Tops - Bury the key

Ghostly International / Cargo
VÖ: 22.08.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Die sanfte Täuschung

Es dauert fünf ganze Songs, bis Tops ihr Versprechen doch einhalten. Mit düster-treibendem Drive und angedeuteten Post-Punk-Gitarren schnellt "Falling on my sword" nach vorne, wirft dabei verstörende Sprachbilder wie "Your bleeding heart can't feed me" ab. Auf ihrer fünften Platte wollte die kanadische Band eigentlich scharfkantiger und sinistrer zu Werke gehen, bezeichnete sich im Promo-Text sogar augenzwinkernd als "evil Tops" – aufs Gesamtalbum bezogen natürlich eine falsche Fährte. Mit einer Stimme wie der von Jane Penny blieben sowieso nur Dream-Pop oder ASMR übrig, wollte man nicht den samtweichen, an Prefab Sprout und Co. geschulten Pastell-Pop machen, den Tops schon seit einer Weile äußerst versiert praktizieren. "Bury the key" entstand in einem Studio, das laut Aussage der Band den Vibe eines Finanzamts aus den 70ern versprüht, doch scheint dem Album die Sonne so sehr aus jeder Pore, dass es auch mitten auf einer kalifornischen Strandpromenade eingespielt worden sein könnte.

So beginnt der famose Opener "Stars come after you" zwar noch leicht abgedunkelt, bis er sich von David Carrieres Akustikgitarre umgarnt den eleganten Hooks öffnet, dauert es allerdings nicht lange. In seiner elektrisch aufgeladenen Bridge entwickelt der Song viel Zug, wovon sich Pennys Karamellstimme jedoch gänzlich unbeeindruckt zeigt. Gesang ist nicht das einzige musikalische Talent der Frontfrau: Den bassigen Groover "Outstanding in the rain", der einen hochhausgroßen Refrain-Schirm aufspannt, umrahmt sie mit ihrem funkigen Flötenspiel. Zwischen diesen beiden Tracks tuckert "Wheels at night" wie eine synthetischere Variante von Fleetwood Mac vorwärts, während "ICU2" mit theaterhaften Melodien und käsigen Background-Vocals spielt. Tops verschwenden keine Zeit, kommen in ihren oft nicht einmal drei Minuten langen Songs schnell auf den Punkt, lassen innerhalb ihrer reduzierten Arrangements aber auch regelmäßig instrumentale Schnörkel und unerwartete Ideen zu.

In diesem Sinne vollzieht selbst das kürzeste Stück des Albums "Call you back" in nur 132 Sekunden so manche Wendung, löst seinen mit verhallter Gitarre und großen Synths erzeugten Shoegaze-Vibe mit einem schmachtenden Pop-Chorus ab. "Chlorine" drosselt im Anschluss das Tempo, um einer sinnlich erfüllenden Partynacht ein ernüchtertes Mantra entgegenzustellen: "Filling my cup with so much empty love." Leer ist die Liebe allerdings sicher nicht, die sich "Mean streak" entgegenbringen lässt, wenn es die schönste Melodie von "Bury the key" in die Nacht tanzt. Das Schlussdrittel der Platte setzt die ruhigere Ausrichtung der zweiten Hälfte fort, gibt in "Your ride" Keyboarderin Marta Cikojevic das Mikro und verziert den Closer "Paper house" mit Cembalo-ähnlichen Klängen und der erneut markant aufspielenden Flöte. Böse sind Tops wirklich nur dann, wenn sie ihr Publikum mit falschen Versprechen in die Irre führen.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Stars come after you
  • Outstanding in the rain
  • Mean streak

Tracklist

  1. Stars come after you
  2. Wheels at night
  3. ICU2
  4. Outstanding in the rain
  5. Annihilation
  6. Falling on my sword
  7. Call you back
  8. Chlorine
  9. Mean streak
  10. Your ride
  11. Standing on the edge of fire
  12. Paper house
Gesamtspielzeit: 36:05 min

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