Ben Kweller - Cover the mirrors

The Noise Company
VÖ: 30.05.2025
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Songs zum Leben

Ben Kweller, der lockige Kauz an der Gitarre, avancierte in den Nullerjahren zu einem Indie-Nerd-Liebling. Die richtig große Karriere blieb ihm verwehrt, doch mit dem Wahl-Kalifornier ist nicht nur eines der Referenzwerke jener Dekade in Sachen Singer-Songwriter verbunden, sondern er füllte seine Nische mit absolut eigener Note. Trotz anderer Lebensschwerpunkte und längerer Pausen: Musik war und blieb für den Amerikaner absolute Essenz in seinem Leben. Nach seinem 2006 geborenen Sohn Dorian natürlich, dessen erste musikalische Gehversuche er als Vater mit Hingabe begleitete und förderte. Bis hinein in den Februar 2023, als ein Verkehrsunfall Dorians Leben jäh beendete. Nun erscheint "Cover the mirrors" an seinem 19. Geburtstag, und alleine der Gedanke, wie Eltern diesem brutalen Schicksal wohl begegnen mögen, spült dem Autor dieser Zeilen fette Schockwellen über den Rücken.

Kweller indes suchte umgehend Halt im Komponieren neuer Stücke. Songs schreiben schien der alleinige Ansatz, um weiterzumachen, die einzige Option, mit dem Verarbeiten überhaupt beginnen zu können, die einzige Möglichkeit, "nicht komplett verrückt zu werden", wie er zum Release des siebten Studiowerkes "Cover the mirrors" selbst zu Protokoll gibt. Beinahe müßig zu erwähnen, dass das Album vollgepackt ist mit Zeilen des Trauerns, des Unbegreifens. Das intensive "Going insane", das intim beginnt und Intensität aufbaut, ist ein erstes bewegendes Zeugnis. Auch Songs wie "Letter to agony" oder "Oh Dorian!" als Closer und Abschiedsgruß sprechen absolut für sich.

Besonders bewegend dann die Story rund um "Trapped", ein Stück, das Dorian koponierte, das eine seiner ersten Romanzen adressiert und das er in seinem Zimmer zu jammen pflegte. Kweller freut sich, diesen Song live zu spielen und seinen Sohn "auf der Bühne weiterleben zu lassen", wie er selbst es ausdrückt. Es gibt aber auch starke Worte der Liebe. Und positive Signale des Ringens darum, nach vorn zu schauen. "Optimystic", der Weezer-eske Indierocker, täuscht das gute Gefühl allerdings eher nur vor: Für den positiven Vibe der Musik stehen dunkle Zeilen und Vorahnungen Pate. Anders jedoch der umarmende, orchestral und opulent arrangierte Indie-Pop von "Don't cave", der Licht in der Erinnerung sucht: "Don't cave / Don't give in when your heart aches / Don't let the bridge between us break."

Fans alter Tage freuen sich zudem, dass auch Kwellers verschmitzter Humor, seine Kauzigkeit noch da ist. "Park Harvey fire drill" kommt als Lo-Fi-Folkrocker auf der slackenden Akustischen daher, während das feine "Dollar store", gemeinsam intoniert mit Katie Crutchfield alias Waxahatchee, ein unterhaltsames, bittersüßes Szenario erzählt und den Indie-Rock der Neunziger hochleben lässt. Musik und Lyrics auf "Cover the mirrors" lösen intensive, sehr unterschiedliche Emotionen aus. Für Kweller indes ist das Album selbstredend sein bisher eigenen Angaben zufolge emotionalstes und wichtigtes Projekt. Ein eigens errichteter Wegweiser in die Zukunft. Auf einem Weg, den es eigentlich gar nicht gibt.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Going insane
  • Dollar store (feat. Waxahatchee)
  • Trapped
  • Optimystic

Tracklist

  1. Going insane
  2. Dollar store (feat. Waxahatchee)
  3. Trapped
  4. Park Harvey fire drill
  5. Depression (feat. Coconut Records)
  6. Don't cave
  7. Optimystic
  8. Killer bee (feat. The Flaming Lips)
  9. Letter to agony
  10. Save yourself
  11. Oh Dorian! (feat. MJ Lenderman)
Gesamtspielzeit: 40:47 min

Im Forum kommentieren

The Libertine

2025-07-03 17:32:45

landet in den Top 20 am Ende des Jahres.

Vielleicht sein berührenstes Album

Shadow Talk

2025-07-03 16:47:58

Tönt gut! Lt. meinem Plattenhändler allerdings wohl leider (noch?) nicht auf Vinyl in D erhältlich.

Hollowman

2025-07-03 16:43:02

Freut mich, dass nach so langer Zeit nochmal ein neues Album gekommen ist. Hatte grade überrascht festgestellt, dass Go Fly a Kite schon 13 Jahre alt ist. Hatte den guten Ben vor mindestens 15 Jahren auch mal in Köln live gesehen. Das Konzert werde ich wohl nie vergessen, weil er einfach immer weiter gespielt hat und gar nicht mehr aufhören wollte.

Cover the Mirrors gefällt mir jetzt sehr gut, verdiente 8/10. Traurige Geschichte natürlich, die dahinter steht. Die weitestgehend ruhige, emotionale Stimmung, die das mit sich bringt, steht ihm aber gut.

Dollar Store ging bei mir direkt ins Ohr, schöner Ausbruch auch hintenraus. Weitere Highlights für mich erstmal Trapped und Letter to Agony. Aber insgesamt wie gesagt wirklich schöne Platte.

MickHead

2025-05-31 12:49:10

Komplette Playlist bei YouTube:

https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lvxISXqASyOEUj-WSC7gb_ukX9IKZ2kkQ

Armin

2025-05-28 20:28:30- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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