The Hives - The Hives forever forever The Hives

PIAS / Rough Trade
VÖ: 29.08.2025
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Keep the crown

Howlin' Pelle Almqvist wird nicht müde zu betonen, dass seine Band noch nie besser geklungen habe als auf ihrem neuen und siebten Album. "The Hives forever forever The Hives" – eine albumtitelgewordene Selbstüberhöhung, während die fünf Schweden auf dem Cover als überzeichnete Könige posieren, nachdem sie auf "The death of Randy Fitzsimmons" noch ins ausgehobene Grab ihres imaginären Wegbegleiters blickten. Es ist Teil des speziellen Humors und damit auch des Charmes dieser Band, dass all der Promo-Pomp exakt nichts zu bedeuten hat. The Hives klingen natürlich nicht besser als je zuvor, sondern einfach so wie immer. Mal rotziger, mal poppiger fegen sie durch eine gute halbe Stunde angestaubten Garagenrocks, der den Eindruck erweckt, als sei seit Beginn der Nullerjahre keine Minute vergangen. "Went to the doctor / Turns out I'm sick / Sick of everybody's bullshit", deklariert Almqvist in der altbewährte Riffs jonglierenden Lead-Single "Enough is enough", dabei wirken er und seine Kollegen keineswegs so, als hätten sie keinen Bock. Leider zündet nicht jeder der elf Songs – dazu gibt es ein Intro und Interlude – auf dem gewohnten Niveau, weswegen präsenter als zuvor die Frage im Raum steht, ob sich der Witz von The Hives nicht langsam auserzählt hat.

Was auf der Platte allerdings auffällt und eine gewisse Frische ausstrahlt, ist der giftige Gestus, mit dem Almqvist gegen gesellschaftliche Missstände spuckt. Man höre allein das ebenfalls ausgekoppelte, Synth-unterstützte "Legalize living": "They are putting the doubt in you / Tell you what they want you to do / Gonna scream until their faces are blue / Til you stop listening to." Auch das schmissige "Hooray hooray hooray" beginnt mit ganz viel Galle im Bauch: "Spoiled brat inherits empire / Dances around funeral pyre / Spent the golden age in a gilded cage" – da ist es auch kein Thema, wenn der Track am Ende nur noch seinen dreifachen Titel-Ausruf hervorbringt. Nervenstrapazierender in Sachen ständiger Songtitel-Wiederholung gerät "Bad call", was aber schlicht daran liegt, dass der von einer Kuhglocke angestachelten Nummer ein wenig die Durchschlagskraft abgeht. Wegen der Texte hört sowieso keine Sau Hives-Platten, es geht einzig um Energie und Spaß – und auch, wenn gerade das inspirierte "Paint a picture" mit seinem Refrain-Rhythmuswechsel viel Laune bereitet, wird bereits in der ersten Hälfte des Albums deutlich, dass The Hives im Vergleich zum durchweg mitreißenden Vorgänger in dieser Hinsicht einen Rückschritt gemacht haben.

Die zweite Albumhälfte bleibt durchwachsen. "Roll out the red carpet" macht seinem Titel alle Ehre, lässt die Saiten in Erwartung auf den großen Showauftritt vorglühen und entlädt die Anspannung in einem unheimlich explosiven Indiedisco-Refrain. "Born a rebel" und "Path of most resistance" schaffen es wiederum weniger, ihre auf dem Papier ausgedrückte Nonkonformität klanglich abzubilden – und auch der finale Titeltrack schwächt seine Ewigkeitserklärung mit einem stumpfen Drumcomputer-Beat ab und erzwingt den Ohrwurm etwas zu sehr. Da surfen wir lieber auf den eleganteren Gitarren von "They can't hear the music", in dem Almqvist seine Leidenschaft feiert: "Since I was a kid I knew it / This was my way to get through it / Turn it down but it's still loud in me." Stellt man an seine Rockmusik keine Ansprüche von Innovation oder Stilvielfalt, lässt sich auch im Jahr 2025 immer noch viel Spaß mit einer The-Hives-Platte haben – wenn auch nicht mit der gleichen Begeisterung, die der einnehmende Frontmann weiterhin an den Tag legt.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Hooray hooray hooray
  • Paint a picture
  • Roll out the red carpet

Tracklist

  1. (Introduction)
  2. Enough is enough
  3. Hooray hooray hooray
  4. Bad call
  5. Paint a picture
  6. O.C.D.O.D.
  7. Legalize living
  8. (Interlude)
  9. Roll out the red carpet
  10. Born a rebel
  11. They can't hear the music
  12. Path of most resistance
  13. The Hives forever forever The Hives
Gesamtspielzeit: 32:57 min

Im Forum kommentieren

fuzzmyass

2025-10-27 23:49:50

Diskographie Bewertung aktuell:

Barely Legal 8/10
Veni Vidi Vicious 9/10
Tyrannosaurus Hives 9,5/10
The Black and White Album 6,5/10
Lex Hives 6/10
The Death of Randy Fitzsimmons 8/10
The Hives Forever Forever the Hives 7,5/10

fakeboy

2025-10-27 22:39:34

Randy kann man gar nicht totspielen! Human Atombombs ist ein Überalbum. Randy-Bassist Johan spielt übrigens mittlerweile bei The Hives mit.

u.x.o.

2025-10-27 19:16:37

Meine "Geschichte" mit der Band scheint ähnlich zu sein wie bei Dir, fuzzmyass. Hatte die Hives ewig nicht gehört, finde die letzten beiden Alben aber auch sehr solide und höre die wirklich gerne beim Sport. Anfangs fand ich "Forever" etwas enttäuschend, da gibt es dann auch diese 1-2 Nummern, die mich sehr an Randy erinnern, eine Band die ich gar nicht mehr hören mag, weil ein Freund aus Jugendtagen die damals zu Tode gespielt hat. Mittlerweile flowt das aber alles gut ineinander über. Für den Zweck "having a good time" in den letzten Woche ein go-to-Album.

fuzzmyass

2025-10-27 17:47:46

Album hier find ich nach anfänglichem Zögern schon ziemlich gut, 7,5/10 gibt's inzwischen von mir... finde es recht simpel, aber im Detail doch auch recht abwechslungsreich - das hat sich erst nach Paar Durchgängen etwas rausgescheelt... kann auch gut mit dem guten Vorgänger mithalten und live funktionieren die Songs wirklich auch fantastisch - am Freitag bestand die Setlist zu 60% aus Songs der letzten beiden Alben und der Zugabenblock vollständig aus ...Forever The Hives Material - fand ich sehr erfrischend...
Ich kann sehr gut verstehen, wenn man im Jahre 2025 keine große Lust mehr auf Hives hat... ich war auch schon seit über 10-15 Jahre komplett raus bei der Band, aber mit Death Of Randy Fitzsimmons vor 2 Jahren und ...Forever The Hives jetzt haben sie mich tatsächlich wieder zurückgewinnen können... sind sicher kein "Album des Jahres" Material, aber ich finde hier wirklich viele solide bis fantastische und sehr unterhaltsame Rocksongs vor... und das Konzert war auch wirklich großartig

fuzzmyass

2025-09-11 00:01:19

Achso, hatte gar nicht gesehen, dass sie in der Meldung Köln nicht gelistet hatten - dachte das wären alle Daten... sorry für die Falschinfo!
Also in Berlin, München und Leipzig ist Snooper am Start

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