Madeline Juno - Anomalie Pt. 1
Embassy Of Music / TonpoolVÖ: 13.06.2025
Brave Ekstase
Madeline Juno weiß, wie Pop geht. Und das ist ein Problem. Auf "Anomalie Pt. 1" klingt sie so bewusst arrangiert und exakt stilisiert, dass die eigentlichen Emotionen dahinter manchmal kaum Luft bekommen. Musikalisch siedelt die Songwriterin ihr siebtes Album zwischen generischem Radiopop und Gelegenheits-Hyper-Rap an – ist allerdings zu brav für Letzteres und qualitativ zu gehoben für Ersteres. Beim Opener "Mediocre" führt Juno ihre Hörer aber zunächst auf eine falsche Fährte. Der Song ist durch seinen Fokus auf Stimme und Akkorde überraschend minimalistisch. Doch der Gesang klingt durch unnatürliche Überbetonungen affektiert und angestrengt. Ein Problem, das noch in weiteren Songs des Albums auftaucht.
Dabei ist der erste Höreindruck meistens kein schlechter: Die eingängigen Elektropop-Melodien auf "Anomalie Pt. 1" sind erst catchy, verpuffen aber häufig in der Mitte. Etwa "Hab ich Dir je gesagt…" beginnt atmosphärisch und hookstark, bleibt danach aber auf der Stelle stehen – wie ein TikTok-Sound, der länger laufen muss, als ihm guttut. "Butterfly effect" hält die spannende Waage zwischen langsamen Beats und zunehmend schnellen Rhythmen. Während die Zeile "Ich bin seit 2006 in 'nem Butterfly effect" jedoch sofort ins Ohr geht, verfliegt der Rest des Songs in der Irrelevanz. Die Reime und sprachlichen Stilmittel sind auf "Anomalie Pt. 1" nicht selten der spannendste Aspekt der Songs: "Center Shock" etwa setzt auf dynamische Wortaufzählungen und schafft es so fast in Rap-Territorien, nur um dann doch wieder zu einer Pop-Melodie zurückzukehren. Ein cleverer Schwenk, der außerdem den packendsten Refrain des Albums liefert. Im Titelsong "Anomalie" schöpft die Künstlerin das Elektropop-Potenzial komplett aus: Clubgrooves und Autotune erzeugen den Anschein von Ekstase, während Junos glasklare Stimme vom Ausnahmezustand erzählt.
Verkehrt ist das alles nicht. Aber es bleibt das Gefühl, dass "Anomalie Pt. 1" gerne mehr musikalisches und inhaltliches Drama hätte, als es am Ende tatsächlich liefert. Vieles klingt sauber, nichts wirkt schräg, aber genau hier steckt die Schwäche des Albums. Die inszenierte Verletzlichkeit bleibt oft genau das: künstlich. Vielleicht bringt "Pt. 2" mehr Ecken und weniger Schwankung mit. Oder einfach Songs, die sich trauen, nicht nur hübsch auszusehen, sondern auch mal weniger glatt zu sein.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Center Shock
- Anomalie
Tracklist
- Mediocre
- Hab ich Dir je gesagt...
- Center Shock
- Schlimmster Mensch der Welt
- Reservetank
- Butterfly effect
- Liebe in Spiegelschrift
- Fuck marry kill
- Anomalie
- Vorsicht zerbrechlich
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Armin
2025-06-27 20:11:58- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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