Marina - Princess of power
Queenie / BMG / UniversalVÖ: 06.06.2025
Den Thron nicht im Blick
"Try my best to act my age / But the child won't behave / She wants to scream and cry and rage / And who am I to dig her grave?" Kurz vor Schluss ihres sechsten Albums, in der Ballade "Adult girl", scheint Marina Diamandis mit sich und ihrer inneren Teenagerin ins Reine zu kommen. So klar ist das allerdings nicht, geht es in dem Song später noch um Suizidgedanken oder Existenzkrisen und klingt er mit seinen einsamen Pianoanschlägen grundsätzlich wie ein Trauerlied. Eine solche Widersprüchlichkeit ist freilich nichts Neues bei Marina. Subversive, düstere Textzeilen und plattes Empowerment, Indie-Affinität und Mainstream-Anbiederungen, tolle Pop-Alben wie das immer noch frische Debüt "The family jewels" und persönlichkeitslose Nichtigkeiten à la "Love + fear" – auch nach 15 Jahren wird der interessierte Musikfan nicht so recht schlau aus dem Schaffen der Waliserin. Das ändert sich auch mit "Princess of power" nicht, das trotz viel überzeichneten Spaßes wieder einen Rückschritt im Vergleich zum großartigen "Ancient dreams in a modern land" macht.
Dabei können die Highlights hier mit jenem Vorgänger fast mithalten. "Stuck in a loveless generation / Ready to go through a transformation", verkündet der Titeltrack mit feierlichen Konservenstreichern und einem pulsierenden Disco-Beat, der jedes Märchenschloss zum Wackeln bringt. "Cuntissimo" trägt seine Camp-Grandezza schon im Titel, verschachtelt Italo-Disco-Stromschläge mit Fake-Opulenz, um am Comer See abhängend Ex-Partner*innen zu ignorieren. Dass "Cupid's girl" diesen kompromisslosen Drive einfach weiterführt, funktioniert genauso gut wie der erst majestätisch dösende, später dann doch losgaloppierende "Metallic stallion". "I chase him fast 'til I get on top", singt Marina hier, dabei beweisen die bisher genannten Tracks, dass sie sich in ihren besten Momenten ihren Platz an der Pop-Sonne längst verdient hat.
Dann gibt es wiederum aber auch Songs wie "Butterfly", die lieber in ihrem Kokon geblieben wären. Der hochgepitchte Refrain nervt schon beim ersten Hören, der kindlich-esoterischen Schmetterlings-Metaphorik fehlt ein notwendiger ironischer Unterbau. "Rollercoaster" liefert mit "Spread me like a picnic on the floor in the forest", zwar eine Zeile fürs Horniness-Pantheon, erinnert mit seinem völlig unmusikalischen Gestampfe aber unnötigerweise daran, dass "Hollaback girl" existiert. Stilloser ist nur der 8-Bit-Reggae von "Digital fantasy", der in Sachen Social-Media-Kritik auch nichts Interessantes zu sagen hat. Da himmeln wir lieber im frankophilen Theater-Pop von "Je ne sais quoi" einen Crush mit einer herrlich käsigen Line wie "You're hotter than God" an.
Auch wenn es "Hello kitty" mit "Rah rah"s und das abschließende "Final boss" mit Videospielmetaphern übertreibt, landet das Schlussdrittel von "Princess of power" insgesamt auf der guten Seite der Kitsch-Grenze. "I <3 you" bereitet mit Siebziger-Namechecking, Spoken-Word-Ausflügen und Glitzerkanonen auch schlicht zu viel gute Laune, um sich dabei Gedanken um die richtige Zuckerdosierung zu machen. "Everybody knows I'm sad" beleuchtet unter seinem technoiden Echo dahingegen die dunklen Ecken von Marinas Gefühlswelt: "I've been so lonely all of my life / Don't know if I can, I can survive / Maybe I'm not built for this kind of connection." Womit wir wieder am Anfang der Rezension wären und kein Stück weiter bei der Frage gekommen sind, wo sich Marina Diamandis 2025 als Künstlerin verorten lässt. Doch eine gute Dreiviertelstunde kann man sicher auch schlechter als mit einem guten, nur an wenigen Stellen die Geduld strapazierenden Pop-Album verbringen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Princess of power
- Cuntissimo
- Cupid's girl
- I <3 you
Tracklist
- Princess of power
- Butterfly
- Cuntissimo
- Rollercoaster
- Cupid's girl
- Metallic stallion
- Je ne sais quoi
- Digital fantasy
- Everybody knows I'm sad
- Hello kitty
- I <3 you
- Adult girl
- Final boss
Im Forum kommentieren
MickHead
2025-11-05 20:16:13
Ja, da muss ich dir zustimmen. Ein weiteres starkes Album, das hier kaum wahrgenommen wird. Muss man nicht verstehen! Radiolegende und Indie Koryphäe Paul Baskerville hat Marina Diamandis schon seit jeher in sein Herz geschlossen.
Die Deluxe Edition wurde am 24.10. veröffentlicht.
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_n9IA4QCI8D4KFgztNkYywgR8P9as-s6v8&si=Orw-Yx_9D21_E9br
MusikBlog
https://www.musikblog.de/2025/06/marina-princess-of-power/
Laut.de 4/5
https://laut.de/Marina/Alben/Princess-Of-Power-125401
einen hab ich noch 4/5
https://einenhabichnoch.com/2025/06/20/marina-princess-of-power/
Edrol
2025-11-05 14:49:09
Marina interessiert hier offenbar kaum jemanden; ich finde das Album, von dem unlängst eine Deluxe-Version erschienen ist, nach wie vor klasse. Wieder voller Ohrwürmer. Die Single "Butterfly" hat sich als immenser Grower herausgestellt, war da anfangs auch skeptisch. Mein Favorit: "Everybody Knows I'm Sad". Persönlich eine 8/10 für das Album.
Armin
2025-06-27 20:12:08- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
edegeiler
2025-06-06 09:09:39
Was ich bisher gehört habe, hat mich leider gar nicht abgeholt. Deswegen auch kaum Lust mir das komplett zu geben.
MickHead
2025-06-06 08:59:43
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_k8X-l_Zsmae_mD-3zMqFBTgjHMYiSckYk&si=s_LtrP-fiukc4knE
Musikexpress 4.5/6
https://www.musikexpress.de/reviews/marina-princess-of-power/
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