Fever Ray - The year of the radical romantics

Rabid / PIAS / Rough Trade
VÖ: 25.07.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Kellerkind

Wer oder was Karin Dreijer alias Fever Ray genau ist, lässt sich noch immer nicht beantworten. Fest steht, dass die Schwedin seit nunmehr eineinhalb Dekaden mit ihrer eigenwilligen, eigenartigen Musik Menschen in aller Welt begeistert. Sie durchlief dabei diverse Metamorphosen, sowohl optisch als auch künstlerisch. Eine Konstante in ihrem Schaffen ist sicherlich die hohe Bedeutung, die sie Live-Performances beimisst. Während andere Musikschaffende auf der Bühne mehr oder minder motiviert Malen nach Zahlen betreiben, nutzt Dreijer die Gelegenheit, um ihre Kompositionen immer wieder aus neuen Perspektiven zu beleuchten. Folgerichtig ist "The year of the radical romantics" nicht einfach nur ein Live-Album zu ihrer letzten Tour, sondern auch eine spannende Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk.

Der Sound fällt dabei kristallklar aus, was perfekt zur kühlen, von Synthesizern und Sequencern dominierten Klangästhetik passt. Über den keuchenden und ächzenden Maschinen schwebt Dreijers Stimme, meist verfremdet, aber stets unverkennbar. Dass das neuere Material deutlich verkopfter daherkommt als die Songs der ersten beiden Alben, verdeutlicht zunächst, welche Entwicklung Fever Ray genommen hat. So sind die älteren Tracks häufig stark von Rave-Elementen geprägt, während alles, was von "Radical romantics" stammt, reduzierter und dichter klingt. So ballert "Now's the only time I know" noch immer vorzüglich und wirkt dabei wie ein schillerndes Zwitterwesen aus Depeche Mode und Trentemøller, welcher in der Vergangenheit mehrfach mit Dreijer kollaborierte und so sicher seine Spuren in ihrem Sound hinterlassen hat.

Tracks wie "New utensils" stehen hingegen sinnbildlich für den aktuellen Ansatz der Skandinavierin: Zu einer Musik, die eigentlich gar keinen Gesang zulässt, findet sie Melodien, die zwar nicht sofort im Ohr hängenbleiben, aber kompositorisch stets Sinn ergeben. Anders formuliert: Einen Hit wird sie mit dieser Herangehensweise wahrscheinlich nicht mehr produzieren, faszinierend bleibt ihr Schaffen aber dennoch. Ein Paradebeispiel hierfür ist "Kandy", das benebelt dem Morgen danach entgegentaumelt. Auch "Plunge" wird von einigen Songs vertreten, hier weiß besonders das brütende "Mustn't hurry" zu gefallen. Doch auch das immer noch herrlich weirde "To the moon and back" erstrahlt in der Live-Version in neuem Licht.

Vermisst wird einzig "Keep the streets empty for me", jener Dreijer-Song, der wahrscheinlich am ehesten das Zeug zum Evergreen hat. Als Entschädigung erhalten Fans jedoch eine zauberhafte Version von "If I had a heart" als Rausschmeißer. Im Gegensatz zur Studioversion lässt sich Fever Ray sehr viel Zeit, bis der eigentliche Song beginnt. Schwaden schweben vorbei, irgendwo im Hintergrund wird ein Becken gestreichelt. Langsam schiebt sich ein Dröhnen nach vorne, ehe ein Chor aus hoch- und heruntergepitchten Stimmen das Ruder übernimmt. Der Rest ist schwarze, schöne Finsternis, die dazu einlädt, sich in ihr zu verlieren. Nein, Spaß macht das alles nicht. Soll es nicht, muss es nicht. Auch im Keller lässt es sich ganz vorzüglich hausen, die richtige Wärmedämmung vorausgesetzt.

(Christopher Sennfelder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • Now's the only time I know
  • Mustn't hurry
  • To the moon and back
  • If I had a heart

Tracklist

  1. I'm not done
  2. Now's the only time I know
  3. What they call us
  4. New utensils
  5. When I grow up
  6. Mustn't hurry
  7. To the moon and back
  8. Shiver
  9. Kandy
  10. Even it out
  11. I'm not done
  12. Carbon dioxide
  13. Now's the only time I know
  14. If I had a heart
Gesamtspielzeit: 69:21 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-02-27 20:03:59

Heute wurde die neue 4-Track EP "The Lake/Wrong Flower" aus dem Film "The Bride! veröffentlicht.

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_l2X_ZqSN_ozKPkohEk1PiduMGQkF59Rcg&si=u05Y0L3b2oNuOQ-3

Dielemma

2025-08-11 23:14:54

Finde es auch stark, richtige Kracher dabei, vor allem Mustnt Hurry!

Unangemeldeter

2025-08-11 18:34:02

Richtig geiles Teil. Bin jetzt doch traurig dass ich zur letzten Tour nicht hin bin. Das letzte Album hat sich echt nicht gut gehalten, bzw hat es immer noch dieselben Filler die mich damals schon gestört haben. Aber die sind hier ja eh nicht drauf. Und die Versionen der alten Songs, damn. Mega.

Armin

2025-08-07 21:01:41- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

2025-07-25 11:21:09

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://feverray.bandcamp.com/album/the-year-of-the-radical-romantics

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Spotify

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Forum