Babymetal - Metal forth

Capitol / Universal
VÖ: 08.08.2025
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Spaßbremsen

Babymetal. Ein Wort, verschiedene Reaktionen. Während die meisten Menschen die Erwähnung des japanischen Hochglanzprodukts mit einem Schulterzucken quittieren dürften, setzt so mancher Kuttenträger auch im Jahr 2025 noch zum Referat über die Bedeutung der Begriffe "wahr" und "falsch" an. Dabei ging es bei Babymetal nie um Philosophie oder Metal als Subkultur, sondern um Aufmerksamkeitsgewinnung. Und auch wenn die Band mittlerweile keinen Neuheitswert mehr besitzt, weiß die Kombination aus lieblichen Gesängen und fiesem Krawall zumindest oberflächlich immer noch zu faszinieren. Ihr neues Album "Metal forth" stellt hier gleichzeitig einen Höhe- und Tiefpunkt der Karriere der Künstlerinnen dar. Es ist mehr von allem – und dabei weniger Babymetal denn je. Wer den Grund dafür erfahren möchte, muss nur einen kurzen Blick auf die Trackliste werfen. In gleich sieben der zehn Songs wirken nämlich Gastmusiker*innen mit. Und das macht "Metal forth" zu einer unfassbar anstrengenden Hörerfahrung.

Natürlich ist die Musik immer noch ausgezeichnet komponiert, Metalcore-Riffs treffen auf Power-Hooks und allerhand Gefiepe und Gepiepe, es vergeht keine Sekunde, ohne dass irgendwo etwas Beklopptes passiert. Obwohl das Album gerade mal 35 Minuten dauert, setzen allerdings schon nach einigen Songs Ermüdungserscheinungen ein. Man braucht schon die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege, um hier ernsthaft Spaß haben zu können. Hinzu kommt, dass die großen Hooks, die beispielsweise Songs wie "Road to resistance" und "Gimme chocolate!!!" auszeichneten, mit der Lupe gesucht werden müssen. Alles ballert gleichförmig vor sich hin. Einzig "KxAxWxAxIxI" nimmt den Fuß vom Gaspedal und kombiniert eine Rap-Strophe mit einem Industrial-Breakdown. Aber mal ehrlich: Will man so etwas wirklich von Babymetal hören? Will man so etwas überhaupt hören?

Doch das wahre Ärgernis sind wie bereits erwähnt die vielen Gäste: Einige von ihnen passen durchaus ins Konzept, allen voran Poppy, die mit ihren Schreien den Opener "From me to u" veredelt. Der Großteil der anderen Features kann hingegen "unter ferner liefen" notiert werden. Electric Callboy klingen wie eine Kopie ihrer selbst, Polyphia haben noch immer nicht viel mehr als ziellose Onanie drauf, und selbst die an sich immer recht soliden Spiritbox verkaufen sich hier deutlich unter Wert. Nur der eingängige "Song 3", der mit Slaughter To Prevail eingespielt wurde, und das wirklich herrlich abstruse "Metal!!!", bei dem kein Geringerer als Weltenretter und Gitarrenvirtuose Tom Morello im Studio vorbeischaute, können auf der Habenseite verbucht werden. Das Kernproblem der Gästeflut ist jedoch, dass von Babymetal nichts mehr übrig bleibt. Und das ist bei einer Band, deren einziges Distinktionsmerkmal ihr Image war, fatal.

Umso offensichtlicher wird dies, wenn man "Algorism" hört. Hier dürfen sich die Songwriter hinter dem Projekt endlich unbehelligt austoben. Und plötzlich ergibt alles wieder Sinn: Su-metal darf ihre tolle Stimme in absurde Höhen prügeln, während Momometal mit ein bisschen technischer Unterstützung im Keller grollt. Zusammengehalten wird der Song von einer fantastischen Melodieführung und einem fast schon erschreckend tighten Arrangement. Doch das Beste kommt tatsächlich zum Schluss: "White flame" ist astreiner Power Metal. Cheesy, völlig irre – und absolut grandios. Es ist davon auszugehen, dass die Idee, Babymetal mit anderen Künstlern zu kombinieren, auf dem Mist internationaler Label-Verantwortlicher gewachsen ist. Finanziell könnte sich dieser Move lohnen, künstlerisch nimmt er dem Projekt jedoch den letzten Funken Seele, den es besaß. Und das führt dazu, dass Babymetal plötzlich keinen Spaß mehr machen. Das kann doch keiner wollen.

(Christopher Sennfelder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • From me to u (feat. Poppy)
  • Algorism
  • White flame

Tracklist

  1. From me to u (feat. Poppy)
  2. Ratatata (feat. Electric Callboy)
  3. Song 3 (feat. Slaughter To Prevail)
  4. Kon! Kon! (feat. Bloodywood)
  5. KxAxWxAxIxI
  6. Sunset kiss (feat. Polyphia)
  7. My queen (feat. Spiritbox)
  8. Algorism
  9. Metal!!! (feat. Tom Morello)
  10. White flame
Gesamtspielzeit: 35:30 min

Im Forum kommentieren

Robert G. Blume

2025-09-27 12:10:08

Ich wundere mich etwas über die Unterscheidung zwischen Collabs und Songs ohne Feature. Babymetal waren stilistisch immer im ganzen Spektrum harter Musik unterwegs und nie kohärent, was für mich gerade den Reiz ausmacht. Ganz ehrlich, wenn die auf einem Song nen Reggae-Part reinbringen, beim nächsten den besten Limp Bizkit-Song, den Limp Bizkit nie gemacht haben, bringen und dann beim nächsten indische Musik einbauen, dann machen ein paar andere Stimmen auch nicht den Riesenunterschied. Die männlichen Growls waren ja auch von Anfang an da, nur halt nicht von prominenten Gästen.
Ich hab das Electric-Callboy-Feature etwas über, aber ansonsten läuft das Album für mich sehr smooth durch.

honkhank

2025-09-18 16:07:44

Teile dieses Threads sind ein tolles Beispiel, warum ich ich ab den 2000ern sukzessive aufgehört habe, Metal zu hören. Torwächter überall, Innovation ist Verrat am "echten" Fan, alles außer "echtem" Metal ist Schund.
Die ersten drei Kvelertak-Alben waren da mal eine erfrischende Ausnahme. Aber die sind ja Hipster-Metal, nicht wahr?

P.S.: Wer da Empfehlungen hat, die wirklich überraschen, gerne her damit.

WAC

2025-09-09 00:04:36

Meine Güte, wie krass willst du denn noch draufhauen?
Die Band als seelenlos, als Spaßbremse abzuqualifizieren, ist doch krass neben der Spur.
Ja, zuviel an Features, zuviel Marketing, auch richtig, und ja, die "echten" Babymetal-Songs sind die Highlights.
Aber das zeigt doch, dass die Band lebt und im Grunde doch großartig ist.
Ein paar der Features funktionieren auch, gerade die Electric Callboy-Kooperation macht zumindest Spaß. Das Bollywood-Feature ist etwas armselig, wie auch das von Spiritbox, aber das Polyphia-Feature funktioniert recht gut, weil Su-metal eine beeindruckende Performance hinlegt.
Also, keine Glanzleistung, sehr kommerziell geprägt, aber trotzdem auch originell und unterhaltsam.

lars.fm

2025-09-04 12:44:11

Also im Bandkontext haben diese ganzen Features ja Sinn gemacht als Promo für Festivalsommer oder Tour, aber nach einigem Hören muss ich auch sagen, dass das als Album einfach nicht zündet. Die Non-Feature-Tracks sind alle super, der Rest will nicht so ganz reinpassen.

Christopher

2025-09-02 19:45:36

Siehe Rezension. :)

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Spotify

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Forum