Gordi - Like plasticine

Mushroom
VÖ: 08.08.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Musikalische Medizin

Sophie Payten hat die Fähigkeiten zu heilen. Also wortwörtlich sogar: Sie hat ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen. Allerdings heilt sie mittlerweile auf andere Weise. Ihre Musik ist Trostspender und Seelenbalsam in einem. Als Gordi klebt sie ihre durchlebten Erinnerungen und Emotionen in ein musikalisches Poesiealbum, bei dem man sich beim Durchblättern abgeholt und verstanden fühlt. Ihr drittes Album "Like plasticine" fügt ein paar Seiten hinzu und wirkt dabei vorsichtig optimistisch.

"GD (Goddamn)" tastet sich als ruhiges Intro zwar erst vorsichtig voran, etabliert aber von Beginn an die Atmosphäre von Intimität. Und schon der erste "richtige" Song "Alien cowboy" macht es sich mit einer erinnerungswürdigen und eingängigen Gesangsmelodie im Kopf bequem, bevor er sich am Ende in einer elektronischen Klangcollage verliert. Folktronica mag man die Musik von Gordi nennen – irgendwo zwischen Synthesizer und Gitarre. In "Cutting room floor" greift sie zu letzterer und scheint mit schnellen Drums im Gleichschritt in Richtung Sonne zu rennen und streift sich dabei frei: "I am a sucker for the show that must go on / Not anymore!" Ihre Stimme ist hier ganz klar, und näher kommt sie dem Indie-Pop auf "Like plasticine" nicht mehr. Dafür aber den 80ern, nach denen die Single "Peripheral lover" etwas klingt. Darin will sie sich nicht damit zufrieden geben, am Rand zu stehen, sondern ins Liebeszentrum gerückt werden. Ein astrein stampfender Pop-Song, in dem es um die Öffentlichkeit von queeren Beziehungen geht.

Weniger klar ist Gordis Stimme in "Diluted", das den Gesang digital transformiert und dadurch diffuser und unnahbarer wirkt. Das zweite Herz in Paytens Brust ist elektronisch und schlägt in manchen Momenten lauter. Manchmal vereint sie Elemente aber auch, wie in "Your consolation prize", in dem süße Pianomelodie und Synth-Strings als Streusel in einen herzerwärmenden Song passen, der sich wie Wolken nach dem Regen öffnet. Für zwei Songs springen außerdem ähnlich talentierte Musikerinnen ins Album. Da ist "Lunch at dune" mit der nordirischen Sängerin Soak und einer zarten Harmonie. Und das auffällig andere "PVC divide" mit der Amerikanerin Anaïs Mitchell, die mit außerweltlich klingender Stimme begeistert. Der Song besteht allerdings zu zwei Dritteln aus Instrumental und lässt so ganz viel Zeit, die Zeilen aus den Krankenhausgängen wirken zu lassen. Die Melancholie lässt Gordi zwar nie ganz los, aber sie hat sie nicht mehr durchgängig im Griff, und so fühlt sich "Like plasticine" nicht erdrückend schwer an. Ganz am Ende in "Automatic", einem epischen Rausschmeißer, wie er per Definition am Albumende stehen sollte, singt sie zwar noch mal: "The night will carry me away." Aber dann fasst man sich ans Herz und merkt, dass es ein bisschen weniger wehtut, weil Gordi einen wieder ein Stückchen geheilt hat.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Alien cowboy
  • Your consolation prize
  • Automatic

Tracklist

  1. GD (Goddamn)
  2. Alien cowboy
  3. Cutting room floor
  4. Pheripheral lover
  5. Lunch at Dune (feat. Soak)
  6. Settle
  7. Diluted
  8. Your consolation prize
  9. PVC divide (feat. Anaïs Mitchell)
  10. Head rush
  11. Broke scene
  12. Automatic
Gesamtspielzeit: 40:48 min

Im Forum kommentieren

Armin

2026-01-31 20:19:29

Danke für den Hinweis, war nicht in meinem Release Radar, anders als anderes unerwünschtes Zeugs.

MickHead

2026-01-31 14:10:05

Ein weiterer neuer Song!

"High Line"

https://youtu.be/ctoAVLD77g4?si=UQ5aqY9b2vo1Loe2

Arne L.

2025-10-16 15:28:19

Neue Single "Instant Life":

https://youtu.be/5dg9T-GhG6k?si=P0-gpMRNPtIUG8q0

MickHead

2025-08-08 19:31:20

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mH0iJed-oizuKSsD124VeVKpjx-DWCx-M&si=KZoFEjrPHHCAGMq6

Armin

2025-08-07 21:02:20- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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