Ada Lea - When I paint my masterpiece

Saddle Creek / Rough Trade
VÖ: 08.08.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Mit ruhiger Hand

Ein Albumtitel wie "When I paint my masterpiece" ist für Ada Lea eigentlich zu naheliegend, um wahr zu sein. Neben der Musik beschäftigt sich die Frau aus Montreal leidenschaftlich als Malerin und posiert auf dem Cover besagter Platte aussagekräftig mit Gitarre zwischen ihren Bildern. Früh provozierten ihre Songs daher entsprechende Metaphern, waren aber immer schon zu lebendig, um sich als Gemälde erfassen zu lassen – auch wenn die emotionale Kartografie ihres zweiten Albums "One hand on the steering wheel, the other sewing a garden" ohne Zweifel von einer beeindruckenden Plastizität geprägt war. "When I paint my masterpiece" deutet nun eine gewisse Starrheit an, beginnt mit zwei 50 bis 100 Sekunden langen Tracks, die nur aus Akustikgitarre und Stimme bestehen. Doch schon in "Baby blue Frigidaire mini fridge" fließen die Instrumente, Lea und ihre Band formen einen warmen Folk-Rocker, dem nur so lange eine Mundharmonika zur Americana-Grandezza fehlt, bis diese tatsächlich einsetzt. Das "masterpiece" des Titels ist das Album nicht geworden, dafür hebt es sich zu wenig von den ebenfalls sehr guten Vorgängern ab. Als eine der jüngeren Fackelträgerinnen des an Bright Eyes und Co. geschulten Saddle-Creek-Sounds bleibt Lea aber weiterhin unheimlich versiert.

Hantierte die Kanadierin in der Vergangenheit mit Genre-Brüchen und harscheren Saiten, fokussiert sie sich diesmal auf die sanfte, gemächlichere Seite ihres Repertoires. Mit seinem schnelleren Beat und treibendem Bass kommt "Something in the wind" einem Rocksong am nächsten, bildet im wortlosen Refrain das Four Letter Word ab, das Lea zuvor sagbar zu machen versuchte: "Love is all there is / Love is all you'll get / Love is life and death / Love is a knife pushing its way through a crack." Eine zuweilen drohende Gleichförmigkeit untergräbt "When I paint my masterpiece" mit instrumentalen Akzenten und spannenden Entwicklungen innerhalb der einzelnen Stücke. Das späte Highlight "Down under the Van Horne Overpass" schüttelt sich erst allen Ballast mit einem Gitarrensolo ab und kulminiert dann in einem intensiven Schlussmantra. "Snow globe" beginnt auffallend schwungvoll und stürzt sich direkt auf die Mundharmonika, bevor Lea halbgesprochene Strophen in poppigere Hooks überführt. Dass His Bobness im augenzwinkernden Zweiminüter "Bob Dylan's 115th haircut" explizit erwähnt wird, wäre gar nicht nötig gewesen, ist sein Einfluss auf der ganzen Platte deutlich zu spüren. Und doch bewahrt sich Lea immer ihre Eigenständigkeit, hat sie sich schon längst als erfahrene Songwriterin aus eigener Kraft etabliert.

Ihr Gespür für Melodien und Harmonien kommt auch in den auf Piano statt Gitarre fußenden Songs zum Vorschein, wie etwa "Midnight magic" beweist – ein Talent, das sie seit kurzem übrigens an andere weitergibt, indem sie einen Songwriting-Kurs an der Concordia University betreut. Was sich eher nicht so leicht lernen lässt, ist die hinter einem Track wie "Diner" steckende Magie. Das Stück zieht bereits auf seltsame Weise in seinen Bann, bevor ein verqueres Synth(?)-Solo hindurchschneidet. Regelmäßig schafft es Lea, durch simple Parameterverschiebungen die Dringlichkeit an den richtigen Stellen anzuziehen, während die Naturnähe des Aufnahmeprozesses im ländlichen Ontario das ganze Album prägt. Das finale "Somebody is walking in the water" setzt schließlich auf große Chöre und unterstreicht mit dickem Pinsel – sorry – das Herzblut, das Lea in ihre alles andere als nebensächliche Profession als Musikerin steckt. Die Schaffung ihres "masterpiece" ist wirklich nur eine Frage des "when", nicht des "if".

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Baby blue Frigidaire mini fridge
  • Snow globe
  • Diner
  • Down under the Van Horne Overpass

Tracklist

  1. Death phase of 2024 (Rainlight)
  2. Moon blossom
  3. Baby blue Frigidaire mini fridge
  4. Something in the wind
  5. Midnight magic
  6. It isn't enough
  7. Snow globe
  8. Everything under the sun
  9. Just like in the museum
  10. Bob Dylan's 115th haircut
  11. Diner
  12. There is only one thing on my mind
  13. Dogs playing in the backyard
  14. Down under the Van Horne Overpass
  15. I want it all
  16. Somebody is walking in the water
Gesamtspielzeit: 48:49 min

Im Forum kommentieren

saihttam

2025-08-19 23:28:34

An sich ein schönes Album, aber ich finde sie hat ein bisschen an Eigenständigkeit eingebüßt. Auf den bisherigen beiden Alben hatte sie noch einen deutlich eigenwilligeren Gitarrensound. Hier klingt alles nach ziemlich gewöhnlichem Indie-Folk. Schade! Auch etwas zu lang das ganze.

MickHead

2025-08-08 19:17:03

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://adaleamusic.bandcamp.com/album/when-i-paint-my-masterpiece

Armin

2025-08-07 21:02:40- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

2025-08-05 08:21:20

Letzter Song vor dem Release!

"bob dylan's 115th haircut"

https://youtu.be/iHUpk3ymbRM?si=lVYVmiPFkJRQpP9c

MickHead

2025-07-23 17:58:08

3. Song "midnight magic"

https://youtu.be/Ayl4StYVFF0?si=JZ4kbGpk47RUs_Gk

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