Alex Warren - You'll be alright, kid
Atlantic / WarnerVÖ: 18.07.2025
Alles ganz normal
Machen wir uns nichts vor: Alex Warrens Karriere fußt in erster Linie auf seinem erfolgreichen TikTok-Hintergrund sowie einer konsequenten Vermarktung, die einem jungen und pausenlos online verfügbaren Publikum musikalische Tiefe suggeriert. Satte 21 Stücke hat der US-Amerikaner auf seinem Debüt-Doppelalbum "You'll be alright, kid" versammelt, auf welchem er brav zwischen aufbauenden Power-Balladen und blutarmen Upbeat-Nummern pendelt. Und zwar eine geschlagene Stunde lang. Der Sound des Shooting-Stars ist schnell erklärt: eine akustisch geklampfte Idee von Folk, 2010er-Stomp-Percussions, Blue-Collar-Romantik, Familie, Gott. Der Knackpunkt dabei: Weder die ausdruckslosen Gesangs-Skills des Kaliforniers noch das immergleiche Songwriting oder auffällige Produktionsentscheidungen sorgen dafür, dass etwas, aber auch irgendetwas hängenbleibt.
Dass "Eternity" irgendwie an Michael Schultes "You let me walk alone" erinnert, ist gewiss Zufall. Dass hingegen so ziemlich jede der ausnahmslos dreiminütigen Kompositionen nach "Human" von Rag'n'Bone Man, schamlosen Rip-offs dessen wie ESC-Isaaks "Always on the run", generischeren Imagine Dragons oder Mumford & Sons auf "modernen Beats" klingt, ist wohl das grundlegende Konzept. Ein omnipräsenter Background- respektive Gospelchor sorgt für Rückendeckung und schubst die Atmosphäre zuweilen gar ins Sakrale. Aber es dauert bis "Getaway car", damit Warren zum ersten Mal die Gesamtstimmung und sogar ganz dezent die Instrumentierung ändert. Bis dahin hat man unter anderem den Welthit "Ordinary" schon hinter sich gebracht, ohne es groß registriert zu haben. Außerdem kommt der Schock perfekt, dass auf einmal Nickelback aus den Boxen zu brettern scheinen, weil der perfekte Schwiegersohn Warren ein kleines bisschen rocken will.
Und inhaltlich? Der 24-Jährige navigiert gekonnt das harte Leben als weißer heterosexueller Influencer, bittet jedoch trotzdem um Führung von oben: "Give me a reason, give me a sign." Nach einem High Five vom Herrn im Himmel mischt er sich dann unters Volk, um seine Durchhalteparolen auch unter den weniger Gesegneten zu verbreiten: Merke, was auch immer passiert, "You'll be alright, kid", vergiss das nie. "Bloodline" beschwört darüber hinaus den fundamentalen Amerikanischen Traum – egal, wo man herkommt, man kann alles werden, alles sein. In "Who I am" fragt der Sänger seine Herzdame dann im Grunde, ob sie ihn immer noch lieben würde, wenn er ein Wurm wäre. Der thematische Überbau sitzt felsenfest. Aber die volle Stunde Musik rauscht ereignislos vorbei.
Es fällt kaum ins Gewicht, wenn die Gitarre doch wieder ein wenig Zerre wagt, ein kalkulierter Break halbwegs funktioniert oder das vergleichsweise flotte "You can't stop this" seine Bläserfanfaren recht geschickt eingliedert. Die einzelnen Bausteine von "You'll be alright, kid" sind an und für sich betrachtet nicht schrecklich. Aber nicht einmal K-Pop-Sternchen Rosé (ja, genau, die mit Bruno Mars und "Apt.") bringt es fertig, dass ihr Duett "On my mind" aus all dem Gleichklang hervorsticht. Sämtliche Abweichungen von der Standardformel fallen so geringfügig aus, dass sie bloß unscheinbare Details bleiben. Das große TikTok-Versprechen des "Taking me out of the ordinary" erweist sich demnach als Trugschluss: Alex Warren ist in etwa so außergewöhnlich wie "Live, laugh, love"-Wandtattoos aus dem Walmart. Drei Schritte zum ewigen Glück für alle, die von 1,7 Kindern, Thermomix und weißem Gartenzaun träumen: ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, Alex Warren hören. Möge er auch Euren Weg in die Belanglosigkeit begleiten.
Highlights & Tracklist
Highlights
- You can't stop this
- Troubled waters
Tracklist
- CD 1
- Eternity
- The outside
- First time on Earth
- Bloodline (with Jelly Roll)
- Never be far
- Ordinary
- Everything
- Getaway car
- Who I am
- You can't stop this
- On my mind (with Rosé)
- CD 2
- Burning down
- Catch my breath
- Carry you home
- Troubled waters
- Heaven without you
- Before you leave me
- Save you a seat
- Chasing shadows
- Yard sale
- You'll be alright, kid
Im Forum kommentieren
Deaf
2025-08-26 15:52:07
Wer hört sowas?
Offenbar sehr viele, im Gegensatz zur Musik, die unsereins so hört. ;-)
nörtz
2025-08-26 15:46:18
Dabei ist dieser Song, wie in der Rezi erwähnt, absolut generisch, so wie der Rest dieser Musik. Das kann auch eine KI erstellen. Ich muss den Mist täglich im Radio hören und ob da nun Schulte, Warren oder wie sie nicht alle heißen, läuft, ist vollkommen irrelevant.
Wieso dieser Song in der Schweiz 22 Wochen lang auf Platz 1 steht, muss ich wohl nicht verstehen. Die Stimmen dieser hochemotionalen Männer hören sich auch alle gleich an. Wer hört sowas?
Deaf
2025-08-26 14:42:14
Schade, dass sowas hier überhaupt rezensiert wird, während so viele tolle Alben fehlen. Wie ich heute irgendwo gelesen habe: Musik, die selbst einen Ed Sheeran-Song sperrig erscheinen lässt. Kommt aber, wenig überraschend, bei der breiten Masse super an. "Ordinary" hat in der Schweiz gerade den Nr. 1-Rekord gebrochen (seit 22 Wochen ganz oben).
nörtz
2025-08-02 01:57:35
Generische Müllmusik für Menschen, die das für reale Emotionen halten.
Armin
2025-07-29 15:57:21- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Alex Warren - You'll be alright, kid (5 Beiträge / Letzter am 26.08.2025 - 15:52 Uhr)
