Jonas Brothers - Greetings from your hometown
Republic / UniversalVÖ: 08.08.2025
The promised land
Ein wenig wirkte es ja schon wie das letzte verzweifelte Aufbäumen der großen Boygroups. Damals, so ungefähr Mitte der Nuller- bis Mitte der 2010er-Jahre, als die Jonas Brothers den Turbo zündeten und Fanherzen reihenweise schmelzen ließen. Bis irgendwann die Luft raus und die Nerven am Ende waren und der Karriere-Run vorerst vorbei schien. Nach sechsjähriger Pause ging es für die dreiköpfige Gruppe recht unerwartet seit 2019 aber wieder weiter – mit dem erwartbaren Erfolg. "Never change a winning team", und so. Nur eben etwas reifer, etwas geerdeter, etwas kultivierter. Dazu passt auch das Motto von "Greetings from your hometown", dem inzwischen siebten Studioalbum der Brüder. Ein Liebesbrief an die Heimat New Jersey soll es sein, musikalisch inspiriert natürlich von – na, wer hat es geahnt? – Bruce Springsteen und der Working-Class-Attitüde des Garden State. Zuhause ist es eben doch am schönsten.
"Guess I'm just a fool for the human touch", heißt es im Drum-Machine-Synthmonster "Love me to heaven": Die Boss-Referenzen schreiben sich eben wie von selbst. Allerdings wirkt es – möchte man es denn so interpretieren – durchaus bezeichnend, dass hier eine der schwächsten Scheiben in Springsteens Oeuvre referenziert wird. Denn leider regiert auch auf "Greetings from your hometown" der öde Konsens, der maue Durchschnitt. Keine wilden, inspirierenden Konzertorgien in Asbury Park, eher runtergekommene Casino-Prunkbauten in Atlantic City. Das fängt schon beim äußerst faden Uffzack-Opener "I can't lose" an, der eine anstrengend nervöse Struktur mitbringt und musikalisch nicht viel mehr anzubieten hat als ein paar bemühte "Born to run"-Gitarrenlicks im Refrain. An anderer Stelle gesellt sich mit "Loved you better" die obligatorische, triefende Klavierballade dazu, "Mirror in the sky" darf kurz vor Ende die Hände nochmal zur Hymne in die Luft recken und "Backwards" versumpft im drögen Midtempo. Mag alles kompetent gemacht sein, nützt aber eben auch nichts, wenn die Langeweile Überhand nimmt. Wenn das die musikalischen Aushängeschilder der Heimat sein sollen, fährt man vielleicht lieber doch eine Ausfahrt weiter.
Will man dem neuesten Werk des Trios ein paar positive Seiten abgewinnen, muss man dranbleiben – und wird dann zumindest hier und da ein wenig entlohnt. "No time to talk" etwa ist ein herrlich grooviges Stück, das in seinen zweieinhalb Minuten nichts anbrennen lässt und einfach mal beschwipst rumfunkt. Immer hart an der Grenze zum "Stayin' alive"-Ripoff, aber da drückt man an diesem Punkt gerne mal ein Auge zu. Mehr Songs mit diesem Feuer hätten "Greetings from your hometown" wahrlich gut getan. In eine ähnliche Kerbe – wenn auch nicht ganz so erfrischend – schlägt auch der Titeltrack, und ganz ehrlich: Wenn "Tables" mal auf der Autofahrt im Radio läuft, kann man das auch gut und gerne mitnehmen. Viel mehr Lob ist dann aber leider nicht drin, hier bleibt insgesamt reichlich Potenzial auf der Strecke. Zu viel Nostalgie ist eben auch nicht gut.
Highlights & Tracklist
Highlights
- No time to talk
Tracklist
- I can't lose
- Tables
- Love me to heaven
- No time to talk
- Backwards
- Loved you better (feat. Dean Lewis)
- Greetings from your hometown (feat. Switchfoot)
- When you know
- Heat of the moment
- Bully
- Waste no time
- Lucky
- Mirror to the sky
- Slow motion (feat. Marshmello)
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Armin
2025-08-24 09:01:08- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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