Royel Otis - Hickey
Capitol / UniversalVÖ: 22.08.2025
Serotonin und Sonnenbrand
Lediglich 27 Millionen Einwohner*innen gibt es in Australien, die sich noch dazu auf stolze 7,7 Millionen Quadratkilometer verteilen. In der menschenleeren Weite der Prärie ist es bestimmt nicht einfach, passende Mitmusiker*innen zu finden, mit denen die künstlerische Chemie stimmt. Royel Maddell und Otis Pavlovic haben dennoch einander gefunden – und die Suche damit für beendet erklärt. Warum auch zu viele Köch*innen anheuern, wenn der Funke direkt überspringt? Das Indie-Pop-Duo aus Sydney ist noch vor seinem 2024er-Debütalbum "Pratts & pain" raketenartig durch die Decke gegangen, dessen Nachfolger "Hickey" sie nun nach nur eineinhalb Jahren nachlegen. Ist etwa doch mehr Kreativität vorhanden, als man bei dem lakonischen Bandnamen vermuten würde, der bloß aus den kombinierten Vornamen der Musiker besteht?
Mit dem für die australische Radio-Show "Like a version" gecoverten Sophie-Ellis-Bextor-Klassiker "Murder on the dancefloor" haben Royel Otis zuletzt einen veritablen viralen Hit gelandet, sind große Aufmerksamkeit also gewohnt. Im "Hickey"-Zyklus sorgten die Australier für solche jedoch zunächst mit einer kleinen Kontroverse: Die Erzählstimme im ansonsten netten, Beck-artigen Shuffle-Gitarrenpopper "Moody" bezeichnet ihre Freundin nämlich ganz beiläufig als "bitch". Gilt nur, wenn diese schlechte Laune hat, klar. Kann man insgesamt aber schon eher kacke finden. Mit dem dicksten Teil ihres Zweitwerks geben sich die Australier glücklicherweise als wesentlich liebenswürdiger zu erkennen.
Fluffige Ohrwürmer wie die sommerliche Single "Car" oder der Opener "I hate this tune" – bei dem Royel Otis einen winzigen Abstecher in den Achtziger-Wave wagen, so als sei ein blutjunger Robert Smith eigentlich ganz happy mit seinem Herzschmerz – mischen sich unter behaglichere Stücke, die eher zum entspannten Rumlümmeln denn zum Tanzen animieren. Generell fällt bei den Senkrechtstartern oft ihre psychedelische Kante ins Gewicht, die ihren 2000er-Referenzen wie MGMT ja auch nie fremd war (und die in Australien ohnehin seit Jahren super angesagt ist). Trotz stetiger Sonneneinstrahlung werden selbst die "Good times" hochsentimental beleuchtet und die "Torn jeans" der (Noch-)Freundin voller Melancholie getragen: "I know I could do better with you." So leicht die Instrumentierung, so betrübt schauen Royel Otis mitunter aus der Wäsche.
"Who's your boyfriend" gönnt sich mehr Drive und fröhlich glitzernde Synthies, mit denen die Band die Indie-Diskos so circa 2008 bestimmt auch im Sturm erobert hätte. Und während "Shut up" und "Dancing with myself" trotz leichtem Hip-Hop- oder Funk-Flair eher verkatert nach Hause stolpern, haut "More to loose" einmal klassischer in die Saiten, sodass am Festivalnachmittag auch die "Rock"-Fraktion zufrieden ist. Zwar ist auf "Hickey" jederzeit ein glühender Funke zu spüren, der sich aber nur hin und wieder wirklich entzündet, so zum Beispiel im flehenden "Say something", dem mitreißendsten Song des Albums. Oft ist der Jangle-Pop von Maddell und Pavlovic ein bisschen sehr gemütlich. Aber das sind Wombats und Koalas häufig auch – und die sind ebenfalls weit über die Grenzen Australiens hinaus bekannt.
Highlights & Tracklist
Highlights
- I hate this tune
- Who's your boyfriend
- Car
- Say something
Tracklist
- I hate this tune
- Moody
- Good times
- Torn jeans
- Come on home
- Who's your boyfriend
- Car
- Shut up
- Dancing with myself
- Say something
- She's got a gun
- More to loose
- Jazz burger
Im Forum kommentieren
MickHead
2026-04-10 22:22:31
Erster neuer Song seit dem Album!
"Sweet Hallelujah"
https://youtu.be/niTy_ulUry0?si=PiYOBQDoK0YZdvsN
jayfkay
2025-12-09 04:23:06
der Song kommt sehr gut "live", habe ich in letzter Zeit ziemlich oft gehört.
https://www.youtube.com/watch?v=th-RdewE_6s
MickHead
2025-08-22 11:26:49
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nXomxLore06fYfshGFYsZSDYcl_7wZPvM&si=nJn7lGeeKQfm0adT
HearszAM
2025-08-20 14:31:17
I've shared your review on our Royel Otis fan group:
qwertz
2025-08-19 10:30:34
Vor einigen Tagen zum ersten Mal auf die Band gestoßen. Erstaunlich hohe Streamingzahlen, dazu ne Tour in den zweitgrößten Venues. War bisher total an mir vorbeigegangen, aber klingt ja soweit ganz schmissig. Interessante Stimme auch. Werde dem neuen Album auf jeden Fall mal eine Chance geben.
In other news: Aufm Dockville-Festival in Hamburg ist der Gitarrist am Wochenende zusammengebrochen, sodass der Auftritt und die folgenden Termine abgesagt werden mussten. Hoffentlich nix Ernstes, ma sagen.
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