Tyler, The Creator - Don't tap the glass

Columbia / Sony
VÖ: 21.07.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

New rules

Vom maskierten Unhold zum 80er-Rapper-Cosplay: Selbst wenn Tyler Okonma weniger als ein Jahr nach dem komplexen "Chromakopia" einen äußerst kurzen Nachfolger droppt, sind es nicht einfach nur neue Songs. Tyler, The Creator wird auf "Don't tap the glass" zu "Big Poe", posiert wie eine Actionfigur auf dem Cover, holt die Brille mit dicken Gläsern und die rote Cap aus dem Schrank und lässt sich einen formidablen Schnauzer stehen. Dazu verkündet schon in den ersten Sekunden eine Vocoderstimme klare Regeln: "Number one: body movement. No sitting still. Number two: only speak in glory. Leave your baggage at home. Number three: don't tap the glass." Was es mit dem titelgebenden Glas auf sich hat, bleibt – wie so häufig bei Tyler, The Creator – Spekulation. Womöglich möchte er einfach ungestört sein Ding durchziehen: "No cell phone, this a dead spot / You sneak photos, get your hands chopped." Die anderen beiden Regeln sind klar: kein verkopfter Scheiß, sondern Musik, die vor allem in die Beine geht. Kendrick Lamars "GNX" ist dagegen noch intellektuelle Kunstkacke.

Der Moment, wenn in der ersten Single "Stop playing with me" der Bass plötzlich aufdreht, ist in diesem Sinne einfach wahnsinnig erfüllend. Die Lyrics sind entsprechend punchy, ohne auch nur einen Funken Tiefe vorzutäuschen: "Shawty got a strong jaw, might chew rock / Got me comin' out the blue like nude cop / I been rockin' by myself, I'm through / You jumped off the porch, me? I flew." Zusammen mit dem Opener "Big Poe" ist der Song die raplastige Front, die vor allem über dicke Beats funktioniert und unfassbar Laune macht. Der meiste Rest von "Don't tap the glass" lehnt sich stärker in Richtung poppigen R'n'Bs, beispielsweise im mit nagendem Synth hüpfenden und recht expliziten "Sugar on my tongue", nur echt mit wirklich weirdem Fetisch-Video. Nicht nur hier verfällt Okomna in einen fetzigen Call-and-Response-Modus, auch das sehr poppige "Ring ring ring" probt das Spiel zu stetigem Gebimmel und idyllischen Synths.

Dass "Tweakin'" etwas arg nervös gerät oder 75 Sekunden dieser nicht einmal halben Stunde an das Interlude "Mommanem" gehen – geschenkt. Dass hier Niveau und Introspektion an der Tür abgewiesen werden – egal. "Don't tap the glass" Oberflächlichkeit und zu wenig Substanz vorzuwerfen, ginge an der Sache vorbei, denn das ist explizit das Ziel dieses knapp gehaltenen Vergnügens. Wozu auch? Wenn der Opener ein schmissiges Sample von Busta Rhymes' "Pass the courvoisier part II" auspackt oder "I'll take care of you" plötzlich in einem mitreißenden Breakbeat ausbricht, ist die Stimmung auf dem Siedepunkt. Nachdem "Tell me what it is" langsam, aber unbeirrt mit feinstem Falsett und schwerer Percussion durch die Boxen marschiert ist, schaltet sich erneut der Vocoder ein: "I hope you enjoyed yourself. Maybe next time you could stay longer." Dabei hat Tyler, The Creator selbst ja die Albumlänge bestimmt. Ein Schelm, wie immer.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Big Poe
  • Stop playing with me
  • I'll take care of you

Tracklist

  1. Big Poe
  2. Sugar on my tongue
  3. Sucka free
  4. Mommanem
  5. Stop playing with me
  6. Ring ring ring
  7. Don't tap that glass / Tweakin'
  8. Don't you worry baby
  9. I'll take care of you
  10. Tell me what it is
Gesamtspielzeit: 28:31 min

Im Forum kommentieren

Armin

2025-08-24 09:03:21- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Kojiro

2025-08-23 20:37:46

Dann hast du jetzt was nachzuholen! ;-)

The MACHINA of God

2025-08-23 15:30:19

Krass, bis soeben an mir vorbeigegangen.

Kojiro

2025-08-13 07:18:47

https://www.youtube.com/watch?v=ljHdccyQbT4&list=RDljHdccyQbT4&start_radio=1

Alles daran ist gut.

Kojiro

2025-07-22 14:07:50

Läuft super durch.

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