal" klingt nicht nach Schwermetall, sondern eher nach einem Aluminiumkügelchen, das man mühelos in den Händen jongliert. Stellenweise gibt mehrstimmiger Gesang dem Song zusätzliches Volumen und Stokes beschreibt elegant: "And I know I'm a collaboration / Bacteria, carbon and light / A florid orchestration / A recipe of fortune and time." Die Frontsängerin ist kein herausragendes Stimmtalent, versprüht aber ganz viel Nähe und Sicherheit und vor allem ist sie eine großartige Texterin.

Das beweist sie ein weiteres Mal in "Mosquitoes", in dem sie sich auf Zeitreise in die Vergangenheit und zum lokalen Gewässer begibt und sich selbst zum Insektenfutter degradiert. Eine melancholische Geschichte, weil sich das Wässerchen Jahre später in eine reißende Flut verwandelt und Brücken zerbirst. Nur, um bis heute alles wieder vergessen zu haben, wie Stokes herausragend konstatiert: "Find the current has forgotten / How it felt to break the world." Richtig leise und nahbar wird sie wiederum in "Mother, pray for me", das die komplizierte Beziehung mit der eigenen Mutter über fast fünf Minuten beleuchtet und am Ende der Schlusszeilen den Ton nach unten führt und den Kopf so akustisch Richtung der gefalteten Hände senkt. Mit Gitarre und orgelähnlichem Keyboard klingen The Beths hier fast folkig.

Und auch, wenn sich vieles im Leben scheinbar im Kreis dreht und manchmal frustrierend sein kann, ist "Roundabout" mit seiner hellen Gitarrenmelodie für die akustische Umarmung bereit und schaut optimistisch in die Zukunft: "Cause I'll love you then, like I love you now." Kontinuität kann eben auch was Schönes sein. Besonders wenn sie Momente wie in "Til my heart stops" beschrieben beinhaltet. Die schöne Erinnerung ans Fahrradfahren im Regen ist nur ein Bild in einem zurückgenommenen Song, der die Hoffnung in den feuchten Augen trägt: "I wanna scream / I wanna know what I've got / I wanna love 'til my heart stops." Wenn Stokes sich in "Ark of the covenant" dann noch mal stimmlich mehr zutraut als in den anderen Songs und die Tonleiter hoch und runterspringt, ist man schon ganz beseelt und geht aufgewärmt in den Closer. Und "Best laid plans" schließt so, wie The Beths angefangen haben: mit einem grundsoliden, unaufgeregten Indierock-Song, zu dem man die letzten Sonnenstrahlen genießen will. Der Kreis schließt sich.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • No joy
  • Mother, pray for me
  • Til my heart stops
  • Roundabout plan

Tracklist

  1. Straight line was a lie
  2. Mosquitoes
  3. No joy
  4. Metal
  5. Mother, pray for me
  6. Til my heart stops
  7. Take
  8. Roundabout
  9. Ark of the covenant
  10. Best laid plans
Gesamtspielzeit: 43:48 min

Im Forum kommentieren

Vivat Virtute

2025-10-13 11:22:18

Gestern in München gesehen. Die sind live wirklich hervorragend, würde ich mir sofort wieder anschauen.
Allgemein ein enorm sympathisches Konzert.

qwertz

2025-10-08 12:10:45

Auch eine wunderbare Live-Band! Konzert in Hamburg war herzallerliebst, obwohl der Band wenige Tage zuvor sämtliche Instrumente aus dem Auto gestohlen worden sind und sie den Rest der Tour mit Leihgaben spielen müssen. Die Highlights vom aktuellen Album gehörten auch live zu den stärksten Songs.

Und das habe ich wohl zum ersten Mal überhaupt erlebt: Alle Hits wurden vor der Zugabenpause gespielt. Als Bonus gab es dann am Ende "nur" noch zwei eher unauffällige Tracks vom aktuellen Album. Darüber hinaus: Shirt-Preise von 40 Euro ganz schön happig. Trotzdem war am Ende die Schlange vorm Merch-Stand länger als die vor der Garderobe.

qwertz

2025-09-03 17:17:49

Schönes Album, aber nicht ganz so gut wie erhofft. Titeltrack und "Metal" sind grandios. "Til my heart stops" und "Best laid plans" auch ziemlich fein.

Arne L.

2025-09-02 21:21:51

Guter Punkt, "Roundabout" ist gemeint

Hierkannmanparken

2025-09-02 18:38:57

Ist das letzte Highlight Roundabout oder Best laid plans?

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